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REHA-Kompass | März 2019

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Foto: iStockphoto.com/ © ARTindividual wollen und müssen sich mit ihren Frauen heute in die familiären Pflichten teilen“, sagt die Familientherapeutin. Sie befürwortet es deshalb sehr, dass auch Männern die Kur-Angebote zur Verfügung stehen. Etwa ein Drittel pro Kur-Durchgang seien Väter mit ihren Kindern. Der Altersdurchschnitt der Eltern liegt bei etwa 40 Jahren, Kinder können bis zum zwölften Lebensjahr mit aufgenommen werden, in Ausnahmefällen bis 14. DIE THERAPIEN: Zentrales Anliegen ist die Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit. „Das ist ein weites Feld“, so Jähn. Die Männer und Frauen kommen mit Muskelverspannungen, Verdauungsproblemen, Schlafstörungen oder einem gestörten Essverhalten zu uns. Sie leiden unter dem Leistungsdruck – im Job und im Privatleben. „In Gesprächen äußern sie häufig den vielfältigen Stress, der durch Rollenkonflikte geprägt ist. Sie äußern den Wunsch, ihre Identität als Vater wiederzugewinnen und diese nach ihren Bedürfnissen zu gestalten“, sagt Barabara Jähn. Auch die vielen unterschiedlichen Richtungen in der Kindererziehung verunsichern. Täglich finden Einzel- und Gruppengespräche statt – bei gutem Wetter in den weißen und pinkfarbenen Stühlen im Garten. Gelegenheit zum Austausch gibt es ebenso beim Sport, Essen oder Wandern. Viele hätten durch ihre Kinder kaum Zeit für Bewegung. Das ändert sich hier. Viele Väter und Mütter haben Übergewicht oder leiden an einem gestörten Essverhalten. „Wir bieten Ernährungsvorträge zur gesunden, vollwertigen Küche an, auch Kochen und Einkaufen kann gemeinsam trainiert werden“, so Barbara Jähn. Für die Kinder gibt es Möglichkeiten zur Entspannung, zur Medienabstinenz, zu kreativem Spiel und Fröhlichkeit, aber auch einen Problemlösekurs. Von morgens bis zum Nachmittag werden sie betreut und therapiert. Die Mütter und Väter haben dann Zeit für sich. Ab dem Nachmittag sind sie dann wieder mit ihren Kindern zusammen, ohne sich um Haushalt, Kochen oder Schule kümmern zu müssen. „Das macht den Kopf frei und bietet die Möglichkeit, die Zeit danach neu zu planen“, so die Familientherapeutin. Zu Beginn wird der medizinische Status eines jeden Teilnehmers erhoben. „Jeder formuliert drei Therapieziele. Danach erarbeiten wir die Behandlungspläne“, sagt die Ärztin Dr. Christa Leicht. Beim Abschlussgespräch werde Bilanz gezogen. Sowohl Mütter als auch Väter sind mit ihren Kindern im AWO-Gesundheitszentrum untergebracht. Doch das Müttergenesungswerk gibt klare Regeln vor, unter welchen Voraussetzungen ein Haus neben Mutter- Kind- auch Vater-Kind-Kuren anbieten darf. „Die Männer müssen in der Unterbringung und bei den Therapien von den Frauen getrennt sein“, sagt Petra Gerstkamp vom Müttergenesungswerk. Die Mindestgruppenstärke ist fünf. Unter dieser Teilnehmerzahl dürfe keine Vater-Kind-Kur stattfinden, sagt sie. Außerdem müssten die Kureinrichtungen dann auch spezielle Männergesund heitsprogramme vorhalten, ebenso geschlechtsspezifische Sport- und Freizeit angebote. 14 REHA KOMPASS

DIE QUALITÄT: Seit 2015 sind Einrichtungen, die Mutter- / Vater-Kind-Kuren anbieten, in das QS-Reha-Verfahren eingebunden. Dieses externe Qualitätssicherungssystem macht genaue Vorgaben zur Ausstattung der Einrichtungen, zu zertifizierten Therapieangeboten und zum Personal. Hinzu kommt eine externe Befragung zur Patientenzufriedenheit. Alle drei Jahre werden stichprobenartig Kureinrichtungen ausgewählt. So kommt es, dass einige Einrichtungen noch nicht kontrolliert wurden. „Im September begann eine neue Befragungsrunde von 150 Kurfamilien. Sie dauert bis Oktober 2019. Die Ergebnisse liegen ab 2020 vor“, sagt Elvira Kosuch, Leiterin der Einrichtung. In der ersten Runde, die 2017 abgeschlossen war, erfüllte das AWO-Gesundheitszentrum die Qualitätsvorgaben zu 99,4 Prozent. Der Deutschlanddurchschnitt liegt bei 90 Prozent. Von den befragten Patienten waren 85 Prozent zufrieden, deutschlandweit 78. DER THERAPIEERFOLG: 21 Tage dauert eine Mutter- / Vater-Kind-Kur, keinen Tag länger. „Da es nicht um die Behandlung von Krankheiten geht, gibt es keinen Grund für Verlängerungen“, sagt Barbara Jähn. „Sollten die Teilnehmer danach noch Beratungsoder Gesprächsmöglichkeiten brauchen, helfen wir bei der Suche nach geeigneten Barbara Jähn Gesundheitszentrum Grünhain-Beierfeld Die 57-Jährige wollte ursprünglich Ärztin werden – Psychiaterin, hat damals aber aus politischen Gründen keinen Studienplatz für Medizin bekommen. Deshalb spezialisierte sie sich auf die systemische Familientherapie. Seit 30 Jahren ist sie in der AWO-Kureinrichtung tätig. Barbara Jähn hat zwei erwachsene Kinder und einen elfjährigen Enkel. Mit ihrem Mann wohnt sie in Grünhain-Beierfeld. Stellen.“ Die Mehrzahl verlasse das Haus voller Elan, mit guten Vorsätzen und Mut zur Veränderung. Wie Joachim Richter zum Beispiel. „Während die Kinder vormittags in der Kindergruppe betreut wurden, hatte ich Zeit für Sport, Entspannungsverfahren und Gespräche. Das tat mir sehr gut“, sagt er. Nicht nur die Erkenntnis, dass er mit seinen Sorgen nicht der Einzige ist, auch die vielen Anregungen, wie man es anders machen kann, haben ihn inspiriert. Foto: Georg Ulrich Dostmann 3 Kliniken, 1 Versprechen: Kindern und Jugendlichen helfen Medizinische Rehabilitation für Kinder und Jugendliche: Wir beraten und informieren Sie kostenlos und unverbindlich über Behandlungsmöglichkeiten. KJF Reha-Beratungsstelle Augsburg Silke Siebenhüter l Telefon +49 (0) 821 2412-622 beratung@kjf-rehakliniken.de Mehr erfahren Sie unter www.kjf-rehakliniken.de REHA KOMPASS 15