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Olympische Spiele 2018

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Olympische Spiele

OLYMPISCHE SPIELE Freie Presse Mittwoch, 7. Februar 2018 Seite S1 Der Dauerbrenner Vier Olympische Winterspiele hat der Nordisch Kombinierte Björn Kircheisen seit 2002 erlebt, jeweils mit einer Team-Medaille kehrte der 34 Jahre alte Erzgebirger heim. In Pyeongchang soll die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden. Die Erfahrung könnte den Ausschlag geben. VON THOMAS PRENZEL ASCHAU/CHEMNITZ — Es war eine Zitterpartie, die Kraft gekostet hat: Entsprechend gelöst und erleichtert wirkt Björn Kircheisen im Gespräch mit „Freie Presse“. „Das wäre schon ziemlich blöd gewesen, wenn ich es nicht geschafft hätte. Ich bin heilfroh, dass ich mit nach Korea kann“, erzählt der Nordisch Kombinierte vor seiner fünften Olympiateilnahme. Eine Woche vor der Nominierung setzte sich der 34-Jährige beim Weltcup im französischen Chaux- Neuve im internen Duell mit dem Schwarzwälder Manuel Faißt durch. Dass er nun in Pyeongchang als Ersatzmann für das kulturelle Rahmenprogramm in der Mannschaft von Bundestrainer Hermann Weinbuch verantwortlich ist, lehnt Kircheisen entschieden ab. „In Korea geht es von null los. Ich kenne das aus Sotschi. Ich habe das Gefühl, dass im Springen noch was geht“, hofft Kircheisen, der bereits 16 Medaillen bei Winterspielen und Weltmeisterschaften gesammelt hat und auch von den Konkurrenten allseits geschätzt wird. „Wie sich der Björn über Jahre gehalten und auch durch tiefe Täler gekämpft hat, da ziehe ich nur den Hut“, meint zum Beispiel Österreichs Weltmeister Bernhard Gruber. Seit Olympia 2002 in Salt Lake City ist der Sachse bei allen Großereignissen gestartet. Bei der WM in Lahti im Vorwinter heimste er sogar zweimal Edelmetall ein. Bronze im Einzel, was ihm kaum noch einer zugetraut hatte, sowie sein erstes Gold überhaupt – im Teamwettbewerb. Die Situation vor Pyeongchang ähnelt jener vor vier Jahren. Aufgrund der Vorleistungen in diesem Winter muss sich der Erzgebirger hinten anstellen. Er wird im Einzel auf der Normalschanze (14. Februar) wohl erst einmal zuschauen müssen, falls kein Teamkollege erkrankt oder im Training total patzt. Einen fünften Startplatz für das Land des letzten Titelträgers wie bei Weltmeisterschaften gibt es bei Olympia nicht. Deshalb kann Weinbuch nur ein Quartett starten lassen, in dem auch Eric Frenzel vom WSC Oberwiesenthal, der Normalschanzen- Olympiasieger von Sotschi, seine Medaillenchance nutzen will. Seit elf Jahren teilen sich Frenzel und Kircheisen auf Trainings- und Wettkampfreisen ein Zimmer. „Ich bin jetzt 20 Jahre im Leistungssport. Ich weiß gar nicht, wie ich das geschafft habe“, sagt der Routinier vom WSV Johanngeorgenstadt. Von allen Winterspielen kehrte er mit einer Team-Medaille heim, dreimal gab es Silber (2002, 2006, 2014), einmal Bronze (2010). In der „Freien Presse“ schildert Kircheisen seine ganz persönlichen Erinnerungen an vier Olympische Spiele. 2014 2006 In Sotschi erhielt Björn Kircheisen im Einzel auf der Großschanze seine Chance. In der Loipe trat er erst zu früh an, sonst wäre Gold drin gewesen. Im Zielspurt behinderten sich die Deutschen mit Johannes Rydzek (vorn/8. Platz) und Fabian Rießle (3.) gegenseitig. Für „Kirche“ blieb Rang vier. In Turin sorgte Team-Silber mit Jens Gaiser, seinem heutigen Sprungtrainer Ronny Ackermann sowie Einzel-Olympiasieger Georg Hettich (von links) für Björn Kircheisen (Zweiter von rechts) für einen versöhnlichen Olympia-Abschluss nach jeweils Rang sieben im Einzel. FOTOS: IMAGO (4) 2002 Salt Lake City: „Ich war damals erst 18 Jahre alt. Für mich ist es der erste Höhepunkt überhaupt gewesen. Und es gab gleich Silber im Team, die erste meiner Medaillen. Das war für mich das Allergrößte. Als sehr schön habe ich in Erinnerung, dass in der Mannschaft