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Abschied | 04/2018

Abschied ORT DER BESINNUNG Bestattungskultur im Umbruch Weniger klassische Bestattungen, mehr Selbstverwirklichung oder Pragmatismus liegen im Trend iStockphoto, © Kenny10 In Deutschland gibt es etwa 32.000 Friedhöfe. Sie ähneln sich oft so sehr im Gesamterscheinungsbild, in der Grabgestaltung, in den Formen der Grabmale und sogar in den darauf verewigten Gedanken der Trauer, dass man zu der Aussage geneigt ist, dass man alle gesehen habe, wenn man einen gesehen hat. Abgesehen von regionalen oder religiösen Unterschieden sehen sich die klassischen Friedhöfe zum Verwechseln ähnlich. Ihr Erscheinungsbild hat sich aus alten Traditionen und religiösen Gründen entwickelt, aber in den letzten Jahrhunderten kaum verändert. Trauer ist eine sehr starke Emotion. Aus der Notwendigkeit, mit ihr umgehen zu müssen, hat sich eine Trauerkultur entwickelt, die so tief in der Gesellschaft verwurzelt ist, dass Veränderungen sich nur langsam durchsetzen. Hinzu kommt, dass die Themen Tod und Trauer von vielen Menschen lieber verdrängt werden, sie ungern und am liebsten gar nicht darüber nachdenken und einfach die Trauerrituale übernehmen, weil es schon immer so gemacht wurde oder weil es die Mitmenschen einfach so erwarten. Vielleicht gehören die Friedhöfe deshalb zu den wenigen beständigen Dingen in unserer schnelllebigen, unbeständigen Welt. Das finden viele gut und richtig so. Ihnen geben die Friedhöfe Halt und Geborgenheit. Doch es mehren sich auch die Stimmen, die die Frage stellen, ob die Trauerkultur in Anzeigensonderveröffentlichung 48

ORT DER BESINNUNG Abschied Deutschland noch zeitgemäß sei. Eine nicht unberechtigte Frage. Denn Veränderungen gibt es unübersehbar und das nicht erst seit wenigen Jahren. Es ist kein großer Umbruch in kurzer Zeit, sondern ein langsamer Prozess über Jahrzehnte, deren Auswirkungen das Bestatterwesen und andere Branchen wie Steinmetz oder Friedhofsgärtner immer deutlicher spüren. Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Trauerkultur. Das sehen wir beispielsweise an Familiengrüften, die kaum noch neu angelegt werden. Familien und vor allem Großfamilien mit einem festen regionalen Bezug verlieren zunehmend an Bedeutung. Doch auch die Einstellungen und Ansichten der Menschen ändern sich: Laut einer Studie von tns Infratest wünschten sich 1998 noch 78 Prozent der Deutschen ein klassisches Sarg- oder Urnengrab. 2016 waren das nur noch 43 Prozent. Es fällt auf, dass der Wunsch nach Individualisierung bei Bestattungen ganz deutlich ansteigt. Er äußert sich bei der Wahl von speziellen Urnen oder Särgen bis hin zu ungewöhnlichen Bestattungsformen von Friedwald bis Weltraumbestattung. Die Menschen trauen sich auch zunehmend, Wünsche zu äußern, mit denen sie vor wenigen Jahren nur Unverständnis und keinerlei Akzeptanz geerntet hätten. Diese reichen von gemeinsamen Bestattungen mit dem eigenen Haustier, wie sie zum Beispiel in Bremen angeboten werden, bis zu Beisetzungen auf einem speziellen Friedweinberg in Rheinland-Pfalz. Die Gesellschaft ist vielfältiger geworden. Dies hat auch Einfluss auf Trauerkultur, die ebenfalls an Vielfalt gewonnen hat und für unterschiedlichste Menschen die Möglichkeit bietet, individuelle Vorstellungen zu verwirklichen. Neben den klassischen Friedhöfen, die von den hier dominierenden Religionen geprägt wurden, gibt es seit einigen Jahren auch Naturbestattungen oder nun auch muslimische Friedhöfe. Dahingegen stellt der 2014 in Berlin eröffnete „Friedhof für Lesben“ in Deutschland noch eine Ausnahme dar. Der Trend zur Individualisierung wird sich fortsetzen. Auch wenn das einige sicher bedauern und der alten Trauerkultur nachtrauern. In den Veränderungen liegen auch Chancen für einen besseren, offeneren Umgang mit den Themen Tod und Trauer. y STEINMETZ-WUTZLER Anzeigensonderveröffentlichung GERD WUTZLER STEINMETZ- U. STEINBILDHAUERMEISTER CRIMMITSCHAUER STRASSE 26 – 28 08058 ZWICKAU Telefon 0375 213719 Fax 0375 44067890 E-Mail wutzler.grabmale@gmx.de Web www.steinmetz-wutzler.de 49