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Olympische Spiele 2018

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S2/S3 Freie Presse

S2/S3 Freie Presse OLYMPISCHE WINTERSPIELE 2018 Mittwoch, 7. Februar 2018 DAS THEMA: STARTER AUS DER REGION Neun Trümpfe für Pyeongchang Mit sehr guten Medaillenchancen reisen die Wintersport-Asse aus der Region Chemnitz/Erzgebirge zu den Olympischen Spielen nach Südkorea. Skispringer Richard Freitag, Skijägerin Denise Herrmann, Kombinierer Eric Frenzel, die Schlittensportler Stephanie Schneider, Candy Bauer und Axel Jungk sowie Eisschnellläufer Nico Ihle standen in dieser Saison bereits auf dem Weltcuppodest. Während ein Trio sein Olympiadebüt gibt, sind andere schon alte Hasen. „Freie Presse“ stellt die sechs Herren und drei Damen, die sich qualifiziert haben, vor. Die Pilotin Stephanie Schneider (Bobsport) ist der Shootingstar des Olympiawinters. Bobsport betreibt die Erzgebirgerin schon seit 2008, schob die Schlitten von Cathleen Martini und Anja Schneiderheinze, mit der sie vor vier Jahren in Sotschi auf einem unbefriedigenden zehnten Platz einkam. Seit 2015 sitzt sie selbst an den Lenkseilen, mit stetig wachsendem Erfolg. In dieser Saison hat sie in Winterberg, Innsbruck und zuletzt Königssee ihre ersten drei Weltcupsiege eingefahren, avancierte zur Pilotin Nummer eins im deutschen Damenteam und wird in Pyeongchang deswegen auch mit der besten deutschen Anschieberin, der Winterbergerin Annika Drazek, ein Team bilden. Eine Kombination, die auf eine Medaille, vielleicht sogar den ganz großen Coup hoffen lässt. Der kleine Haken: Die Olympiabahn ist schwierig zu beherrschen, und mit komplizierten Strecken hat Schneider noch so ihre Probleme. Sie geht hohes Risiko, manchmal geht das schief. In Whistler kippte ihr Bob um, daheim in Altenberg passierte ihr das Malheur gleich mehrfach, erst im Training, dann im Rennen. Die Schmerzen steckt sie weg. „Wenn sie durchkommt, ist sie ganz vorn dabei“, sagt Bundestrainer René Spies über die 27-jährige Landespolizistin, die einmal Kriminalkommissarin werden will und in der eisfreien Sommerzeit gern fotografiert oder zeichnet. (ts) WETTKAMPF 20. Februar, 12.50 Uhr: Damen- Bob (1. und 2. Lauf); 21. Februar, 12.40 Uhr: Damen-Bob (3. und 4. Lauf) Der Familienvater Eric Frenzel (Nordische Kombination) muss sich nichts mehr beweisen. Vor vier Jahren wurde er in Sotschi Olympiasieger, er ist zweimal Einzel-Weltmeister und war fünf Winter in Folge als Weltcup-Gesamtsieger der weltbeste Kombinierer. Doch wer den ehrgeizigen Siegertypen aus dem Erzgebirge kennt, weiß, dass Frenzel auch in Pyeongchang auf Gold gepolt ist. Zwar lief es in diesem Winter vornehmlich auf der Schanze noch nicht wie gewünscht, doch der Familienvater von Philipp (11), Leopold (2) und Emma (7 Monate) kann sich im entscheidenden Moment steigern. Das hat der 29-Jährige schon oft bewiesen. Eric Frenzel stammt aus Geyer, wo er bei Vater Uwe und Steffen Küchler die ersten Schritte in Sachen Skisport unternahm. Der Sachse wohnt heute in der Heimat seiner Frau Laura, einer früheren Langläuferin, in Flossenbürg in der Oberfalz. Im Bayerischen haben sich die Frenzels ein Haus gebaut. Eric startet für den WSC Oberwiesenthal, ist Mitglied der Bundeswehr- Sportfördergruppe in Frankenberg, studiert an der Hochschule in Mittweida Wirtschaftsingenieurwesen – vor dieser Saison etwas auf Sparflamme. Am Fichtelberg wird Frenzel, der seine dritten Winterspiele erlebt, von den Heimtrainern Frank Erlbeck und Jens Einsiedel betreut. (tp) WETTKÄMPFE 14. Februar, 7 Uhr: Einzel Normalschanze, 9.45 Uhr: 10-km-Langlauf, 20. Februar, 11 Uhr: Einzel Großschanze, 13.45 Uhr: 10-km-Langlauf; 22. Februar, 8.30 Uhr: Team, 13.45 Uhr: 4x-5-km-Lauf Der Vorleser Nico Ihle (Eisschnelllauf) mag es im Urlaub – wie viele Wintersportler – am liebsten „richtig warm, mit Strand, Sonne, blauem Meer und allem, was dazugehört.