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Lebensadern - August 2019

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12 ANZEIGEN LEBENSADERN 30. August 2019 ···················································································································································································································································································································································································· SONDERAUSGABE Nebenbei Marktlücke entdeckt Raumausstatter aus dem Erzgebirge erfindet ein keimfreies Innovationsprodukt – Edelstahlboden, der so einfach zu verlegen ist wie Laminat 4015106-10-1 Volker Queck präsentiert seinen Edelstahl-Klickboden. Foto: ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann 4017526-10-1 4018565-10-1 Es begann mit einer harmlosen Bemerkung: Ob er sich nicht einmal einen pflegeleichteren Fußboden einfallen lassen könnte, sagte ein Oberpfleger der Reichenbacher Paracelsus-Klinik zu Volker Queck. Der Raumausstattermeister war gerade damit beschäftigt, die Schweißnähte eines PVC-Belags zu reparieren. „Beim Blick in den OP-Saal, in dem bis auf den Fußboden alles aus Edelstahl besteht, hatte ich die Idee“, beschreibt der 57-Jährige die Anfänge. Inzwischen hält er auf seinen Edelstahlclickboden ein europaweit gültiges Patent. Die 30 mal 90 Zentimeter großen Edelstahlplatten werden mittels Nut und Feder schwimmend verlegt. Für Nassbereiche ist auch eine Klebeverbindung möglich. Der Edelstahl selbst ist auf einer hochdichten Trägerplatte aufgebracht. Eine Trittschalldämmung aus Gummimaterial mit einer Rillenstruktur sorgt dafür, dass der Unterboden ausgeglichen und gleichzeitig hinterlüftet wird. Mehr als zehn Dekore von matt gebürstet bis glatt glänzend hat Queck bislang im Angebot. Die Einsatzbereiche sind laut Volker Queck schier endlos: Vom keimfreien Fußboden im medizinischen Bereich, über die Lebensmittelindustrie bis hin zu Forschungseinrichtungen, ein Einsatz in Straßenbahnen und Zügen oder auch im privaten Bereich – als edle wie funktionale Kaminumrandung beispielsweise – sind denkbar. „Zudem kann man die Platten auch mühelos an Wand und Decke anbringen“, ergänzt der Firmenchef. Von Haus aus ist Volker Queck Inhaber eines Einrichtungsfachmarkts in Stützengrün. Noch vor der Wende machte sich der Polsterermeister zusammen mit seiner Frau Katrin selbstständig. Doch mit der Wende brach das Geschäft ein. Statt zum Polsterer gingen die Leute zum Versandhaus. Mit Korbmöbeln aus dem Schwarzwald fing das Unternehmerpaar von vorne an, verkaufte anfangs in einem Container. 1992 eröffneten sie den Gardinen- und Bodenfachmarkt Queck an der Schönheider Straße, der heute tausend Quadratmeter Verkaufsfläche bietet. Nach vielen Jahren mit 16-Stunden-Tagen könnte man meinen, dass es Volker Queck ein bisschen ruhiger angehen lässt. Doch der quirlige Erzgebirger tüftelte sechs Jahre lang neben seiner Arbeit am Edelstahlfußboden. „Erst als ich nach endlosen Versuchen den Prototyp fertig hatte, fing ich an zu recherchieren, was der Markt sonst noch so hergibt“, erzählt er lachend. Mittlerweile kennt er die Antwort: nichts Vergleichbares. Da habe er angefangen, sich mit einer Patentanmeldung auseinanderzusetzen. Wie viel Zeit und Mühe er allein in diesen Prozess investierte, kann er nicht sagen. „Vom Geld einmal ganz abgesehen. Aber ich glaube an meine Idee. Auch wenn es zwei Paar Schuhe sind, ein Patent und ein marktfähiges Produkt zu haben.