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Freiberg aktuell 2018

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FREIBERG ERLEBEN Bild oben: Das Modell vom Silberfund im Jahr 1168. Bild rechts: Der Silberfund begründete die lange Bergbautradition Freibergs, die sich in den Bergparaden wiederspiegelt. WO EINST DAS SILBER GEFUNDEN WARD FREIBERG Erstes großes Berggeschrey vor 850 Jahren An einem Tag im Jahre 1168 ist ein Wagenzug hallescher Salzhändler in der Nähe des kleinen Örtchens Christiansdorf unterwegs. Das Dorf und sein Name wären wohl heute längst vergessen, wäre nicht, so zumindest die Überlieferung, einer der Wagen so ungünstig gegen einen im Schlamm des Weges verborgenen Stein gefahren, dass das Rad brach. Mürrisch und ungehalten über den erzwungenen Zeitverlust, machten sich die Männer daran, den Schaden zu beheben. Keiner von ihnen ahnte, dass sie sich an einer Stelle befanden, die später als Schüppchenberg bekannt sein und die Wiege Freibergs werden würde. Einer allerdings besah sich womöglich den Stein, der für das Unheil verantwortlich war, etwas genauer … und traute seinen Augen nicht. Denn der widerborstige Brocken entpuppte sich als Silber. Und wo einer ist, da sind auch mehr. So hob das erste große Berggeschrey in der Region an, welches in seiner Konsequenz zur Gründung Freibergs und dem Ende von Christiansdorf führte, worüber damals aber wohl nur sehr wenige wirklich traurig gewesen sein dürften. Wann genau, ob im Frühling, Sommer oder Herbst, dieser bedeutsame Fund gemacht wurde, darüber herrscht keine Klarheit. Doch mit dem Jahr ist man sich ziemlich sicher. Weshalb 2018 auch mit Fug und Recht das 850. Jubiläum jenes immens wichtigen Ereignisses gefeiert wird. Im Vorfeld jenes Silberrausch-Jahres fiel allerdings auf, dass nirgendwo eine bildliche Darstellung existiert, welche die Ereignisse von 1168 zeigt. So kam der Förderverein der TU Bergakademie Freiberg auf die schöne Idee, eine solche anfertigen zu lassen. Dafür wurde mit dem Seiffener Kunsthandwerkermeister Walter Werner ein wahrer Könner gefunden. Er schuf aus natürlichen WWW.SILBERRAUSCH-FREIBERG.DE Materialien eine Szenerie, wie es damals hätte aussehen können. Zum Auftakt des Silberrausch-Jahres am 1. Januar konnte der Geschäftsführer des Vereins „Freunde und Förderer der Technischen Universität Bergakademie Freiberg“ Professor Hans-Jürgen Kretzschmar das Modell an die Stadt übergeben. Seither hat es seinen Platz im Eingangsbereich des Rathauses ge funden, wo sich jeder im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon machen kann, wie es damals vielleicht gewesen ist, als die Geschichte Freibergs buchstäblich aus dem Boden wuchs. MIT HAMMERSCHLAG INS SILBERJAHR DER FREIBERGSDORFER HAMMER IST EINE ATTRAKTION Verwurzelt in der Bergbautradition wurde mit dem Silberschmieden am 1. Januar das Silberrausch-Jahr eröffnet. Etwas außerhalb der Altstadt findet sich Freibergsdorf. Dabei handelt es sich vor allem um das technische Denkmal des Freibergsdorfer Hammerwerks. Seit über 400 Jahren bewegen sich hier die wuchtigen Schwanzhämmer, angetrieben nur durch die Kraft des Wassers aus dem nahen Teich, welches die großen Räder antreibt, die dafür sorgen, dass die Hämmer im steten Rhythmus aufund niedersausen. Nur wenige solcher Hammerwerke existieren heute noch in Sachsen. Dass jenes in Freiberg nach wie vor zu finden ist, verdankt man der unermüdlichen Arbeit des Freibergsdorfer Hammervereins, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt der Anlage mit viel Erfolg bemüht. Traditionell ist hier das Schauschmieden am Neujahrstag. In diesem Jahr wurde daraus das „Silberschmieden“, mit dem man das Silberrausch-Jahr einläutete. Erstmals in ihrer Geschichte bekamen dabei die Hämmer einen echten Silberbarren auf den Amboss. Ostern, Pfingsten, Weihnachten und der Tag des traditionellen Handwerks sind die weiteren Termine, an denen das technische Denkmal seine Türen zum Schauschmieden öffnet. Dabei werden Führungen angeboten, man kann hier aber auch einen geselligen Abend verbringen, bei dem ein zünftiges Schmiedeessen serviert wird. Oberbürgermeister Sven Krüger läutet mit der Glocke des Hilliger-Vereins das Silberrausch-Jahr ein. Fotos (4): Wieland Josch WWW.FREIBERGSDORFER-HAMMER.DE FREIBERG aktuell · 6

