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Abschied | 04/2020

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Leben vor dem Tod

Leben vor dem Tod Sterbende begleiten, Fürsorge, Geborgenheit Foto: iStockphoto, © KatarzynaBialasiewicz Bevor ein Mensch stirbt, durchläuft er viele Phasen von Hoffnung, Krisen und Trauer. Den Sterbenden und auch ihre Angehörigen durch diese Phasen von Anfang an bis zum Ende zu begleiten, ist eine schwierige Aufgabe. Wir können das Leben der Todkranken nicht verlängern, aber wir können die Zeit, die noch bleibt, lebenswert machen. Sterben ist Leben – Leben vor dem Tod. Die Hospizarbeit zielt vor allem auf lindernde Pflege und Fürsorge. y 16

STERBEBEGLEITUNG Abschied Geschichte der Hospizbewegung Sterbenskranken Menschen einen Ort des Schutzes und des Beistandes geben Der Begriff Hospiz stammt vom lateinischen hospitium ab und heißt Herberge. Bereits im Mittelalter existierten in ganz Europa Hospizhäuser, oft in entlegenen Gebieten. Diese Häuser standen jedem offen, der Schutz und Herberge suchte. Jedem sollte schon damals, ohne Unterschiede, Beistand und Fürsorge geleistet werden, jeder sollte respektvoll behandelt werden. In früheren Epochen war das Sterben allgegenwärtig im Leben der Menschen. Damals war es der Normalfall, dass die nächsten Angehörigen die Alten und Todkranken pflegten und die Familie selbst ihre Toten begrub. Natürlich sterben auch heute die Menschen, aber es findet oft sozusagen im Verborgenen statt im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung. Und nach dem Ableben kümmert sich ein Bestatter um die Beisetzung. Daher gibt es heutzutage viele Menschen, die Zeit ihres Lebens nie das Sterben eines Menschen direkt miterlebten oder eine Leiche gesehen haben. Der Tod hat in unseren modernen industrialisierten Welt wenig Platz. Er wird verdrängt und so musste der Hospizgedanke sozusagen neu erfunden werden. Cicely Saunders sah das Leid der oft „abgestellten Sterbenden“, wie sie es erlebte und empfand. Mit der Vision, sterbenskranken Menschen einen Ort zu geben, an dem sie beschützt, ihrer Würde bewahrt und ohne Angst sterben konnten, gründete sie 1967 in London das erste Hospiz der Neuzeit im Sinne der modernen Hospizbewegung, das St. Christopher’s Hospice. Saunders sah in diesem Hospiz eine Station des Lebens, eine „Art, seine letzte Lebenszeit zu erleben“. Der Betrieb eines Krankenhauses ist voll darauf fokussiert, zu heilen und das Leben zu verlängern. Der Grundgedanke eines Hospizes ist es hingegen, auf unnötige lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten. Schwerpunkte sind Pflege, um Leiden zu Anzeigensonderveröffentlichung 17