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Familie | 06/2018

Familie

Familie heute ◗ Nadine Scholz mit ihrem Lebensgefährten David Wilke. Foto: privat »Patchwork heißt, mit nichts hinter dem Berg zu halten « Nadine Scholz das Down Syndrom. Sie braucht also noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit von uns. Allerdings macht sie unser Familienleben viel intensiver, weil man sich über die kleinen Fortschritte freut, über die man bei anderen Kindern schneller hinwegsieht. Kürzlich hat sie zum ersten Mal alleine aus einem Becher getrunken. Diese Momente, wenn sie neue Dinge lernt, für andere selbstverständlich, sind für uns wie eine große Party. Mein Mann arbeitet in Schichten. Deshalb ist uns das gemeinsame Essen am Morgen oder Abend besonders wichtig. Für ein gemeinsames Frühstück stehen wir alle auch schon einmal eine halbe Stunde eher auf. Was unserer Erfahrung nach besonders wichtig ist, damit die Patchworkfamilie funktioniert? Wir versuchen unserem Sohn mitzugeben, dass er mit Problemen nicht hinter dem Berg hält und alles sofort besprochen wird. Das versuchen wir auch selbst vorzuleben.“ Michaela Schubert, 35, Präventionsdozentin aus Zwönitz „Bevor ich 2013 meinen jetzigen Mann kennen und lieben lernte, war ich Alleinerziehende eines Vierjährigen. Mein Alltag war im Vergleich zu heute deutlich leiser, aber im ähnlichen Maße turbulent. Mein Spross wollte stets sein eigenes Trotzköpfchen durchsetzen. Für Eltern nichts Neues. Damals schon wechselten sich mal kleinere, mal größere Problemchen mit einer liebevollen Portion familiärer Harmonie ab. Als kleines Mädchen wollte ich vier Kinder haben. Als junge Frau jedoch entschied ich mich bewusst für nur ein Kind. Aber wie so oft, kommt es im Leben anders als man denkt. So auch bei mir. Nach ein paar unglücklichen Beziehungen traf ich den Mann Anzeigensonderveröffentlichung - 6 -

Familie heute Anzeigensonderveröffentlichung meines Lebens. Von Anfang an wusste ich, dass zu ihm drei Kinder gehören, um die er sich regelmäßig kümmert. Nun hieß es, unsere insgesamt vier Kinder zusammenzubringen. Seine zwei Jungs und seine Tochter sowie mein Sohn brauchten eine kleine Schnupperphase, aber die Chemie untereinander passte von Anfang an recht gut. Aus der anfänglichen Scheu wurde nach und nach Gewohnheit. Mit der Zeit kamen dann die nicht so süßen Schokoladenseiten aller Beteiligten ans Tageslicht. Dieser Moment läutete die Bewährungsprobe im Alltag ein. Nun hieß es, Ärmel hochkrempeln, um eine gemeinsame respektvolle Ebene zu erarbeiten. Ich als neue Frau an der Seite des geliebten Papas hatte so meine Anlaufschwierigkeiten mit den zwei Jungs, die beide älter als mein Sohn sind. Dagegen kam ich mit der Tochter meines Mannes sofort richtig gut klar. Sie genießt seitdem den Stellenwert einer Bonustochter. Mein Sohn tat sich zu Beginn ebenfalls schwer, sich in diese neue Situation hineinzufuchsen. Es fiel ihm wirklich schwer, seinen Platz zu finden. Er war den familiären Trubel schlicht und ergreifend nicht gewohnt. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team. Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse sind genauso an der Tagesordnung, wie harmonische Familienmomente. Patchwork bedeutet harte Arbeit, immer und immer wieder. Der Vorteil meiner Patchworkkonstellation ist, dass wir, im Gegensatz zu normalen Familien, in den regelmäßigen Genuss von kinderfreien Wochenenden kommen. Die gemeinsamen Tage zu sechst sind stets sehr turbulent, aber durchaus mit liebevollen Moment gespickt, so wie bei „normalen“ Familien. Als Ehepaar genießen wir allerdings mit gutem Gewissen auch die kinderfreie Zeit, in der wir wieder Kraft für die Flausen »Patchwork heißt, Ärmel hochkrempeln « Michaela Schubert ◗ Michaela Schubert mit ihrem zehnjährigen Sohn Vincent Steudel. Foto: privat unserer Kindern sammeln. Egal ob Patchwork- oder Großfamilie, Hauptsache den Kindern fehlt es nicht an elterlicher Zuwendung. Ich für meinen Teil sehe mich nicht als Mutterersatz und schon gleich gar nicht als Stiefmutter. Ein rücksichtsvolles Verhältnis mit den Patchworkkindern liegt mir viel mehr am Herzen.“ Patchworkfamilien Zwischen 7 und 13 Prozent der Familien in Deutschland sind Stief- beziehungsweise Patchworkfamilien. Das geht laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus verschiedenen Daten hervor, die allerdings zu keinen einheitlichen Ergebnissen führen. Alle Berechnungen bestätigen jedoch, dass der Anteil an Stieffamilien in den neuen Bundesländern höher ist als in den alten. Dies lässt sich damit erklären, dass in neuen Bundesländern häufiger Ehen geschieden werden und somit häufiger neue Familienkonstellationen entstehen. - 7 -