“ Doch dass er tatsächlich als Erster auf die Idee kam, einen keimfreien und einfach zu verlegenden Fußboden aus Edelstahl herzustellen, weiß er endgültig seit Anfang dieses Jahres. Unerschrocken ging er drei Tage lang mit seiner Musterplatte unter dem Arm auf der Münchner Baumesse zu den Platzhirschen der Branche. Einer habe ihn tatsächlich gefragt, woher er den Mut nehme einfach jeden anzusprechen. „Was soll ich denn machen, außer einfach fragen?“, antwortete er im wunderbaren Dialekt seiner Heimat. Lange sei er sich der Tragweite seiner Idee nicht bewusst gewesen. Dann jedoch nahm die Geschichte Fahrt auf. Inzwischen weiß er von etlichen Fachleuten, dass sein Einfall brillant war. Selbst Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) überzeugte sich unlängst vor Ort persönlich von der Idee. Jüngst war Queck für den Sächsischen Innovationspreis nominiert. Selbst fertigen kann und will er das Produkt allerdings nicht. Stattdessen verhandelt er aktuell mit einem namhaften Industrieunternehmen aus Dresden, dass die Fertigung übernehmen will. „Wenn alles glatt läuft, wollen wir noch 2019 in die Serienproduktion gehen“, meint Queck. Für den Vertrieb will er im Herbst ein eigenständiges neues Unternehmen gründen. „Mir geht es nicht darum, mir eine goldene Nase zu verdienen. Nach all dem Aufwand möchte ich einfach, dass dieses Produkt auf den Markt kommt“, meint der bodenständige Unternehmer. –www.queck-raumaustattung.de

30. August 2019 13 Der Extremsportler Jörg Eißmann aus Kirchberg will seinen Weltmeistertitel verteidigen Ein normales Wochenende bei Jörg Eißmann kann so aussehen, wie das vergangene: Am Vormittag hat er mit seinem Team vom Drachennest Stangengrün mit dem Drachenboot auf der Talsperre Pöhl trainiert, dann ging es mit dem Rad von Plauen aus zum 40. Sommer -Berg-Lauf im vogtländischen Hammerbrücke, den er nach 21 Kilometern in seiner Altersklasse als Dritter beendete, und anschließend mit dem Rad wieder zurück nach Hause ins westsächsische Kirchberg. „So sieht meine Vorbereitung auf die WM aus“, sagt der 49-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Im Oktober will er den Weltmeistertitel verteidigen Jörg Eißmann ist in seiner Altersklasse amtierender Weltmeister im Extremhindernislauf, auch „Obstacle Course Racing“ (OCR), genannt. Die Titelverteidigung steht vom 11. bis 13. Oktober in der britischen Hauptstadt London an. Jeder, der mit Extremsport nicht viel am Hut hat, stellt sich da natürlich zwangsläufig die Frage: Woher nimmt er seine Motivation? „Zum einem ist Extremhindernislauf ein sehr vielseitiger Sport, mir fällt es leicht, mich durch die Hindernisse zu bewegen und ich kann mit den jungen Leuten, die gut 30 Jahre jünger sind als ich, mithalten. Das ist gut für das Ego“, sagt er. Jedes Hindernis muss absolviert werden Etwa 100 bis 120 OCR-Läufe gibt es jedes Jahr in Deutschland. Angefangen bei Sprintdistanzen über 300 Meter bis hin zur Ultra-Marathon-Länge über mehr als 40 Kilometer über Stock und Stein und natürlich zahllose Hindernisse. „Um aufs Plätzchen zu kommen, musst du jedes Hindernis schaffen“, sagt Jörg Eißmann. Bis auf eine Ausnahme ist ihm das bisher auch immer gelungen. Im Sommer scheiterte er als amtierender Europameister bei der Titelverteidigung in Gdynia an der polnischen Ostseeküste am Hindernis 62. Rückblickend habe sich gezeigt, dass er die falsche Technik zum Überwinden des Hindernisses genutzt habe. „Das ist leider ein Problem aller deutschen Starter“, sagt er. Eine Ursache dafür hat er auch schon ausgemacht: Es gibt zu wenige Möchte