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REHA-Kompass | März 2019

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WENN DER DARM NICHT MEHR

WENN DER DARM NICHT MEHR KANN VERDAUUNGS- UND STOFFWECHSELSTÖRUNGEN – IN DER FALKENSTEIN-KLINIK BAD SCHANDAU LERNEN PATIENTEN MIT DICK- DARMKREBS ODER MORBUS CROHN, IHRE KRANKHEIT ANZUNEHMEN. Foto: Ronald Bonß Als Franz Nowak zur Reha in die Sächsische Schweiz kam, hatte er 20 Kilo verloren und schaffte gerade mal eine Runde um die Klinik. Nach den drei Wochen waren es bereits zehn Kilometer. „Jetzt bin ich viel fitter“, sagt der 36-Jährige, der unter der unheilbaren Krankheit Morbus Crohn leidet. VON STEFFEN KLAMETH Früher konnte Franz Nowak Türen und Fenster durch die Gegend tragen, als seien sie aus Pappe. „Heute hänge ich dran wie ein Schluck Wasser“, sagt der 36-Jährige, der in der Nähe von Bautzen lebt. Zwischen Früher und Heute liegen reichlich 16 Jahre. Ein Leidensweg, der ziemlich seltsam begann: „Eines Tages hatte ich plötzlich ganz dicke Lippen“, erinnert er sich. Er bekam Medikamente, aber die Krankheit kehrte immer wieder zurück. Die Ursache entdeckten die Ärzte erst, als der junge Mann ein paar Jahre später wegen einer Fistel am Hintern ins Krankenhaus kam: Morbus Crohn, eine entzündliche Darmerkrankung. Bei mehreren OPs wurden nach und nach besonders betroffene Darmabschnitte entfernt und ein künstlicher Ausgang gelegt, nach einem starken Schub im Mai dieses Jahres verlegten die Ärzte das Stoma auf die rechte Seite. Beide Male war er im Anschluss zur Reha in der Falkenstein- Klinik im Bad Schandauer Ortsteil Ostrau. „Ich war total geschwächt, hatte 20 Kilo verloren“, sagt der Patient. DIE KLINIK: Als Franz Nowak das erste Mal die Klinik sah, war er beeindruckt: Weit reicht 22 REHA KOMPASS

der Blick von dem Plateau oberhalb der Elbe, die Felsen der Sächsischen Schweiz scheinen zum Greifen nah. „Die Natur ist genauso Bestandteil unserer Therapie wie die Ernährung“, sagt der stellvertretende Chefarzt Dr. Uwe Häntzschel. „Wir behandeln Patienten mit gastroenterologischen, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf- Erkrankungen.“ Die Falkenstein-Klinik ist damit eine von vier in Sachsen, die sich auf die stationäre Rehabilitation von Patienten mit Verdauungs- und / oder Stoffwechselstörungen spezialisiert haben. Entsprechend vielseitig ist der Speiseplan: Die einen bekommen mittags ein Drei-Gänge- Menü mit Szegediner Gulasch als Hauptspeise, die anderen müssen sich mit einer Rinderkraftbrühe begnügen. Dazwischen gibt es eine Vielzahl weiterer Angebote für jede erdenkliche Ernährungsform und Unverträglichkeit: leicht oder vegetarisch, lactosefrei oder fructosearm, Schon- oder LOGI-Kost. Die Kombination der Fachgebiete, die moderne Ausstattung und ein kompetentes Mitarbeiterteam sind für Häntzschel die entscheidenden Dinge, mit denen die Falkenstein-Klinik punkten kann – und die außergewöhnliche Lage. DIE ERKRANKUNGEN: Die Gastroenterologie beschäftigt sich mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der damit verbundenen Organe Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Eng damit verbunden ist der Stoffwechsel, also die Umwandlung von Nährstoffen und Sauerstoff in Energie. Beide Fachgebiete werden deshalb häufig in einem Atemzug genannt und in der Medizin oft auch von den gleichen Ärzten behandelt. Eingriffe am Darm führten vergangenes Jahr die Liste der häufigsten Operationen in deutschen Krankenhäusern an. Bei den stationären medizinischen Reha-Leistungen machen die Verdauungsund Stoffwechselerkrankungen laut Dr. Uwe Häntzschel Falkenstein-Klinik in Bad Schandau Der leitende Arzt wirkte maßgeblich am Therapiekonzept der Rehaklinik mit. „Es ist ein Glück zu arbeiten“, sagt der 76-Jährige, der seinen Chefarztposten in der Abteilung für Verdauungsund Stoffwechselerkrankungen inzwischen an Elisabeth Braun abgegeben hat. Der gebürtige Chemnitzer hat unter anderem in Kliniken in Erlabrunn, Rostock und Neubrandenburg gearbeitet. Häntzschel ist Spezialist für Gastroenterologie, Diabetologe und Ernährungsmediziner. Deutscher Rentenversicherung etwa vier Prozent aus. DIE PATIENTEN: Ein Teil der gastroenterologischen Patienten kommt nach einer Krebsbehandlung nach Ostrau. „Sie sind von der Operation und den folgenden Therapien geschwächt, können nur wenig essen, vielleicht den Stuhl nicht mehr halten oder haben andere Einschränkungen“, sagt Häntzschel. Er beobachtet in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme an Patienten mit Dickdarmkrebs. Die zweite Gruppe sind Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Laut Häntzschel sind in Deutschland rund 500.000 Menschen davon betroffen, darunter viele junge Leute. Sie leiden unter Durchfall (auch blutig), Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Mitreaktionen anderer Organe. Zum Teil haben sie auch schwerwiegende psychosoziale Probleme. Dazu können Entzündungen an anderen Organen kommen. Erkrankungen des Pankreas sind unter anderem Folge eines ungesunden Lebensstils. „Hier geht es darum, die Funktion des geschädigten oder entfernten Foto: Ronald Bonß REHA KOMPASS 23