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Aus- & Weiterbildung | 06/2017

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2 EDITORIAL Mit Bildung

2 EDITORIAL Mit Bildung punkten von Christian Wobst sonderthemen@freiepresse.de Vor ein paar Jahren war eine Lehrstelle im Traumberuf für viele junge Menschen noch wie ein Sechser im Lotto. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Unternehmen in der Region suchen Azubis, in nicht wenigen Fällen bleiben freie Stellen unbesetzt. Dass die deutsche Wirtschaft gerade richtig boomt, ist gut für die Azubis. Für die Angestellten haben die vollen Auftragsbücher aber mitunter eine Schattenseite: Weil so viel zu tun ist, bleiben Weiterbildungen auf der Strecke. Doch die sind notwendig, wenn ein Unternehmen nicht den Anschluss an die Mitbewerber verlieren will. Der Aktionsrat Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft machte in seinem Gutachten „Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen an die Politik“ gerade deutlich, dass es in Sachen Weiterbildungsbeteiligung hohe regionale Unterschiede gibt. Welche Position Sachsen einnimmt, wird in dem Gutachten nicht ausgeführt. Die Autoren kommen für Deutschland aber zu dem Fazit, dass für die Unternehmen eine der wichtigsten Herausforderungen in den kommenden Jahren darin bestehen wird, das Wissen und Können der Beschäftigten auf dem neuesten technologischen Stand zu halten. IMPRESSUM Aus-& Weiterbildung ist eine Anzeigensonderveröffentlichung der „Freien Presse“. VERLAG Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG Brückenstraße 15 09111 Chemnitz ANZEIGENLEITUNG Tobias Schniggenfittig (verantw.) VERKAUFSLEITER Torsten Müller Telefon: 0371 656 10717 Mail: torsten.mueller@ cvd-mediengruppe.de REDAKTION Christian Wobst Telefon: 01712898247 TITELBILD sturti/istockphoto.com Junge Frau ist im Metallberuf kreativ So erklimmt eine 23-jährige Vogtländerin die Karriereleiter im Handwerk Es ist ja nicht so, dass sich Sarah Bauer keine Gedanken über ihre berufliche Zukunft gemacht hat. Mit dem Abitur des Rodewischer Pestalozzigymnasiums in der Tasche, wollte die 23-Jährige eigentlich Pharmazie studieren. Doch als die Zusage dann auf dem Tisch lag, war sie sich nicht mehr ganz so sicher, ob sie wirklich ihr ganzes Leben lang als Apothekerin kranken Menschen bunte Pillen verkaufen wollte. „Also habe ich mich für eine Ausbildung zur Metallbauerin entschieden.“ Der Beruf war insofern naheliegend, als dass ihr Vater, Metallbauermeister Heiko Eismann, in Treuen bereits in dritter Generation einen Metallbaubetrieb führt. Allerding gibt Sarah Bauer auch zu, dass sie bis zur Entscheidung für die Lehre mit dem Beruf des Metallbauers nicht viel am Hut hatte. „Mein Vater hat mich auch nie unter Druck gesetzt, den Betrieb eines Tages zu übernehmen und unterstützte auch meinen Wunsch, ein Studium zu beginnen. Doch jetzt glaube ich, ist er ganz froh, dass ich mich anders entschieden habe“, sagt die junge Frau. Eines Tages werde sie den Betrieb, der heute sieben Mitarbeiter beschäftigt und Metallerzeugnisse sowohl für Industriekunden als auch Privatpersonen herstellt, übernehmen. Und wie ist es, als Tochter des Chefs im elterlichen Betrieb eine Ausbildung zu beginnen? „Ich wollte nie eine Vorzugsbehandlung und habe diese auch nicht bekommen“, erinnert sich Sarah Bauer. Sie gibt aber auch unumwunden zu, dass es nicht immer einfach sei, wenn man 24 Stunden privat und beruflich miteinander zu tun habe. Kleinere Reibereien würden da nicht ausbleiben. Zumal Sarah Bauer hohe Ansprüche an sich selbst stellt: „Nur allein die Lehre zu machen, hätte mich nicht ausgefüllt“, sagt sie. Also entschied sie sich, parallel noch die Qualifizierung zum Technischen Betriebswirt (HWK) zu absolvieren. Dieser gehört zu einem der höchsten Abschlüsse, die das Handwerk zu bieten hat. Über vier Jahre werden mit den Schwerpunkten Betriebswirtschaft, Finanzwirtschaft, Volkswirtschaft, Recht, Marketing, Personalführung und Business-Englisch optimale Voraussetzungen für einen schnellen Einstieg in interessante AUS- & WEITERBILDUNG ···················································································································································································································································································································································································· ANZEIGENSONDERVERÖFFENTLICHUNG sowie verantwortungsvolle Management- und Führungsaufgaben geschaffen. „Wer sich für diese Qualifikation interessiert, sollte auf jeden Fall Interesse für betriebswirtschaftliche Themen mitbringen“, sagt Sarah Bauer. Am notwendigen „Sitzfleisch“ darf es ebenfalls nicht mangeln. „Die Kurse finden immer Freitagnachmittag und am Samstag ganztags statt. Besonders nach dem Ende der Lehre war es schon hart, bei schönsten Sommerwetter im Technologiezentrum der Handwerkskammer Chemnitz die Schulbank zu drücken“, erzählt die 23-Jährige. Ein Abbruch kam für sie dennoch nie in Frage. Anfang des Jahres schloss sie den Technischen Betriebswirt ab, um seit April wieder die Schulbank bei der Handwerkskammer Chemnitz zu drücken. Da der Technische Betriebswirt die Möglichkeit bietet, die nachfolgende Meisterausbildung zu verkürzen, nutzte Sarah Bauer Sarah Bauer aus Rodewisch macht Karriere im Handwerk. Foto: Christian Wobst diese große Chance. „Die Teile I und IV der Meisterausbildung werden mir anerkannt und ein Meistertitel gehört im Handwerk einfach dazu“, sagt sie selbstbewusst. Im Kopf ist ihr Meisterstück, eine Bank mit einer aufgehenden Blüte als Lehne, schon fertig. „Das schöne an meinem Beruf ist, dass ich kreativ tätig sein kann und am Ende sehe, was ich geschaffen habe“, fasst sie zusammen, was in ihren Augen die Tätigkeit des Metallbauers auszeichnet. Kein Wunder also, dass sie es noch nicht bereut hat, vom Pillenverkauf die Finger zu lassen. Sie weiß, dass sie als Frau unter den Metallbauern ein Exot ist, kann ihren Weg aber auch anderen Mädchen ans Herz legen. Denn vor doofen Sprüchen der Herren müsse niemand Angst haben. Sowohl in der Lehre als auch in der Ausbildung zum Technischen Betriebswirt sei der Umgang mit den anderen immer sehr kollegial gewesen. –www.hwk-chemnitz.de 23. Juni 2017 FRAUEN IM TECHNISCHEN BERUF Trotz vieler Maßnahmen zur Förderung der Ausbildung von Frauen in technischen Berufen konnte ihr Anteil in den vergangenen mehr als 20 Jahren nicht gesteigert werden. So lag der Anteil im Jahr 2015 mit 12,4 Prozent auf dem Niveau des Jahres 1993. Dies ergibt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen in technischen Ausbildungsberufen. Dennoch gibt es „frauentypische“ Technikberufe, wenn auch nur wenige. Hierzu zählen der Augenoptiker (Frauenanteil: 72 Prozent), der Biologielaborant (66 Prozent), der Mediengestalter Digital und Print (60 Prozent), der Zahntechniker (60 Prozent) sowie der Hörgeräteakustiker (58 Prozent). Der hohe Frauenanteil gerade in diesen Berufen belegt, dass Frauen bei der Wahl eines technischen Berufes mehrheitlich diejenigen mit einer gesundheitstechnischen beziehungsweise kreativen Ausrichtung bevorzugen. Die überwiegend „männertypischen“ Technikberufe stammen dagegen alle aus dem Produktionssektor. Beispielhaft hierfür stehen der Land- und Baumaschinenmechatroniker, der Elektroniker, der Metallbauer, der Informationselektroniker sowie der Kfz-Mechatroniker. In diesen Berufen liegt der Männeranteil bei 96 bis 99 Prozent. Die BIBB-Auswertung weist ferner auf einen „Bildungsvorsprung“ der Frauen gegenüber den Männern hin, denn Frauen verfügen häufig über eine höhere schulische Vorbildung. Liegt der Anteil der Studienberechtigten an der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System aktuell bei 27,7 Prozent, so steigt er bei einer geschlechterspezifischen Unterscheidung bei den Frauen auf 34 Prozent an, während der Anteil bei den Männern auf 24 Prozent sinkt. Betrachtet man nur die technischen Berufe, geht die Schere zwischen Männern und Frauen noch weiter auseinander, denn hier liegt der Anteil der Frauen mit Studienberechtigung bei 44 Prozent (Männer: 23 Prozent). Traditionell befinden sich in der dualen Berufsausbildung mehr Männer als Frauen (rund 60 zu 40 Prozent). Was die schulische Berufsausbildung in den Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens betrifft, verhält es sich umgekehrt: Sie wird in mehr als drei Viertel aller Fälle von Frauen gewählt.