mit meinem Zimmerkumpel Marcel Höhlig noch ein Sachse stand. Nach dem Springen sah es allerdings noch gar nicht gut aus. Damals wurde ja das Laufen erst am nächsten Tag ausgetragen. Nach dem Springen hielt Trainer Hermann Weinbuch eine ziemlich heftige Ansprache. Der Wachscontainer muss dabei gebebt haben. Aber wir rauften uns zusammen. Ich konnte als junger Hüpfer mit Todd Lodwick in der Loipe mithalten. Meine ersten Olympischen Winterspiele fand ich schön. Wir hatten tolles Wetter, haben in einer schönen Landschaft in Soldier Hollow gewohnt. Unser Haus stand nahe der Skipiste, wir konnten die Snowboardwettkämpfe gut beobachten.“ 2006 Turin: Die Erwartungen an mich waren schon höher. Sportlich war ich nicht so gut drauf in diesem Winter. Wir wohnten erneut nicht im olympischen Dorf, dafür in einem Haus in den Bergen. Es hat viel geschneit. Ich weiß noch, dass ich mit Georg Hettich das Zimmer geteilt habe. Wir hatten einen offenen Kamin und nasses Holz. Einmal bekamen wir fast eine Rauchvergiftung, weil wir das Feuer nicht anbekommen haben. Aber Ende gut, alles gut: Georg wurde Sensations- Olympiasieger. Er ist ein ruhiger Mensch, ihn hebt nichts an. Wir hatten eine schöne Zeit, auch wenn der olympische Trubel in Turin ziemlich weit weg von uns war.“ 2010 Vancouver: „Ziemlich coole Spiele in Kanada. Wir durften einmal zum Heli-Skiing, eine tolle Abwechslung. Sportlich erinnere ich mich vor allem an ein irreguläres Teamspringen und an den Lauf danach. Ich war Schlussläufer und völlig platt, bin auf dem Zahnfleisch ins Ziel, um Bronze zu retten. Danach wurde bei mir eine Glykogenarmut festgestellt – eine Medaille auf der letzten Rille sozusagen. Das erste Mal habe ich im olympischen Dorf mit den riesigen Cateringzelten und Klimaanlagen gewohnt, in den Bergen in Whistler. Es hat einige Sportler mit Erkältungen erwischt. Wahrscheinlich sind wir deshalb vier Jahre später wieder in ein Haus gezogen. Vancouver haben wir einen dreitägigen Besuch im olympischen Dorf abgestattet. Die Stadt war total im Eishockeyfieber. Wenn Kanada gespielt hat, war gefühlt eine Million Menschen auf den Straßen.“ 2014 Sotschi: Die Situation war damals ähnlich wie in diesem Winter. Ich bin vor Sotschi eigentlich schon mausetot gewesen. Nur dank Eric Frenzel konnte ich mich noch qualifizieren. Er hat mir beim Weltcup in Schonach geholfen, dass ich Achter werde und die Norm knacke. Deshalb bin ich als Ersatzmann in 2010 2002 In Whistler kämpfte sich Björn Kircheisen körperlich völlig blau als Schlussläufer der Teamstaffel ins Ziel, sicherte Bronze für Deutschland. In Salt Lake City erlebte Björn Kircheisen mit 18 Lenzen seine ersten Winterspiele. Silber im Team sowie die Plätze 5 und 9 im Einzel und Sprint konnten sich sehen lassen. Sotschi angereist. Vor dem Einzel auf der Großschanze gab es dann eine interne Ausscheidung mit Tino Edelmann. Nach einem komplizierten Punktesystem musste ich im letzten Trainingssprung mindestens acht Meter weiter springen als Tino. Das habe ich geradeso geschafft. Dass ich dann fast Olympiasieger geworden wäre, zeigt, wie schnell es im Sport wechseln kann. Klar ist Rang vier am Ende undankbar. Und wie es im Endspurt mit der deutschen Karambolage gelaufen ist, war bitter. Aber ins Quartett für den Teamwettbewerb habe ich es geschafft. Für mich sind es, trotz Terrorwarnungen zuvor, superschöne Spiele gewesen. Vor allem, weil Eric Olympiasieger geworden ist.