Aufrufe
vor 5 Monaten

Abschied | 04/2018

Abschied VORSORGE Patientenverfügung Brauche ich ein solches Dokument wirklich? iStockphoto, © KatarzynaBialasiewicz W enn es um unseren Körper und unsere Gesundheit geht, so haben wir ein Recht, mit zu bestimmen. Doch was ist, wenn wir dieses Recht nicht wahr nehmen können? Es können Situationen eintreten, in denen wir nicht mehr einwilligungsfähig sind und medizinisch behandelt werden müssen. In einer Patientenverfügung kann man festlegen, welche medizinischen Maßnahmen man in solchen Situationen wünscht, insbesondere, wenn diese besonders starke Auswirkungen auf das eigene Leben haben (z.B. unheilbare Krankheit, Demenz, Wachkoma). So lange man gesund ist und selbstbestimmt alles im eigenen Sinne regeln kann, braucht man natürlich keine Patientenverfügung. Doch es gibt keine Garantie, dass wir bis zum Lebensende in der Lage sind, wichtige Entscheidungen zu treffen. Mit einer Patientenverfügung kann konkret festgelegt werden, welchen medizinischen Behandlungen und Maßnahmen zur Intensivpflege man bei schweren Erkrankungen, unfallbedingten Verletzungen, Hirnschädigungen oder altersbedingtem Hirnabbau zustimmt oder welche man ablehnt. Vielleicht liegt es in der Natur des Menschen, dass man Gedanken an schlimme Anzeigensonderveröffentlichung 6

VORSORGE Abschied » Trauer ist der Ausnahmezustand der Seele « Klaus Ender Anzeigensonderveröffentlichung Szenarien verdrängt. Es fällt wohl keinem Menschen leicht, sich damit auseinander zu setzen. Und besonders in jungen Jahren, wenn man gesund ist, wähnt man derartige Situationen weit weg. Doch die Praxis zeigt, das die Nichtexistenz einer Patientenverfügung nicht das einzige Problem darstellt. Liegt nämlich ein entsprechendes Dokument vor, so erweist es sich in vielen Fällen als zu unkonkret und für die Situation unbrauchbar. Dafür gibt es zwei Ursachen. Einerseits fehlt den meisten Menschen die medizinische Kompetenz, um eine wirklich für alle Situationen brauchbare Verfügung abfassen zu können. Ein medizinischer Laie vermag nicht abzuschätzen, welche Konsequenzen das Verweigern bestimmter Behandlungen und Therapien nach sich zieht. Ein Laie kennt ja nicht einmal die heutigen medizinischen Möglichkeiten und niemand weiß, welche Möglichkeit den Ärzten in zehn oder zwanzig Jahren zur Verfügung stehen wird. Das zweite Problem: Zwar ringen sich viele zu so einem Schritt durch, weil sie verstanden haben, dass eine Patientenverfügung irgendwie nützlich und sinnvoll ist und man sie haben sollte, sind aber dennoch nicht bereit, sich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen. Also schnell einige Formulare im Internet halbherzig angeschaut, einige Kreuzchen setzen, Unterschrift, Datum und abgehakt ist die unangenehme Sache. Wer so ran geht, sollte es lieber gleich lassen. Bei der Patientenverfügung kommt es darauf an, so konkret wie möglich den Patientenwillen zu beschreiben. Umso gezielter und sicherer kann dieser auch tatsächlich berücksichtigt und umgesetzt werden. Dies hat auch der Bundesgerichtshof (BGH) in seinem Beschluss vom 06.07.2016 (XII ZB 61/16) bestätigt. Für eine wirksame Patientenverfügung ist die Benennung bestimmter ärztliche Maßnahmen und die Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen notwendig heißt es da. Eine Patientenverfügung sollte also ganz konkret schildern, wie der Verfasser in bestimmten Lebens- und Krankheitssituationen ärztlich behandelt werden möchte. Das hört sich schwer an und ist es leider auch. Zudem sind viele ganz verschiedene Situationen und Szenarien denkbar, die letztlich dazu führen können, dass eine vorhandene Patientenverfügung zur Anwendung kommen könnte. Es ist unmöglich, auf all diese denkbaren und auch undenkbaren Situationen konkret einzugehen. Beraten lassen Experten raten deshalb einhellig, sich beraten zu lassen, von einem Arzt beispielsweise oder von Mitarbeitern eines Hospizdienstes. Vorher sollte man sich im Klaren sein, was man auf keinen Fall möchte. Hilfreich ist es auch, im Beratungsgespräch die eigenen Wertevorstellungen, Ängste und Befindlichkeiten darzulegen, das hilft dem Fachmann, besser auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen. Wer bereits unter einer schweren Krankheit leidet, spricht am besten seinen behandelnden Arzt auf das Thema Patientenverfügung an. y 7