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Aus- & Weiterbildung | 06/2018

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10 AUS- & WEITERBILDUNG

10 AUS- & WEITERBILDUNG 22. Juni 2018 ···················································································································································································································································································································································································· SONDERAUSGABE Neues Gymnasium sitzt in den Startlöchern Neues Angebot für Realschüler ab Sommer 2019 in Chemnitz ANZEIGE Chemnitz bekommt ab Sommer kommenden Jahres ein neues Berufliches Gymnasium. Die entsprechenden Anträge hat die ASG – anerkannte Schulgesellschaft mbH beim sächsischen Kultusministerium eingereicht. Im Interview gibt Schulleiter Gerd Junghanns einen Einblick in das Projekt. Für wen eignet sich das Berufliche Gymnasium? Für Jugendliche, die die Realschule in Klasse 10 mit einem besseren Notendurchschnitt als 2,5 abgeschlossen haben und die eine weiterführende Schule besuchen möchten, um sich praxisverbunden und handlungsorientiert auf eine Studienrichtung vorzubereiten. Wichtig ist, dass die Interessenten nicht älter als 18 Jahre sind. Worauf legen Sie bei Ihrer Ausbildung wert? Wir wollen anwendungsbereites und übertragbares Wissen vermitteln und dazu beitragen, dass sich die Schüler Kompetenzen für den weiteren, selbstständigen Wissenserwerb aneignen. Ganz im Sinne einer humanistischen Ausbildung achten wir zudem auf eine Werteorientierung. Was ist das Besondere an Ihrem Gymnasium? Lassen Sie mich zunächst sagen, dass wir die Entwicklung einer vertieften allgemeinen Bildung und den Erwerb der Studierfähigkeit durch wissenschaftsorientiertes Arbeiten und die Vermittlung fachrichtungsspezifischer und berufsbezogener Inhalte garantieren. Dabei vermitteln unsere Lehrer sowohl allgemeinbildende als auch berufsbezogene Unterrichtsinhalte. Eine Besonderheit unseres Gymnasiums ist aber die Zusammenarbeit mit den Fakultäten der Technischen Universität Chemnitz. So ······································································· GERD JUNGHANNS Schulleiter des Beruflichen Gymnasiums Chemnitz Foto: Memory-Card Klemm / ASG ······································································· bieten wir in Zusammenarbeit mit der Uni ein erweitertes wissenschaftliches, vier Wochen dauerndes Praktikum und die Teilnahme an hochschulischen Lehrveranstaltungen an. Darüber hinaus wird die besondere Lernleistung in Klassenstufe 13 inhaltlich mit Beteiligung von Dozenten der Chemnitzer Universität konzipiert und durch diese mit betreut. Das Beste aber: Die während der Schulzeit erworbenen Studienleistungen können in Form von Creditpoints einem späteren Studium an einer Universität oder Hochschule dienen. Welche Fachrichtungen sind möglich? Wir geben für vier Fachrichtungen eine Durchführungsgarantie. Im Einzelnen sind das die Fachrichtungen Gesundheit und Sozialwesen, Technikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik und Technikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Maschinenbautechnik sowie die Wirtschaftswissenschaft. Wie lange dauert die Ausbildung? Das Berufliche Gymnasium umfasst die Klassenstufen 11, 12 und 13. Nach dem erfolgreichen Abschluss berechtigt unser Abitur zum Studium aller Fachrichtungen an einer Universität oder Hochschule, an einer Fachhochschule oder einer Berufsakademie. Wir wollen dabei mit unserem Gymnasium dazu beitragen, dass unsere Absolventen aufgrund einer guten Vorbereitung kürzer studieren als andere. Zudem sollen spätere Studienabbrüche so gut wie möglich vermieden werden. Und wenn die Abiturienten anschließend lieber eine Lehre beginnen wollen? Wir bieten allen Schülern eine praxisnahe Orientierung. Dafür ist ein sechswöchiges Praktikum vorgesehen. Zudem streben wir eine Verbindung zu regionalen Unternehmen und kooperierenden Firmen an. SERVICE Das Berufliche Gymnasium Chemnitz befindet sich an der Annaberger Straße 79. Erreichbar sind die Mitarbeiter per Telefon (0371 56041410) und E-Mail (info@berufliches-gymnasiumchemnitz.de). Für den 29. August laden wir ab 15 Uhr zu einem Informationsnachmittag ein. Am 12. September gibt es ab 16 Uhr eine Informationsveranstaltung. ANZEIGE 3927015-10-1

