Aufrufe
vor 5 Monaten

FP Steuern und Finanzen - 25.01.2019

  • Text
  • Finanzen
  • Geld
  • Steuern
  • Januar
  • Sonderausgabe
  • Altersvorsorge
  • Kauf
  • Etfs
  • Arbeitgeber
  • Geltend

10 STEUERN & FINANZEN

10 STEUERN & FINANZEN ···················································································································································································································································································································································································· SONDERAUSGABE Verbraucher sind bei Kryptowährungen oft skeptisch Umfrage: Mehr als die Hälfte der Internetnutzer kennt den Begriff – Verbraucherschützer warnen vor Risiken 25. Januar 2019 Die Meinungen zu virtuellen Währungen wie Bitcoin & Co. als Alternativen zu gängigen Zahlungsmitteln sind gespalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung von Internetnutzern durch Teams des Marktwächters Finanzen aus den Verbraucherzentralen Hessen und Sachsen. Jeder Zehnte, dem Kryptowährung ein Begriff war, konnte sich vorstellen, zu investieren. Die Mehrheit sieht die digitalen Währungen kritisch. Nur wenige würden Kryptowährungen kaufen Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten Internetnutzer kennt den Begriff Kryptowährung; doch nur jeder Dritte kann Kryptowährungen laut eigener Aussage auch erklären. Unter denjenigen, die Kryptowährungen kennen, wurde die Investitionsbereitschaft abgefragt: Für etwa jeden Zehnten ist ein Kauf eine Option (elf Prozent); weitere elf Prozent sind unentschlossen. 77 Prozent können sich nicht vorstellen, Kryptowährungen zu kaufen. Unter den Jüngeren (18 bis 29 Jahre) ist die Investitionsbereitschaft am ausgeprägtesten: Hier ist der Kauf für drei von zehn Befragten (28 Prozent) denkbar. „Anleger müssen jedoch wissen: Kryptowährungen als Geldanlage sind Grauer Kapitalmarkt. Regulierung und Anlegerschutz gibt es nicht“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Internet-Währungen wie der Bitcoin sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel. Finanzen mit dem Schwerpunkt Grauer Kapitalmarkt bei der Verbraucherzentrale Hessen. Diejenigen Befragten, die sich den Kauf von Kryptowährungen vorstellen können, nennen als wichtiges Argument die Chance, spekulieren und hohe Gewinne erzielen zu können (26 Prozent). Die Einschätzung, Bitcoin & Co. seien das „Geld der Zukunft“ teilen 17 Prozent der Befragten. Verbraucher sehen hohe Risiken bei Bitcoin & Co. Befragt nach dem Risiko, beurteilten 70 Prozent derjenigen, die den Begriff Kryptowährung kennen, eine Investition in virtuelle Währungen als eher riskant oder sehr riskant. Auch hier unterscheiden sich die Einschätzungen in den Altersgruppen stark: So werteten in der Gruppe der 30- bis 39-jährigen nur 54 Prozent die Anlage als eher riskant oder sehr riskant. „Leichtfertig sollten aber auch jüngere Anleger nicht investieren“, sagt Brandes. „Die damit einhergehenden Risiken reichen bis zum Totalverlust des angelegten Geldes. Zudem beobachten wir schon seit längerem, dass zwielichtige Anbieter besonders in Sozialen Medien aktiv sind. Sie locken offenbar gezielt jüngere Verbraucher mit einem vielversprechenden Investment rund um die neuen Kryptowährungen. Dahinter stecken aber oft mehrstufige Vergütungspläne, die vermutlich Schneeballsysteme sind – oder das investierte Geld ist Foto: rcfotostock/stock.adobe.com am Ende einfach weg und der Anbieter nicht mehr erreichbar. Wir haben vor diesen Maschen schon mehrfach gewarnt.