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Abschied | 04/2018

Abschied STERBEBEGLEITUNG Die fünf Phasen des Sterbens Wenn wir wissen, was einen Sterbenden bewegt, können wir ihm besser beistehen iStockphoto, © KatarzynaBialasiewicz Menschen verhalten sich manchmal nicht so, wie wir es erwarten, irritieren uns dadurch und lösen andererseits bei uns Reaktionen aus, die sie vor den Kopf stoßen. Der Umgang mit Menschen ist oft schon in Alltagssituationen nicht einfach und um ein Vielfaches schwieriger in Extremsituationen. Dann ist es hilfreich, wenn man sich in den anderen Menschen hineinversetzt, seine Situation, zu verstehen versucht, was ihn bewegt, was er denkt und fühlt, welche Ängste und Sorgen er hat. Das ist bei einem Sterbenden wirklich nicht einfach, denn wir setzen uns ungern mit diesem Thema auseinander und es war lange Zeit in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, ist es bei vielen Menschen auch heute noch. Mit der Extremsituation Sterben setzte sich die schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross (1926 – 2004) auseinander und entwarf ihr sogenanntes 5-Phasen-Modell. Dieses entwickelte sie durch eine Vielzahl von Gesprächen mit Sterbenden und Trauernden. Menschen sind zwar sehr verschieden und so sind die verschiedenen Phasen auch sehr unterschiedlich ausgeprägt, dennoch ist es das Verdienst von Elisabeth Kübler-Ross, das Sterben für Außenstehende verstehbar gemacht zu haben. Dieses 5-Phasen-Modell hilft Pflegenden und Angehörigen bei der Sterbebegleitung. Phase 1: Das Leugnen In diesem Abschnitt wird die Hiobsbotschaft des bevorstehenden Todes vom Patienten selbst oder den Angehörigen des Verstorbenen geleugnet. So werden zum Beispiel Befunde nicht ernst genommen und man ist der Meinung, dass es sich um eine Fehldiagnose oder eine Verwechslung handeln muss. Oft wird versucht, dem Patienten diese schlimme Nachricht zu verheimlichen, um einen Schock zu vermeiden oder weil man Anzeigensonderveröffentlichung 20

STERBEBEGLEITUNG Abschied » Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben. « Cicely Saunders Anzeigensonderveröffentlichung es einfach nicht fertig bringt. Doch dieses Verschweigen kann den Betroffenen in eine noch größere Krise stürzen. Oft ahnt er, dass er belogen wird, verliert Vertrauen, wird noch unruhiger durch die quälende Ungewissheit. Phase 2: Der Zorn Die zweite Phase wird von Wut dominiert. Diese entwickelt sich aus Neid auf die Weiterlebenden und auf die Gesunden. Oft kommt es hierbei zu unkontrollierbaren Wutausbrüchen auf alle, die nicht in absehbarer Zeit sterben werden, da sie weiter ihre Träume und Wünsche realisieren können. Zudem plagt den Sterbenden die natürliche Angst vor dem Tod. Dem Patienten Aufmerksamkeit zu widmen und seinen Zorn im Notfall zu provozieren um eine Aussprache zu ermöglichen, sind die einzigen Arten der Hilfe in dieser Phase. Wichtig ist außerdem, dass man als Angehöriger diese Wut nicht persönlich nehmen darf. Phase 3: Das Verhandeln Oft ist diese Phase nur kurz und sehr flüchtig. Zwar erkennt der Betroffene den bevorstehenden Tod an, dennoch versucht er zu verhandeln mit den Ärzten, dem Pflegepersonal, dem Schicksal oder mit Gott. Es wird um Aufschub gerungen zum Beispiel bis zur Geburt des ersten Enkels. Der Sterbende nimmt intensiv an Therapien teil in der Hoffnung auf Heilung oder ein Wunder. Angehörige und Pflegepersonal sollten im Sinne der Wahrhaftigkeit keine falschen Hoffnungen wecken. Phase 4: Die Depression Die Depression ist vor allem durch eine hoffnungslose innere Leere und durch das Gefühl geprägt, dass alles sinnlos sei. Der Sterbende trauert um das, was er durch seinen Tod verlieren wird, um das, was ihn wichtig war. Er bereut vielleicht auch zurückliegende Versäumnisse oder erinnert sich an Probleme und Aufgaben, die er nun nicht mehr bewältigen kann. Um dem Betroffenen in dieser Phase zu helfen, kann man ihm weiterhin von seinem Umfeld berichten und ihm versichern, dass dessen Angehörige und Freunde ihn zwar vermissen werden, aber das Leben auch ohne ihn meistern werden. Phase 5: Die Akzeptanz Diese Phase ist die schwierigste Phase für die Betroffenen und Angehörigen, da sie frei von Gefühlen ist. Die Schmerzen sind vergangen, der Kampf ist vorbei und der Sterbende möchte sich nicht länger den Problemen der Außenwelt stellen. Nach seinem Zorn und Neid auf alle Weiterlebenden erwartet er nun den Tod und dehnt seinen Schlaf aus. Angehörige erfahren in diesem Abschnitt oft Zurückweisung und Ablehnung. Ältere Patienten erreichen diese Art der Zustimmung leichter als jüngere, da sie auf ihr Leben zurückblicken und für sich einen Sinn erkennen, beispielsweise die eigenen Kinder oder dass sie für die Nachwelt etwas hinterlassen haben. Helfen können Familienangehörige meist nur durch stummes Zuhören, da dem Sterbenden somit gezeigt wird, dass sie bis zum Tod an seiner Seite sind. y 21