Wie lernen wir in Zukunft? Wissenschaftler stellen die richtigen Fragen AUS- & WEITERBILDUNG 23. Juni 2017 3 ···················································································································································································································································································································································································· ANZEIGENSONDERVERÖFFENTLICHUNG 3834496-10-1 Die Anforderungen, die die Digitalisierung an die Arbeitnehmer stellt, werden immer komplexer. In einem Gutachten fordern Wissenschaftler jetzt, junge Leute in Schule und Ausbildung umfassend auf diese Herausforderungen vorzubereiten. Foto: Frank Gaertner/fotolia Wie sieht die Bildung in 13 Jahren aus? Mit seinem Ende Mai veröffentlichten Gutachten „Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen an die Bildungspolitik“ „drückt“ sich auch der Aktionsrat Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft um eine Antwort auf diese Frage. Die Experten wissen, wie schwierig Prognosen in diesen Zeiten sind. Statt einer Antwort, versuchen die Wissenschaftler es in guter philosophischer Tradition lieber mit Fragen an die Bildungsverantwortlichen im Land. Diese Fragen lauten zum Beispiel: „Wie kann die Innovationsbereitschaft der Menschen im Lebenslauf gefördert werden und wie können Heranwachsende in der Schule, der Berufsausbildung und an den Hochschulen auf das hohe Veränderungstempo im späteren Lebenslauf vorbereitet werden?“ Oder: „Wie muss das Bildungssystem auf die Veränderung beruflicher Ausbildungsinhalte im Berufsstrukturwandel, insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung, reagieren?“ Das Gutachten ist in zwölf Themenbereiche unterteilt, die sich mit der Globalisierung genauso befassen wie mit dem Wertewandel und dem beruflichen Strukturwandel. Nicht fehlen darf natürlich das Thema Digitalisierung. Denn: „Eine der größten Herausforderungen wird es in Zukunft sein, aus der potentiell unendlichen Informationsflut der digital vernetzten Welt sinnvolles und verwertbares Wissen mit einem adäquaten Zeitaufwand herauszufiltern. Dies wird nur gelingen, wenn der richtige Umgang mit den neuen digitalen Möglichkeiten gelehrt und gelernt wird“, heißt es in dem Bericht. Der Angst vieler Menschen, die Digitalisierung vernichte ihre Arbeitsplätze, treten die Autoren des Gutachtens vehement entgegen. Viele Studien hätten gezeigt, „dass viele Berufe zwar in den letzten Jahrzehnten einen teilweise extremen Wandel der Anforderungsprofile an Mitarbeitende durchlaufen haben, die Anzahl der letztlich benötigten Menschen jedoch relativ konstant geblieben ist“. Allerdings hätten Produktionsberufe in den vergangenen beiden Jahrzehnten an Relevanz verloren, während Dienstleistungsberufe wichtiger wurden. Dass Berufe ganz verschwinden, sei wenig wahrscheinlich. Die Berufsbilder allerdings werden sich in Zukunft mehr oder weniger stark wandeln. „Deswegen wird eine der wichtigsten Herausforderungen sein, das Wissen und Können der Beschäftigten durch Weiterbildung auf dem neuesten technologischen Stand zu halten“, schreiben die Autoren. Gleichzeitig gelte es, jungen Leute eine Schul- und Berufsausbildung zu ermöglichen, die auf neuesten Stand der technologischen Entwicklung basiert. 3835040-10-1 3834565-10-1