AUS- & WEITERBILDUNG 22. Juni 2018 11 ···················································································································································································································································································································································································· SONDERAUSGABE Arbeitswelt 4.0: Das müssen Mitarbeiter können Studie: Nachfrage nach technischem Fachwissen wird dramatisch steigen – Zugleich ist künftig mehr Kreativität gefragt Automatisierung und künstliche Intelligenz werden den Arbeitsalltag und die dafür benötigten Fähigkeiten dramatisch verändern. Bis 2030 wird der Anteil der Arbeit, der technisches Wissen voraussetzt, um bis zu 55 Prozent steigen, während immer weniger händische oder motorische Fertigkeiten benötigt werden (minus 14 Prozent). Gleichzeitig werden soziale und emotionale Kompetenzen an Bedeutung gewinnen. Der Anteil der Arbeitszeit, der diese Fähigkeiten erfordert, wird bis 2030 um rund 24 Prozent zunehmen. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die das McKinsey Global Institute (MGI) unter dem Titel „Shift skills – Automation and the future of the workforce“ veröffentlicht hat. Das MGI hat dafür erstmals quantifiziert, welchen Effekt der Einsatz neuer Technologien auf die Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten hat. Untersucht wurden exemplarisch fünf Branchen (Banken und Versicherungen, Energie, Gesundheit, verarbeitende Industrie sowie Handel). Im Mittelpunkt der Untersuchung standen neben Deutschland die USA, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien. Körperliche und manuelle Fähigkeiten weniger gefragt In Deutschland wird der Rückgang der Arbeitszeit, die auf den Einsatz händischer Fähigkeiten entfällt, mit minus 22 Prozent bis 2030 noch deutlicher sein als in den anderen untersuchten Ländern. „Grund dafür ist, dass Stellen vor allem im NEUE MODELLE DER WEITERBILDUNG verarbeitenden Gewerbe immer weniger physische Kraft und händisches Steuern von Maschinen erfordern werden“, sagt Anna Wiesinger, Düsseldorfer Juniorpartnerin bei McKinsey und Ko-Autorin der Studie. Die technologischen Fähigkeiten der Arbeiter in Deutschland seien im internationalen Vergleich schon heute vergleichsweise hoch, stellt sie fest. Die Studie zeigt: Deutschland liegt gegenwärtig mit einem Anteil von 14 Prozent der Arbeitszeit, die auf technologische Expertise entfällt, vor den USA und Frankreich (je 11 Prozent) oder Großbritannien (12 Prozent). Bis 2030 wird sich dieser Anteil in Deutschland auf 19 Prozent erhöhen. Zu den untersuchten Fähigkeiten gehören IT-Expertise, Programmier- und Analysekenntnisse sowie wissenschaftliche Forschungs- und technische Designfähigkeit. Wiesinger: „Deutschland baut den Schwerpunkt auf Technologiefähigkeiten aus.“ Nachfrage nach sozialen Fähigkeiten steigt Durch Automatisierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz werden laut Studie auch andere Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen. Der Anteil an Arbeitszeit, der soziale und emotionale Fähigkeiten voraussetzt, wird in Deutschland um knapp ein Viertel auf dann 20 Prozent zunehmen. Auch in Zeiten der Digitalisierung gewinnen also Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, Empathie und Führungsvermögen weiter an Bedeutung. Automatisierung und Digitalisierung stellen Unternehmen vor enorme Herausforderungen: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden sie laut Studie der gemeinnützigen Organisation Ashoka und der Unternehmensberatung McKinsey & Company ganz neue Formen und Inhalte in der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter entwickeln müssen. Upskilling: In allen bestehenden Jobs müssen Mitarbeiter geschult werden, neue Technologien anwenden zu können. Beispiele sind Fabrikarbeiter, die etwa im Einsatz von Robotern geschult werden müssen. Digital reskilling: Durch die Digitalisierung entstehen neue Anforderungen an IT- oder Technikberufe beispielsweise bei Bau und Entwicklung von Robotern, Cloud Computing oder bei der Datenverarbeitung. Hier müssen Unternehmen völlig neue Fähigkeiten vermitteln. Human reskilling: Da sich die gesamte Arbeitswelt verändert, benötigen Unternehmen Mitarbeiter, die ihre Kollegen darauf vorbereiten, sie zum Lernen neuer Fähigkeiten motivieren. Erweitertes Einfühlungsvermögen wird auch im Umgang mit Kunden benötigt, die an neue Angebote herangeführt werden müssen. Meta Skills: Selbstorganisation, Führungs-, Anpassungs- und Teamfähigkeit, Kreativität – diese Fähigkeiten sind wichtig, weil lebenslanges Lernen und die Notwendigkeit, sich auf Veränderungen einzulassen, für Arbeitnehmer im digitalen Zeitalter immer wichtiger werden. Die Analyse zeigt eine durch Automatisierung weiter zunehmende Nachfrage nach Arbeitnehmern. Der Gesundheitssektor nimmt in dem Vergleich eine Sonderrolle ein. Wiesinger: „Der Gesundheitsbereich ist der einzige Sektor, in dem auch die Nachfrage nach körperlichen und händischen Fähigkeiten weiter steigt, weltweit um rund fünf Millionen Arbeitskräfte.“ Dies liege vor allem an dem demografisch bedingten steigenden Bedarf an Krankenschwestern, Pflegern oder Physiotherapeuten. In der Finanzbranche ist mit einer weitreichenden Automatisierung von Verwaltungstätigkeiten zu rechnen. Ähnlich ist es im Handel: Automatisierung von unterstützenden administrativen Tätigkeiten, dafür mehr Kundeninteraktion. Ein Muss: Mitarbeiter mit neuen Fähigkeiten ausstatten Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen laut Studie ihre Mitarbeiter gezielt aus- und weiterbilden. „Jeder dritte Top-Manager fürchtet, dass fehlende Fähigkeiten in der Belegschaft direkte negative Auswirkungen auf die Geschäftsbilanz haben können“, erläutert Wiesinger die Ergebnisse einer Befragung von 3000 Vorständen in sieben Ländern. Jeder vierte Befragte äußert die Sorge, dass Wachstumsziele verfehlt werden. Auf die Frage nach den wichtigsten Veränderungen von Organisationsstrukturen in den nächsten Jahren nennt ein Viertel die Einführung und Förderung breiterer Trainingsangebote für Angestellte. Wiesinger: „Kernaufgabe wird es sein, Mitarbeiter schnell genug mit Fähigkeiten für die Zukunft auszustatten.“ ANZEIGE 3925551-10-1