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mach was! - September 2020

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mach was ! AUSBILDUNGSMARKT Handwerk ist anpassungsfähig „mach was!“-Interview mit Kathrin Rudolph Handwerkskammer Chemnitz Wie sind die Zukunftsaussichten im Handwerk der Region? Kathrin Rudolph leitet das Sachgebiet Nachwuchsförderung bei der Handwerkskammer Chemnitz. Sie arbeitet mit Kindern im „Haus der kleinen Forscher“ zusammen und begleitet Jugendliche bei der Berufsorientierung – immer mit dem Ziel, für Berufe im Handwerk zu werben. Die Redaktion von „mach was!“ traf sie zum Interview. Frau Rudolph, welche Perspektive bietet das regionale Handwerk? KATHRIN RUDOLPH: Das Handwerk bietet jungen Menschen sehr gute Perspektiven. Es ist bodenständig und es wird gebraucht – das haben wir vor allem in den letzten Monaten wieder deutlich gemerkt. Ob Lebensmittelversorgung, die kurzfristige Umrüstung von Maschinen, die verstärkte Nachfrage nach Hygiene- und Reinigungsleistungen oder nach Bau- und Ausbaugewerben, weil viele Menschen während des Lockdowns zuhause waren: die meisten handwerklichen Gewerke waren sehr gut nachgefragt. Daran merkt man: Das Handwerk ist anpassungsfähig auch in Umbruch- oder Krisensituationen. Das hängt natürlich mit der Struktur unserer Arbeit zusammen: Meist gibt es keine große Serienproduktion, sondern individuelle Lösungen für die Kunden. Damit ist Abwechslung in Handwerksberufen garantiert. Ist denn ein Beruf im Handwerk nur etwas für „Hand-Werker“? Wie sehr braucht man auch Köpfchen? KATHRIN RUDOLPH: Da sind in vielen Berufen in den vergangenen Jahren die Anforderungen gestiegen. Man muss heute programmieren, Pläne lesen, mitdenken, Zusammenhänge erkennen. Bei vielen Schüler*innen bemerke ich einen Aha-Effekt, wenn sie mal genauer in einzelne Berufsbilder hineinschnuppern. Ein Tischler entwirft seine Möbelstücke am Computer. Beim Maler oder Lackierer genügt es nicht, einfach nur den Farbeimer aufzumachen. In unserer Ausbildungswerkstatt für Tiefbau haben wir einen digitalen Bagger – da leuchten oft die Augen, wenn die Lehrlinge den das erste Mal sehen. Deshalb sind auch schlaue Köpfe gefragt. Was muss man denn sonst noch mitbringen für eine Ausbildung im Handwerk? KATHRIN RUDOLPH: Grundsätzlich gilt: Handwerksberufe sind für alle offen, nicht nur für die, die gute Noten in der Schule haben – bei vielen platzt der Knoten vielleicht erst in der Praxis. Natürlich sollte man etwas Geschick mitbringen, auch zupacken wollen. Gut ist sicherlich, wenn man seinen Beruf mit persönlichen Interessen verbinden kann: Wer kreativ ist, ist vielleicht eher bei Schneidern oder Tischlern gut aufgehoben, wer nachmittags gern in der Garage an seinem Moped rumschraubt, eher in mechanischen oder elektronischen Ausbildungen. Wichtig ist den meisten Betrieben aber auch, dass man soziale Kompetenzen mitbringt: Handwerk ist oft Teamarbeit, da muss man sich aufeinander verlassen können, beispielsweise in Sachen Pünktlichkeit. Und man sollte kommunikativ sein – einerseits im Umgang mit den Kollegen. Andererseits trifft man aber auch oft auf Kunden, da ist es wichtig, freundlich und kompetent aufzutreten. Wie finde ich den richtigen Beruf – gerade in der jetzigen Zeit? KATHRIN RUDOLPH: Es kann nie schaden, ein Praktikum oder zumindest ein paar Praxistage zu machen. Die meisten Betriebe sind dafür auch aktuell weiterhin offen, das haben wir als Kammer erst vor kurzem nachgefragt. Man merkt dann, was einem liegt und ob der 6 Wunschberuf tatsächlich der richtige ist. Und wenn nicht: dann weiß man zumindest, welche Berufe man aus der Auswahl streichen kann. Wenn man sich gut anstellt im Unternehmen, hat man oft einen Ausbildungsvertrag fast schon in der Tasche. Auf jeden Fall sollte man nicht nur aufs Geld schauen, sondern darauf, ob man am Ende des Tages zufrieden ist: Täglich etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und positive Rückmeldungen zu bekommen – das kann sehr glücklich machen. Mal angenommen, man entscheidet sich für eine Handwerksausbildung. Wie sehen die Chancen nach dem Abschluss der Lehrzeit aus? KATHRIN RUDOLPH: Wenn man sich bemüht und ehrgeizig ist, kann man im Handwerk wirklich etwas erreichen. Da die meisten Unternehmen bedarfsgerecht ausbilden, hat man beste Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Auch schon während der Ausbildung kann man sich weiterbilden: In manchen Berufsbildern bieten wir eine Triale Ausbildung an, wo man gleich seinen Meister mitmacht innerhalb von fünf Jahren. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wird gerade im Handwerk nicht sinken – und wenn man bedenkt, dass in unserer Region in den nächsten fünf Jahren 7.000 Handwerksbetriebe aus Altersgründen neue Chefs suchen werden, dann sieht man: Hier gibt es echte Aufstiegs- und Karrierechancen. Frau Rudolph, wir danken für das Gespräch. Interview: vtz, Foto: Handwerkskammer Chemnitz

Johanna & Lukas Kaiser Fahrzeuglackierer Was wir tun, macht uns unabhängig. Wir wissen, was wir tun. Dein Weg ins Handwerk? EINFACH FRAGEN! HWK-CHEMNITZ.DE/LEHRSTELLENBOERSE HANDWERK.DE