“ Skepsis überwiegt bei Kryptowährung zum Bezahlen Wie eine Marktwächter-Umfrage zur Bargeldnutzung schon gezeigt hat, verhält sich die Mehrheit der Verbraucher gegenüber technischen Entwicklungen im Finanzbereich eher zögerlich: Der Hang zum Bargeld ist nach wie vor groß und die Akzeptanz und breite Verwendung von Mobile Payment eher gering. „Auch bei Kryptowährungen überwiegt insgesamt die Skepsis gegenüber dem Vertrauen. Daneben akzeptieren momentan wenige Anbieter Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Ob diese von einer Randerscheinung zu einer echten Zahlungsalternative für Verbraucher werden, ist derzeit noch völlig offen“, sagt Kerstin Schultz, Teamleiterin Marktwächter Finanzen mit dem Schwerpunkt Banken- und Konsumentenkredite bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Möglichkeit, mit Kryptowährungen einfach und schnell zu bezahlen, wissen elf Prozent der potenziellen Käufer schon jetzt zu schätzen. Weitere zehn Prozent nennen die Zahlungssicherheit und fünf Prozent die Anonymität als Positivmerkmale von Kryptowährungen. Gegen den Kauf von Kryptowährungen spricht aus Sicht der skeptischen Befragten die Unsicherheit. Insbesondere aufgrund unseriöser Angebote und angesichts fehlender Regulierung führt dies bei 21 Prozent der Befragten eher zur Ablehnung des virtuellen Geldes. VIRTUELLE WÄHRUNGEN Bitcoin, Ripple oder Ethereum sind digitale Zahlungsmittel, die sich unabhängig von Zentralbanken entwickeln und unter dem Begriff „Kryptowährungen“ zusammengefasst werden. Mittlerweile existiert eine Vielzahl dieser Angebote. Sie sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel, werden aber wegen der Chancen auf Kursgewinne auch als Geldanlage und Spekulationsobjekt genutzt. ANZEIGEN 3976940-10-1 Ratgeber hilft Sparen Schritt-für-Schritt-Anleitung von Finanzprofis Mit dem Spar-Set (144 Seiten, 14,90 Euro) haben die Finanz-Profis der Stiftung Warentest eine praktische Anleitung zum Sparen herausgegeben. Das Ziel: Ausgaben senken und Geld für Notfälle und Träume haben. Zahlreiche Checklisten und Formulare mit Ausfüllhilfen zum heraustrennen helfen dabei, ebenso wie eine detaillierte Schritt-für-Schritt- Anleitung, wie man sein Monatsbudget ermittelt, Kosten und Geldfresser analysiert, sich konkrete Sparziele setzt und schließlich lernt, seine laufenden Kosten zu senken. Das Spar-Set ist im Buchhandel (978-3-86851-484-1) erhältlich.

Seine Bücher tragen Titel wie „Souverän investieren für Einsteiger: Wie Sie mit ETFs ein Vermögen bilden“ oder „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“ und sind Bestseller im Bereich der Finanzbücher. Im Interview erläutert Gerd Kommer, wie eine moderne Altersvorsorge heute aussehen sollte. Viele Menschen wissen, dass es für die Altersvorsorge nichts bringt, das Geld auf der Bank liegen zu lassen. Sie scheuen sich aber vor Investments am Aktienmarkt, zum Beispiel weil sie befürchten, jetzt sei der falsche Zeitpunkt. Doch gibt es diesen richtigen Zeitpunkt überhaupt? Einen „richtigen“ Zeitpunkt, also den optimalen Zeitpunkt für den Einstieg in Aktien gibt es nicht. Optimal wäre es, am Tiefpunkt einer Aktie einzusteigen. Doch wann dieser Tiefpunkt erreicht ist, lässt sich nicht zuverlässig sagen, auch wenn das in den Medien mitunter so transportiert wird. Heute wissen wir: Wenn man im März 2009, am Tiefpunkt der Aktienmärkte mitten in der großen Finanzkrise investiert hätte, dann wäre man heute phänomenal reich. Doch damals im März 2009 konnte man natürlich nicht wissen, dass der Tiefpunkt erreicht worden ist. Es hätte ja auch weiter bergab gehen können. Weil dem so ist, ist es am klügsten, immer dann zu investieren, wenn man Geld hat. Langfristig