“ Doch seine Erfolge heimst der 32-Jährige, der seine dritten Olympischen Spiele erlebt, auf dem Eis ein. Besonders in den letzten zwei Jahren etablierte sich der Sprinter in der absoluten Weltspitze, feierte Podestplätze im Weltcup und bejubelte 2017 auf der Olympiabahn in Gangneung mit WM-Silber über 500 Meter seinen bisher größten Erfolg. Ein gutes Omen, aber aus seinen olympischen Medaillenambitionen hat der Schützling von Klaus Ebert nie einen Hehl gemacht. 2014 schrammte Nico Ihle mit Platz vier über 1000 Meter bereits knapp am Podest vorbei. Der Kufenflitzer von der Chemnitzer Skater-Gemeinschaft tat seine ersten Schritte auf dem Eis unter den Augen von Henry Taube. Mit seiner Familie, Ehefrau Anni und den Töchtern Emma und Maxi, wohnt Nico Ihle in einem schmucken Eigenheim in Lichtenstein. Dort legt er bei einem Mittagsschläfchen zur Entspannung gern mal die Beine hoch. Ansonsten spielen in der knapp bemessenen Freizeit aber meist die Kinder die erste Geige. Märchen schauen und Brettspiele stehen momentan hoch im Kurs. „Da kann ich ganz schlecht nein sagen. Aus einer Geschichte beim abendlichen Vorlesen werden da schon mal drei“, erzählt Nico Ihle. (tt) WETTKÄMPFE 19. Februar 12 Uhr: 500 Meter, 23. Februar 11 Uhr: 1000 Meter Die Umsteigerin Denise Herrmann (Biathlon) hat das Kunststück geschafft, auch in ihrer zweiten Sportart an Olympischen Spielen teilzunehmen. 2014 heimste sie mit der Langlaufstaffel in Sotschi Bronze ein. Im Frühjahr 2016 wechselte sie die Lager, lernte das Schießen quasi im Schnelldurchlauf und feierte am 1. Dezember 2017 ihren ersten Weltcupsieg im Biathlon. Das war beim Sprint in Östersund, auch den anschließenden Verfolger gewann sie. Ein Weltcupsieg im Langlauf war ihr zuvor nie gelungen. Das Talent zum Schießen bescheinigen ihr die Trainer. Dabei hatte Denise Herrmann vor ihrem Wechsel „höchstens mal auf dem Rummel mit dem Luftgewehr“ geschossen, wie die Erzgebirgerin berichtete. Die 29-Jährige ist in Bad Schlema geboren, in Bockau aufgewachsen. Ihr Vater Lutz, der in der Handball-Oberliga spielte, brachte sie zum Langlauf. Herrmann, deren jüngere Schwester Nadine im Januar beim Langlaufsprint in Dresden erste Weltcuppunkte holte, lebt seit 2011 in Ruhpolding, startet für den WSC Oberwiesenthal und gehört der Sportfördergruppe in Frankenberg an. Klettern in der Natur ist neben dem Stricken eine Freizeitbeschäftigung. Welche Einsätze die Umsteigerin in Pyeongchang bekommt, wird erst vor Ort entschieden. (tp) MÖGLICHE WETTKÄMPFE 10. Februar, 12.45 Uhr: Sprint; 12. Februar, 11.10 Uhr: Verfolger; 14. Februar, 12.05 Uhr: Einzel 15 km; 17. Februar, 12.15 Uhr: Massenstart; 20. Februar, 12.15 Uhr: Mixed-Staffel, 22. 