FREIBERG ERLEBEN Sven Krüger (l.) und Helmut Herholz präsentieren die neue Medaille zum Silberrausch-Jahr. Foto: Wieland Josch Die Urkunde mit der Ersterwähnung Freibergs aus dem Jahr 1218. Foto: Stadtverwaltung Freiberg EIN ABSOLUT SICHERES JUBILÄUM FREIBERG feiert 800 Jahre Ersterwähnung Wer Freiberg kennt und liebt, der weiß, dass die Stadt schon immer ein kleines Problem mit den Jubiläen hatte. Denn so richtig gewiss war und ist es bis heute nicht, wann denn nun der Gründungstag verortet werden kann. So beging man beispielsweise 1938 den 750. Geburtstag der Stadt, 1986 allerdings, 48 Jahre später, bereits das 800. Jubiläum. Und 2012 wurde die Wartezeit auf 26 Jahre verkürzt und man feierte die 850, allerdings mit dem Hintertürchen, dass damit die Besiedlung der Region gemeint sei. Es ist also ein eigen Ding mit all den Jubiläen in der Silberstadt. Für jenes aber, welches 2018 begangen wird, gibt es wenigstens ein ganz sicheres Datum. In einer Urkunde vom 11. Juni 1218 taucht erstmals die Bezeichnung „Friberch“ auf. Das Dokument, welches im Sächsischen Staatsarchiv in Dresden aufbewahrt wird, ist der erste offizielle Markstein. Natürlich hat die Geschichte der Stadt schon eher begonnen, mit dem Silberfund 1168 und der darauffolgenden Besiedlung. Markgraf Otto verkündete seinerzeit die Bergfreiheit, was Ungezählte anlockte und die Region (und den Markgrafen) sehr reich machte. Von all diesem Reichtum ist heute noch in der Altstadt viel zu sehen. Allein die Kirchen wie St. Petri oder der Dom St. Marien künden davon. Zahlreiche Veranstaltungen ranken sich 2018 deshalb um die großen Ereignisse, welche Gründung und Leben Freibergs markieren. Diese Aktivitäten bringen sich zahlreiche Vereine und Einzelpersonen mit ein. So unter anderem die Freiberger Münzfreunde, welche die 850 Jahre Silberfund zum Anlass nehmen, eine neue Medaillenserie zu eröffnen. Immerhin war dieses Ereignis der Startschuss für viele weitere Geschehnisse im Erzgebirge. In einer limitierten Auflage wird nun des Silberfundes gedacht. Auf der Vorderseite ist ein sächsischer Häuer im Berghabit zu sehen, daneben eine Bleiglanzstufe und ein Silberofen. Auf der Rückseite wird die historische Ansicht Freibergs gezeigt. SILBERNE TAGE UND VIELES MEHR GROSSARTIGE PROGRAMME Wohl kaum eine größere Veranstaltung im Jahr 2018 wird in Freiberg nicht im Zeichen des Silberrausches stehen. Doch sind Bergstadtfest, Kneipennacht oder Christmarkt fester Bestandteil des Kulturkalenders. Die „Silbernen Tage“ jedoch finden nur in diesem Jahr statt. Sie beginnen am 11. Juni mit einem Festakt, bei dem der 800 Jahre urkundlicher Ersterwähnung gedacht wird. Das originale Dokument ist aus diesem Anlass für kurze Zeit an seinem Herkunftsort zu sehen. In den darauffolgenden Tagen, ganz genau bis zum 20. Juni, wird ein silbernes Stadterkundungsspiel vorgestellt, die Stadtbibliothek im Kornhaus lädt ein, silberne Medien kennenzulernen, die TU Bergakademie Freiberg, das Stadtarchiv und das Stadt- und Bergbaumuseum organisieren einen Entdeckertag, das Schloss Freudenstein feiert zehn Jahre neuen Glanz, das Mittelsächsische Theater lockt mit einem Familientag, der Silberrausch-Pokal wird ausgespielt, es gibt einen Seniorentag und einen Tag der Wissenschaft. Kultureller Höhepunkt dabei sind die Feiern zu 40 Jahre Silbermann-Tage, die in einem Konzert des Windsbacher Knabenchores am 16. Juni im Dom St. Marien gipfeln. Auch im Dom St. Marien finden Veranstaltungen der Silbernen Tage statt. Foto: Wieland Josch 7 · FREIBERG aktuell WWW.SILBERRAUSCH-FREIBERG.DE