kennt der DAX nur eine Richtung und die zeigt nach oben: Warum sind Aktien trotzdem bisher nicht als Anlagemöglichkeit bei der Mehrheit der Deutschen angekommen? Darüber haben sich schon viele gescheite Leute den Kopf zerbrochen. Meiner Einschätzung nach gibt es vor allem zwei Gesichtspunkte. Der eine ist kultureller Natur. Wir Deutschen sind einfach „obervorsichtig“. Wir wollen es immer ganz genau wissen und garantiert haben. In keinem Land der Welt werden mehr kapitalbildende Lebensversicherungen verkauft als in Deutschland. Wir brauchen verzweifelt Sicherheit, auch wenn diese nur scheinbar vorhanden und sehr kostspielig ist. Aktien bieten auf kurze und mittlere Sicht diese Sicherheit nicht und deshalb haben viele Menschen Angst vor Aktien. Dazu kommt, dass die gesetzliche Rentenversicherung in sehr vielen Ländern eher nur eine Zusatzversicherung ist. Niemand könnte damit bei Eintritt in das Rentenalter seinen Lebensstandard halten. Deshalb haben sich die Menschen in vielen anderen Ländern darauf eingestellt, dass sie selbst etwas tun müssen. Die private Vorsorge ist damit in diesen Gesellschaften fest verankert. In Deutschland ist das historisch nicht der Fall gewesen. Erst seit zehn, 15 Jahren wird den Bürgern hierzulande allmählich klar, dass die gesetzliche Rente mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht reichen wird, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Nehmen wir an, ein normal am Wirtschaftsleben interessierter Mensch trägt sich mit dem Gedanken, etwas für seine Altersvorsorge zu tun. Soll er in Immobilien, Aktien oder zinstragende Anleihen investieren? Ich würde mindestens ein Drittel meines Geldes in einen weltweit gestreuten Aktien-ETF investieren. Ein ETF hat für den Privatanleger den großen Vorteil und das ist seine einfache Struktur. Wenn man sich einmal damit beschäftigt hat, ist leicht zu verstehen, was sich dahinter verbirgt. Dazu kommen die vergleichsweise geringen Kosten für die Verwaltung eines ETFs. STEUERN & FINANZEN 25. Januar 2019 11 ···················································································································································································································································································································································································· SONDERAUSGABE „Investieren Sie immer dann, wenn Sie Geld haben“ Bestsellerautor und Vermögensberater Gerd Kommer im großen Interview Bestseller-Autor Dr. Gerd Kommer. Foto: Tanja Alde Wieviel Zeit müsste ein Privatanleger pro Woche einplanen, um die gröbsten Fehler zu vermeiden und das Portfolio im Plus zu halten? Grundsätzlich sollte man bei einem so wichtigen Thema wie der Altersvorsorge schon ein bisschen Zeit investieren. Trotzdem ist der Zeitrahmen überschaubar: Mein Einsteigerbuch könnte man in fünf, sechs Stunden lesen. Wenn man dann noch ein bisschen googelt und auf der einen oder anderen Webseite schaut, dann reicht das eigentlich schon. Denn geht man zur Bank, eröffnet ein Depot und macht, was in dem Buch beschrieben ist, kauft ein oder zwei ETFs und richtet einen Sparplan ein. Das ist wirklich kein Hexenwerk. Wenn man sich demgegenüber überlegt, wieviel Zeit die Menschen in den Kauf einer Immobilie investieren, die ja auch eine populäre Form der VITA Dr. Gerd Kommer gründete Anfang des Jahres 2017 in München die Gerd Kommer Invest GmbH, ein Finanzberatungsund Vermögensverwaltungsunternehmen für vermögende Privatkunden, Stiftungen und die betriebliche Altersvorsorge von Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Davor