bessere Trainingsbedingungen für seinen Sport schaffen: Jörg Eißmann. Foto: privat Trainingsmöglichkeiten, schließlich wären mit der entsprechenden Erfahrung auch mehr Hindernisse zu bewältigen. Allerdings koste es viel Geld, die Hindernisse nachzubauen. Kein Sportler könne das alleine stemmen. „Der OCR-Sport ist in Deutschland mittlerweile weit verbreitet, doch es fehlt an Unterstützung und Rückhalt in den Kommunen und bei Sponsoren. Viele Athleten beklagen, dass sie von ihrer Kommune und anderen öffentlichen Stellen mehr Steine in den Weg gelegt bekommen als Unterstützung erfahren. Andere Länder wie Dänemark, Polen und die Niederlande sind da wesentlich weiter als wir“, sagt Jörg Eißmann. Dass in vielen Regionen der OCR-Sport bereits als Breitensport gilt, zeigt die große Anzahl deutscher Starter bei der EM in Polen: Mit 90 Teilnehmern hatten nur drei andere Länder mehr Sportler am Start. Insgesamt wurden 3500 Teilnehmer aus 29 Nationen gezählt. Kirchberger macht sich für Nachwuchs stark Jörg Eißmann kritisiert aber nicht nur die fehlende Unterstützung, er macht sich auch selbst für die Nachwuchsförderung stark. So hat der Inhaber der Elektro-Blitz GmbH, einer auf Blitzschutz und erneuerbare Energien spezialisierten mittelständischen Elektrofirma, auf seinem Grundstück in Kirchberg einen Parcours aufgebaut, den er auch anderen zur Verfügung stellen möchte: An Auszubildende, die Lust darauf haben, sich im Job und beim Extremhindernislauf zu beweisen und bei der Elektro-Blitz GmbH neuen Herausforderungen zu stellen. Aber auch an gestresste Manager und Führungskräfte möchte der Kirchberger sein LEBENSADERN ···················································································································································································································································································································································································· SONDERAUSGABE Know-how vermitteln. „Ich habe festgestellt, dass dieser Sport wie eine Wundermedizin gegen all die Wohlstandskrankheiten von heute wirkt“, ist er überzeugt. Stress abbauen, eigene Grenzen überwinden und immer wieder aufs Neue verschieben, dabei gleichzeitig Gemeinschaftssinn erleben. „Deshalb möchte ich hier in Kirchberg ein Nachwuchs- und Trainingszentrum aufbauen.“ Der nötige Parcours steht schon, genügend Platz für Trainingsrunden querfeldein bietet der Standort des Unternehmens ebenfalls. Sport ist Motivation für alle Lebensbereiche Er selbst trainiert so abwechslungsreich wie möglich: Neben 15 bis 30 Laufkilometern pro Woche und Zwischenstopps im selbst gebauten „Hangelpark“ geht er hin und wieder schwimmen. Im Winter steht Skilanglauf auf dem Trainingsplan, im Frühjahr und Sommer darf es auch mal ein Triathlon sein. Außerdem trainiert er bei einem Fußballverein mit oder geht zum Kickboxen, um rundherum beweglich zu bleiben. Doch Jörg Eißmann geht es bei all dem nicht nur ums fit sein und bleiben. „Neben dem Sport als solchem ist OCR so viel mehr: Hindernisse überwinden im übertragenen Sinne und über sich selbst hinauswachsen, darum geht es.“ Sich selbst beweisen, was alles möglich ist. Diese Energie und der unbedingte Wille, es schaffen zu wollen, sowie das Wissen, es tatsächlich schaffen zu können, übertragen sich auf alle Lebensbereiche, meint der Extremsportler, den die meisten aus gutem Grund nur unter seinem Spitznamen „Blitz“ kennen. –www.joergeissmann.de ANZEIGEN 4012655-10-1 4023321-10-1 4017244-10-1