“ 2018 Pyeongchang: Für Björn Kircheisen werden es mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzten Spiele sein. Mit seinen Kindheitsträumen, bei Olympia die Kräfte zu messen, Athleten verschiedener Nationen und anderer Sportarten kennenzulernen, hat die Veranstaltung nicht mehr so viel am Hut. Korruption und Doping erschüttern die olympischen Werte. Die Kommerzialisierung nimmt kein Ende. Und für die Athleten ist der Leistungsdruck enorm. „Ich kann vieles nicht ändern. Ich muss hier nur als Sportler funktionieren“, empfindet Kircheisen seine olympische Zeitreise in 16 Jahren. Dass er bei seinen vier Teilnahmen nicht eine Eröffnungsoder Abschlussfeier miterlebte, ist bezeichnend und irgendwie schade. Aber es wartet schon ein neuer Olymp im Leben nach dem Sport. Kommenden Sommer will Björn Kircheisen seine Verlobte Saskia in der Wahlheimat am Chiemsee heiraten, oben auf dem Berg in einer Almhütte. Vielleicht blickt er dann auf seine Karriere mit der olympischen Krönung in Korea zurück. Ein Zurück gibt es jedenfalls nicht, wenn dann mal Schluss sein sollte: „So einen Comeback-Käse mache ich nicht“, sagt Björn Kircheisen. Fünfmal Olympia reicht ja auch. „Spiele des Friedens“ können beginnen Zehn Milliarden Euro lässt sich Südkorea die Austragung der Olympischen Winterspiele kosten – Gastgeber versprechen erstklassige Sportstätten – Ticketverkauf mühsam PYEONGCHANG — Wenn am Freitag die Olympischen Winterspiele in einer eher abgelegenen Bergregion im Nordosten von Südkorea eröffnet werden, muss alles wie ein präzises Uhrwerk laufen. Das ist der Anspruch der gastgebenden Asiaten. Nach all der harten Arbeit sei er jetzt froh, dass die Spiele beginnen, sagt der frühere Handelsminister und jetzige Chef des Organisationskomitees, Lee Hee Beom. Die Südkoreaner hätten viel erreicht. „Alles ist fertig geworden“, sagte der Gouverneur der Provinz Gangwon, Choi Moon Soon. In der Vorwoche wurde das zweite olympische Dorf in der Küstenstadt Gangneung eröffnet, wo die Eiswettbewerbe stattfinden. Südkorea sieht sich für sein zweites Ringe-Spektakel gut gerüstet. Vor 30 Jahren hatten die Sommerspiele in Seoul das Land bekannt gemacht. Die Winterspiele sollen nun nicht nur den Schneetourismus fördern, sondern auch die Leistungskraft des zum Hightech-Standort gewachsenen Landes zur Schau stellen. Vor allem aber sollen es auch „Olympische Spiele des Friedens“ werden, wie die Regierung und die Organisatoren immer wieder betonen. Grund dafür ist die Teilnahme Nordkoreas, die quasi erst in letzter Minute zustandekam. Die Zusage hat die Angst vor einer Eskalation im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm zum großen Teil verdrängt – zumindest vorerst. Nach den zwölf Eishockeyspielerinnen für eine gemeinsame Mannschaft mit Südkorea schickte Nordkorea weitere zehn Athleten und Athletinnen. Die Olympiamacher versprechen erstklassige Sportstätten und kurze Anfahrtswege. Umgerechnet mehr Lee Hee Beom OK-Chef der Winterspiele 2018 FOTO: IMAGO als zehn Milliarden Euro lässt sich das Land die Spiele kosten, wenn Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau einer neuen Trasse für einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen der Westküste und der Provinz Gangwon eingerechnet werden. Das ist im Vergleich zu den Ausgaben im Umfang von etwa 50 Milliarden Euro für die Winterspiele von Sotschi vor vier Jahren zwar gering, für Südkorea war es trotzdem eine große finanzielle Herausforderung. Für die zwölf Olympia-Sportstätten, darunter sechs neu gebaute Anlagen, gab es aber nach anfänglichen Verzögerungen schon in den vergangenen Monaten regelmäßig Lob vom Internationalen Olympischen Komitee. Seinen Gästen will Südkorea Spiele der Superlative vorführen. Genau 2925 Athleten aus 92 Ländern haben nach Angaben des OK ihre Teilnahme an den Wettkämpfen bestätigt – so viele wie noch nie bei Olympischen Winterspielen. Die Begeisterung im Land für die Spiele war lange Zeit verhalten, zumal Südkorea bislang kaum als enthusiastische Wintersportnation bekannt ist. In der Hauptstadt Seoul hörte man angesichts der nicht gerade billigen Tickets und horrenden Hotelpreise in der Olympiaregion, Pyeongchang sei zu weit, zu kalt und der Eintritt zu teuer. Nach Angaben des OK fanden bisher rund 75 Prozent der Ticketkontingente für alle Wettbewerbe einen Abnehmer. (dpa)