war er knapp 25 Jahre lang im Großkundenkreditgeschäft von Banken und Asset-Managern tätig, zuletzt zehn Jahre in London. Altersvorsorge ist, dann brauche ich nur einen Bruchteil davon beim Investment in ETFs. Sie empfehlen, das Portfolio möglichst breit zu gewichten. Das große Geld verdienen dann aber weiter die anderen an den Märkten oder? Das ist eine verbreitete Sicht, aber sie stimmt nicht. Es gibt verschiedene Untersuchungen, die zeigen, wie Menschen wirklich reich geworden sind. In fast allen Fällen – Erbschaften und Lottogewinne einmal ausgenommen – sind diese Menschen durch unternehmerische Tätigkeit reich geworden, nicht nur durch Geldanlagen in Immobilien, Sparbüchern oder Aktien. Wenn ein normaler Mensch Geld in Aktien anlegt, dann kann er mit 30 Jahren vielleicht 100 Euro im Monat anlegen, mit 45 Jahren spart er vielleicht 400 Euro im Monat. Selbst wenn dieser Haushalt einigermaßen vernünftig investiert hat und nicht alles nur auf Tagesgeldkonten bei der Bank hat liegen lassen, dann wird dieser Anleger trotzdem kein Millionär. Warum nicht? Wenn ich nur sehr wenig investiere, kommt am Ende keine große Zahl raus – egal wie rentabel meine Anlagen sind. Wer richtig reich werden will, der muss unternehmerisch tätig werden. Aber das wollen und können die meisten nicht. Für die Altersvorsorge ist diese Frage nach dem Reichtum jedoch nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, mit Beginn des Rentenalters den Lebensstandard halten zu können und das schafft man am leichtesten mit einem Wertpapiersparplan, mit dem bequem über 20 bis 30 Jahre in ETFs investiert wird. BUCHTIPP Dr. Gerd Kommer hat mehrere Finanzratgeberbücher geschrieben, darunter auch den Bestseller „Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs“. Das Buch gewann 2016 den Deutschen Finanzbuchpreis, der von der Deutschen Börse AG und der Citibank gesponsort wird. Tipps für Profis und Einsteiger Finanztest Spezial erschienen Aktien sind eine sehr aussichtsreiche Geldanlage – und ETFs ein idealer Weg, sich daran zu beteiligen. Auch wenn die Aktienmärkte zurzeit sehr launisch sind, ändert das nichts an den guten langfristigen Perspektiven. Für das Finanztest Spezial „Anlegen mit ETF“ (128 Seiten, 12,90 Euro) haben die Finanzexperten der Stiftung Warentest mehr als 750 ETFs untersucht und bewertet. Aktien-ETFs mit breitem Anlagespektrum sind nach Ansicht der Finanzexperten in Kombination mit sicheren Zinsanlagen ideal für den langfristigen Vermögensaufbau. Anleger können mit ETFs aber auch auf spezielle Strategien, Nischen oder exotische Märkte setzen, zum Beispiel auf die Aktien kleiner Börsenunternehmen oder auf sogenannte Dividendenwerte. ETFs eignen sich für verschiedenste Anlagezwecke: Einsteiger können damit ihre Altersvorsorge ergänzen und Fortgeschrittene mit speziellen ETFs eigene Anlagestrategien umsetzen. „Wir befassen uns mit Börsenindizes, Fondsauswahl und Wertpapierdepots, aber auch mit Steuerfragen und der Sicherheit von ETFs,“ so der Finanztest-Experte Roland Aulitzky. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in diesem Spezial Tabellen mit Bewertungen und nützlichen Daten. Glossar ETFs sind Investmentfonds, die die Wertentwicklung eines Indexes wie etwa des Deutschen Aktienindexes (DAX) abbilden. Eine Aktie ist ein Wertpapier, mit dem der Aktionär einen Anteil an einem Unternehmen wie etwa einer Aktiengesellschaft erwirbt. Eine Anleihe ist ein Wertpapier, mit dem sich Unternehmen oder Staaten bei ihren Gläubigern Geld leihen. Diese erhalten dafür einen vereinbarten Zinssatz. Zum Kauf von Aktien oder ETFs ist ein Wertpapierdepot bei einer Bank notwendig.