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REHA-Kompass | März 2019

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die Sprecherin der DRV

die Sprecherin der DRV Mitteldeutschland, Ursula Wächter. Wenn der Kostenträger eine andere Einrichtung vorschlägt, können Patienten in Widerspruch gehen. Die Erfolgsaussichten sind dann besonders gut, wenn die Wunschklinik eine besondere Therapie anbietet, die für den Reha-Erfolg besser geeignet ist, wenn sie früher mit der Behandlung beginnen kann oder der frisch operierte Patient nicht so weit transportiert werden muss. Krankenkassen verlangen bei einer Wunschklinik regelmäßig die Übernahme von Mehrkosten. Wurden dabei die vorgenannten Gründe nicht berücksichtigt, lohne sich fast immer ein Widerspruch, so der Arbeitskreis Gesundheit. Wovon hängt ab, ob die Reha stationär oder ambulant durchgeführt wird? Die Entscheidung liegt maßgeblich beim Kostenträger und hängt u. a. von der Entfernung zum Wohnort ab. Das Gesetz gibt der ambulanten Reha den Vorrang. Tatsächlich wird allerdings nur ein geringer Teil ambulant durchgeführt, da diese nicht für alle Patienten gleichermaßen geeignet ist. Bei der ambulanten Reha besuchen die Betroffenen tagsüber vier bis sechs Stunden eine Reha-Einrichtung und sind ansonsten in ihrem gewohnten Umfeld, was die Rückkehr in den Alltag erleichtert. Bei der stationären Reha können sie sich ganz der Wiederherstellung ihrer Gesundheit widmen. „Ambulante Reha darf aber nicht mit einer ambulanten Behandlung beim niedergelassenen Haus- oder Facharzt oder einer ambulanten Badekur verwechselt werden“, sagt Ingo Dörr, Geschäftsführer des Arbeitskreises Gesundheit e.V. in Leipzig. Welche Kosten muss ich bei einer Reha selbst zahlen? An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung und medizinische Leistungen sind bei einer stationären Reha inklusive. Gegebenenfalls müssen die Patienten eine Zuzahlung leisten – zwischen fünf und zehn Euro pro Tag und längstens 42 Tage, bei einer Anschlussreha längstens 14 Tage pro Kalenderjahr. Die Höhe ist vom monatlichen Nettoeinkommen abhängig. Bis zu einem bestimmten Nettoeinkommen – zurzeit liegt die Grenze bei 1.218 Euro – entfällt die Zuzahlung. Auch Kinder, Jugendliche, Empfänger von Übergangsgeld und Hartz IV müssen nichts zuzahlen. Die Rentenversicherung empfiehlt, dem Reha-Antrag eine aktuelle Entgelt bescheinigung oder den Sozialleistungsbescheid beizulegen. Wird die Reha von der Krankenversicherung finanziert, darf die Zuzahlung zwei Prozent ● ● 18 REHA KOMPASS

vom Bruttojahreseinkommen nicht übersteigen, bei chronisch Kranken gilt die Grenze von einem Prozent. Bei Reha-Leistungen, die durch die gesetzliche Unfallversicherung erbracht werden, besteht in der Regel keine Zuzahlungspflicht. Darf ich meinen Partner oder meine Kinder mit zur Reha nehmen? Viele Kliniken gestatten gegen einen Aufpreis die Begleitung durch den Partner – entweder im Doppelzimmer oder mit Aufbettung. In seltenen Fällen, etwa einer gleichzeitigen Erkrankung von zwei Familienmitgliedern, kann die Reha auch gemeinsam durchgeführt werden. Die Mitnahme von gesunden Kindern unter zwölf Jahren ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich – beispielsweise, wenn niemand den Haushalt weiterführen kann. Wie wirkt sich die Reha auf mein Gehalt und meine Rente aus? Der Arbeitgeber muss grundsätzlich bis zu sechs Wochen weiter Gehalt zahlen. Ist der Anspruch wegen gleichartiger Vorerkrankung ganz oder teilweise verbraucht, kann man laut Rentenversicherung Übergangsgeld für die Dauer der medizinischen Reha erhalten – vorausgesetzt, man hat zuvor Arbeitseinkünfte erzielt und Rentenversicherungsbeiträge gezahlt. Das Übergangsgeld beträgt für Versicherte ohne Kind 68 Prozent und mit Kind(ern) 75 Prozent vom letzten Nettogehalt. Haben die Versicherten Anspruch auf Übergangsgeld, übernimmt die Rentenversicherung alle Sozialversicherungsbeträge – außer dem Beitragszuschlag für Kinderlose zur Pflegeversicherung. „Der Rentenanspruch bleibt natürlich erhalten“, sagt Dr. Nürnberg. Bei einer Reha der Krankenversicherung gibt es nach Ende der Lohnfortzahlung für bis zu 78 Wochen Krankengeld (70 Prozent des bisherigen Bruttolohns abzüglich der Sozialbeiträge), von der Unfallversicherung Verletztengeld (80 Prozent vom Brutto). Foto: Ronald Bonß KLETTERN VERSTÄRKT DAS VERTRAUEN Die Therapie Kevin Grossmann (rechts) ist hochkonzentriert. Bloß nicht danebengreifen! Doch der Klettertherapeut Dieter Donath und Kevins Mutter sichern den Jungen. Klara Fraunhofer wird als Nächste dran sein und versucht, sich etwas von dem Jungen abzuschauen. Sich etwas zutrauen, an die Sicherheit des Partners denken, ihm vertrauen – diese Voraussetzungen braucht es, um den künstlich errichteten Felsen im Mutter-Kind- Kurhaus des Gesundheitszentrums Jonsdorf zu besteigen. „Deshalb ist die Klettertherapie ein wichtiger Bestandteil unserer Mutter-Kind- Kur. Wir festigen damit die Mutter-Kind- Beziehung“, sagt Erzieherin Monika Scholze. Doch nicht nur die pädagogische Seite – wie das gemeinsame Streben nach einem Ziel – macht das Klettern so attraktiv. Es schult alle Muskelgruppen, fördert die Koordination und die Konzentration“, sagt Dieter Donath. „Klettern liegt in unseren Genen. Jeder kann das, auch wenn er vielleicht etwas ängstlich oder nicht so sportlich ist. Dafür gibt es ja unterschiedliche Schweregrade.“ Einmal innerhalb von drei Wochen Kur wird das Klettern angeboten. Ginge es nach unseren Gästen, könnte es öfter sein, doch der Kurablauf gibt leider nicht mehr her“, sagt Monika Scholze. REHA KOMPASS 19