2., 12.15 Uhr: Staffel Der Anschieber Candy Bauer (Bobsport) erlebt seine ersten Olympischen Spiele im Alter von 31 Jahren. Nicht wie einst geplant als Kugelstoßer im Sommer, sondern als Anschieber des Weltmeister-Viererbobs von Francesco Friedrich im Winter. Die Leichtathletik musste der gebürtige Wolkensteiner 2013 wegen einer Ellbogenverletzung aufgeben, Trainer Gerd Leopold holte ihn zu den Bobsportlern. Mit Erfolg. Bauers Platz ist nun der direkt hinter Friedrich, mit seiner Power gibt er dem Schlitten auf den ersten Metern das nötige Tempo. Trotzdem musste der Sportsoldat lange um sein Olympiaticket zittern. Im April war er wegen einer Meniskusverletzung am linken Knie operiert worden, lange kämpfte er sich bis zur Wiederherstellung der vollen Leistungsstärke durch die Reha, verpasste auch noch die ersten Weltcups der Saison. Erst kurz vor Weihnachten setzte sich Bauer in einem internen Ausscheid der deutschen Anschieber durch und darf sich nun auf die Reise nach Korea machen. Die beginnt für ihn erst am 12. Februar, weil die Wettbewerbe im Viererbob ganz am Ende des Olympiaprogramms stehen. Die Krönung wäre eine Medaille, die Aussichten des Friedrich-Teams dafür sind gut. Der Pilot aus Pirna mag die schwierige Bahn. Candy Bauer drücken daheim in Niederlauterstein Freundin Lydia und Sohnemann Hugo ganz fest die Daumen. (ts) WETTKAMPF 24. Februar, 1.30 Uhr: Viererbob (1. und 2. Lauf); 25. Februar, 1.30 Uhr: Viererbob (3. und 4. Lauf) Der Überflieger Richard Freitag (Skispringen) hat noch eine Rechnung mit Olympia offen. Vor vier Jahren war der Ski- Adler nur Zaungast, als die Teamkollegen in Sotschi ausgelassen über Team-Gold jubelten. Freitag war nach den Plätzen 20 (Normalschanze) und 21 (Großschanze) in der Mannschaftskonkurrenz nicht berücksichtigt worden. Dies soll kein zweites Mal passieren, und nach den Vorleistungen wäre es auch eine Überraschung. Richard – den die meisten nur „Ritsch“ nennen – feierte diesen Winter drei Weltcupsiege bis zu seinem Sturz bei der Vierschanzentournee in Innsbruck. Nach 14 Tagen Zwangspause kehrte er bei der Skiflug-WM zurück und holte mit Bronze sein erstes Edelmetall im Einzel bei einem Großereignis. Richards Vater Holger, der heute als Orthopäde arbeitet, war früher selbst Skispringer. Mutter Diana, gelernte Krankenschwester, fuhr ihren Sohn oft in der Woche von Breitenbrunn zum Training nach Johanngeorgenstadt, wo Übungsleiter Erich Hilbig das Talent des Nordisch Kombinierten förderte. An den Stützpunkten in Klingenthal, Oberwiesenthal und seit diesem Sommer Oberstdorf reifte Freitag zur Weltklasse. Nach zwei zähen Wintern schaffte der Sportsoldat nun den Durchbruch. „Den Schritt habe ich aber schon vor meinem Wechsel gemacht“, sagt einer der bekanntesten Schnurrbartträger Deutschlands. (tp) WETTKÄMPFE 10. Februar, 13.35 Uhr: Einzel Normalschanze; 17. Februar, 13.30 Uhr: Einzel Großschanze; 19. Februar, 13.30 Uhr: Team Das Küken Der Routinier Katharina Hennig (Skilanglauf) erlebt ihr Olympiadebüt. Mit 21 Lenzen ist sie das Küken unter den neun Athleten der Region. Der zweite Winter als Mitglied in der Frauen-Nationalmannschaft war von Pech (u. a. Sturz, Bindungsdefekt) gepflastert. Deshalb schrammte die Erzgebirgerin knapp an der Olympianorm vorbei, wurde auf Trainerentscheid mit Blick auf die Staffel nominiert. Dass dies zu Recht geschah, zeigte Hennig jüngst in Seefeld, als sie im 10-km-Massenstart (Freistil) als 13. ihr bestes Saisonresultat einfuhr. Ihr wertvollstes Ergebnis im Damenbereich schaffte „Katha“ im Vorjahr als WM-Elfte im Skiathlon. Ihr Heimtrainer Janko Neuber schätzt sie aktuell im klassischen Stil etwas stärker als im Freistil ein. Hennig wohnt in Königswalde am Fuße des Fichtelbergs, startet für den WSC Oberwiesenthal und stammt aus einer Sportfamilie. Vater Heiko war als Kombinierer, Mutter Karen als Langläuferin aktiv. Ihr Bruder