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REHA-Kompass | März 2019

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WENN DER ANTRAG

WENN DER ANTRAG ABGELEHNT WIRD VON STEFFEN KLAMETH Ein Verein in Leipzig erklärt, wie ein Widerspruch Erfolg hat. Eine Reha kann aus verschiedenen Gründen abgelehnt werden, etwa wenn geringe Erfolgsaussichten bestehen oder der Antragsteller nicht rehabilitationsbedürftig bzw. -fähig ist. Erscheint die Ablehnung unbegründet, sollten Betroffene Widerspruch einlegen und diesen mit Unterstützung ihres Arztes begründen, rät Ingo Dörr, Geschäftsführer des Arbeitskreises Gesundheit. Der gemeinnützige Verein wurde 1989 in Leipzig gegründet und setzt sich für die Rechte der Versicherten ein. Herr Dörr, der Anspruch auf eine Reha-Leistung ist gesetzlich klar geregelt. Warum gibt es dann Ihren Verein? Früher lag der Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Erstellung eines werbefreien Klinikverzeichnisses. Das gibt es immer noch, aber heute kümmern wir uns hauptsächlich um die Beratung der Patienten und dabei vor allem um den Zugang zur Reha. Denn da liegt vieles im Argen. Wie schwer ist es denn, einen Reha-Antrag genehmigt zu bekommen? Das kommt auf den Reha-Träger an, der den Antrag bearbeitet. Die meisten Probleme gibt es nach unserer Erfahrung mit einigen Ersatzkassen. Manche dieser Ablehnungen hinterlassen schon einen Eindruck von Willkür. Patienten müssen sich da buchstäblich ihr Recht erkämpfen. Aber es lohnt sich. Die Erfolgsraten sind sehr hoch. Welche Kassen meinen Sie genau? Es sind erfahrungsgemäß oft die Kassen, die einen besonders hohen Zusatzbeitrag verlangen. Sie stehen unter finanziellem Druck und sehen bei der Reha ein Sparpotenzial. Da werden berechtigte Anträge abgelehnt, die Patienten einem anderen Kostenträger zugeschoben, oder es wird der Wunsch nach itpdesign.de | Foto: ©Fotolia.com Neukirchen, Hauptstr. 96, Tel.: 0371 / 2780874 Stollberg, Ernst-Thälmann-Str. 3, Tel.: 037296 / 927970, Mo. – Fr.: 9 – 18 Uhr, Sa.: 9 – 12 Uhr Besuchen Sie uns auch in unserem NEUEN WEB-SHOP www.ot-ludwig.de 20 REHA KOMPASS

einer bestimmten Klinik nicht gewährt, weil es eine andere Einrichtung billiger macht. Für die Reha-Träger gilt doch aber das Wirtschaftlichkeitsgebot. Richtig, aber die Erfüllung des Reha-Zieles darf darunter nicht leiden. Vorrang hat die medizinisch am besten geeignete Klinik. Man muss wissen, dass die Verträge über die Behandlungskosten zwischen Kliniken und Krankenkassen ausgehandelt werden. Da gewinnen zunächst die Kliniken, die den billigsten Preis bieten. Ein billiger Preis ist aber nicht immer ein günstiger Preis, wenn er auf Kosten von Therapie und Personal erzielt wird. Für viele stationäre Reha-Leistungen ist die Deutsche Rentenversicherung zuständig. Wie läuft es dort? Ich denke, dort läuft es besser. Diese Patienten haben allerdings aufgrund einer anderen Gesetzeslage nur ein eingeschränktes Wahlrecht bei der Klinik. Gute Chancen bestehen dann, wenn die Wunschklinik medizinisch besser geeignet ist oder wenn der Patient seinen Wunsch mit wichtigen persönlichen Lebensumständen begründen kann, z. B. der Möglichkeit von Angehörigenbesuchen bei betagten Patienten oder bei Patienten mit Kleinkindern. Wie helfen Sie den Patienten? Je nach Fall unterstützen wir sie telefonisch, leisten Formulierungshilfe beim Antrag oder Widerspruch, telefonieren mit dem Reha- Träger oder holen uns anwaltliche Hilfe für den einstweiligen Rechtsschutz oder eine Klage. Bei erneuter Ablehnung bleibt eine Klage vorm Sozialgericht, die allerdings lange dauert. Die Gerichtsverfahren gewinnen wir regelmäßig. Was kostet die Beratung? Die Beratung ist kostenlos. Wir finanzieren uns aus Mitgliedsbeiträgen von rund 200 Reha-Kliniken. WER IST ZUSTÄNDIG? Das Lexikon An wen der Reha-Antrag geht und wer die Kosten übernimmt, ist vom Reha-Träger abhängig. Rentenversicherung: Die Mehrzahl der medizinischen und beruflichen Reha-Leistungen in Deutschland werden von der Deutschen Rentenversicherung genehmigt und bezahlt – in der Regel für Berufstätige. Zur Rentenversicherung gehören u. a. die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, die Landesversicherungsanstalten und die Bundesknappschaft. Für Sachsen ist die Mitteldeutsche Rentenversicherung zuständig. Gesetzliche Krankenversicherung: Dazu zählen neben den AOKs auch die Betriebs- und die Ersatzkassen wie TK und Barmer sowie die Bundesknappschaft und die Künstlersozialkasse. Die Krankenversicherung bezahlt medizinische Leistungen zur Rehabilitation und zur Teilhabe, wenn die Versicherten nicht mehr berufstätig sind bzw. trotz Reha keine Aussicht auf Rückkehr ins Berufsleben besteht. Gesetzliche Unfallversicherung: Bei Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten sowie Schul- und Kindergarten- Unfällen kommt die Unfallversicherung für die Reha-Kosten auf. Dazu gehören die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Sozialhilfe: Landschafts- und Landeswohlfahrtsverbände sowie Landessozialämter sind Träger der Sozialhilfe. Sie übernehmen die Kosten für Reha-Leistungen für Menschen mit Behinderung, sofern kein anderer Träger zuständig ist. Öffentliche Jugendhilfe: Die örtlichen Jugendämter bezahlen Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 27 Jahren, falls kein anderer Reha-Träger zuständig ist. Bundesagentur für Arbeit: Die Arbeitsagenturen sind für Leistungen der beruflichen Reha und Teilhabe zuständig, wenn hierfür kein anderer Träger verantwortlich ist. Reha-Servicestellen: 2002 erhielten die Rehabilitationsträger den Auftrag, bundesweit Gemeinsame Servicestellen einzurichten. Damit sollten insbesondere Behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen eine zentrale Anlaufstelle erhalten. Die Servicestellen arbeiteten trägerübergreifend und klärten unter anderem, welcher Träger für die gewünschte Leistung zuständig war. Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz hat sich die Rechtslage seit 2019 geändert. Die gemeinsamen Servicestellen wurden aufgelöst, stattdessen sind bei den genannten Rehaträgern sogenannte Ansprechstellen geschaffen worden. Sie sollen dem Antragsteller den Weg zum jeweils zuständigen Träger weisen. Gehört die Beratungsstelle selbst zum zuständigen Träger (z. B. die Rentenversicherung für Berufstätige), dann darf sie auch eine Beratung durchführen. (rnw / sk) REHA KOMPASS 21