Hans (16) ist Langläufer, Schwester Hanna (8) hat auch schon viel Spaß in der Loipe. Katharina folgte ihrem Vorbild Viola Bauer. Die Staffel-Olympiasiegerin erlernte ebenso in Neudorf bei Übungsleiter Joachim Gerstenberger das Abc des Skisports. Hennig liebt Ski-Touren in den Bergen, interessiert sich für Geschichte und ist Mitglied der Sportfördergruppe in Frankenberg. (tp) MÖGLICHE WETTKÄMPFE 10. Februar, 8.15 Uhr: Skiathlon, 15. Februar, 7.30 Uhr: 10 km Freistil; 17. Februar, 10.30 Uhr: Staffel; 25. Februar, 7.15 Uhr: Massenstart (klassisch) Der Ex-Skispringer Axel Jungk (Skeleton) erlebt seine Olympia-Premiere. Seit 2008 rast der ehemalige Skispringer bäuchlings mit dem Schlitten zu Tal, hat sich seitdem von Jahr zu Jahr gesteigert. Bisheriger Karrierehöhepunkt des gebürtigen Zschopauers war die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften 2017 in Königssee. Erst vor knapp drei Wochen errang der 26-Jährige seinen ersten Weltcupsieg. Im deutschen Skeleton-Team der Herren, zu dem in Pyeongchang auch Alexander Gassner und Christopher Grotheer gehören, gilt Jungk als der aussichtsreichste Kandidat auf eine Medaille. Nach eigener Einschätzung aber wohl nur auf Bronze. Gold und Silber sind nach Ansicht des Sachsen an den mit Heimvorteil startenden Koreaner Sungbin Yun sowie an den vierfachen Weltmeister Martins Dukurs aus Lettland so gut wie vergeben, für Platz drei gibt es wenigstens ein halbes Dutzend Bewerber. Jungks Stärke ist der Start, sein Problem der immer wieder schmerzende Rücken. Ursache ist ein lange unentdeckter Wirbelbruch. Mit viel Krafttraining und Stabilisationsübungen hat er die Beschwerden in den Griff bekommen. Axel Jung ist bei der Bundespolizei angestellt, startet für den BSC Sachsen Oberbärenburg, wohnt mittlerweile in Dresden und ist mit Eisschnellläuferin Michelle Uhrig aus Berlin liiert, die ebenfalls in Pyeongchang startet. (ts) WETTKAMPF 15. Februar, 2 Uhr: Skeleton Herren (1. und 2. Lauf); 16. Februar, 1.30 Uhr: Skeleton Herren (3. und 4. Lauf) Björn Kircheisen (Nordische Kombination) dürfte bei seinen fünften Winterspielen wissen, was zu beachten ist. Kaum zu glauben, welche Karriere der gebürtige Erlabrunner hinlegte, nachdem ihm im Mai 1997, damals 13 Jahre alt, während des Mattentrainings am Fichtelberg bei einem Sturz die Patellasehne riss. Der Arzt prophezeite ihm damals, dass Skispringen mit dem Knie nie mehr möglich sei. Inzwischen sind tausende Sprünge dazugekommen. „Es zwackt ab und zu. Aber solange ich mir die Jungen noch vom Leib halten kann, mache ich weiter“, sagt der 34-Jährige, der seit 2002 in Salt Lake City 16 Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften holte; die letzte bei der WM 2017 in Lahti im Team war die erste goldene – und der ungeliebte Beinamen „Silbereisen“ damit ad acta gelegt. Björn lernte bei Opa Herbert Siegel in Johanngeorgenstadt das Skilaufen. Im hiesigen Trainingszentrum reifte „Kirche“ bei Christoph Beyer und Erich Hilbig, ehe er in Klingenthal seinen Weg zum Weltklasse-Kombinierer fortsetzte. Auf den Rat der Heimtrainer Kerst Dietel und Uwe Schuricht im Vogtland sowie den von Ex- Weltmeister Konrad Winkler in Bayern baut der Zweikämpfer noch heute. Seit einigen Jahren wohnt Bundespolizist Kircheisen mit Freundin Saskia in Aschau nahe des Chiemsees. (tp) WETTKÄMPFE 14. Februar, 7 Uhr: Einzel Normalschanze, 9.45 Uhr: 10-km-Lauf, 20. 2., 11 Uhr: Einzel Großschanze, 13.45 Uhr: 10-km-Lauf; 22. 2., 8.30 Uhr: Team, 13.45 Uhr: 4x-5-km-Lauf