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REHA-Kompass | März 2019

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WIEDER MOBILER IM ALTER

WIEDER MOBILER IM ALTER GERIATRISCHE REHA – SPEZIELLE THERAPIEN SOLLEN SENIOREN VOR DER PFLEGE BEWAHREN. NACH DER REHA IN ZWENKAU KÖNNEN DIE MEISTEN ZURÜCK NACH HAUSE. Foto: Ronald Bonß Für den Muskelaufbau ist es nie zu spät: Waltraud Tomaczak aus Leipzig bei der Bewegungstherapie in der Reha Zwenkau. VON GABRIELE FLEISCHER Waltraud Tomaczak hat Probleme mit dem Laufen. Die 84-Jährige aus Leipzig ist zwar geistig noch fit. Aber Alltagsdinge fallen ihr zunehmend schwerer. An eine Reha hatte sie nie gedacht. Erst als sie vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen wegen einer Pflegestufe begutachtet wurde, hörte sie von der Möglichkeit. Kinder und Enkel redeten ihr zu. Und so bekam sie zwei Monate nach ihrem Antrag die Zusage, für drei Wochen ins Geriatriezentrum Zwenkau zu fahren. Es ist eine von vier Kliniken in Sachsen, die sich auf die Rehabilitation alter, kranker Menschen spezialisiert haben. Im Geriatriezentrum Zwenkau, das seit 2017 zu den Sana Kliniken Leipziger Land gehört, hängen Kinderzeichnungen in den Gängen: ein Skateboard fahrender Opa, ein Senior als Batman und eine flotte ältere Dame unterwegs mit dem Rollator. So stellen sich Teenager aus Markleeberg Bewegung im Alter vor. Die Patienten in Zwenkau sind im Durchschnitt 81 Jahre alt. „Bewegung ist bei ihnen genau unser Ansatz“, sagt der ärztliche Direktor Dr. Ralf Sultzer – wenn auch etwas anderer Art. DIE DIAGNOSE: Knapp 50 Prozent der Patienten treten die geriatrische Reha nach einer chirurgischen Behandlung an, also nach Brüchen in Beinen, Armen und Hüftgelenken. Viele haben Endoprothesen und ein hohes Sturzrisiko. „Hier dürfen wir keine Zeit verlieren. Die Muskeln müssen schnell wieder 32 REHA KOMPASS

aufgebaut werden. Denn je länger man damit im Alter wartet, umso schwieriger wird es“, sagt Ralf Sultzer, der auch Chefarzt ist. 15 bis 20 Prozent der Patienten haben neurologische Erkrankungen, kommen beispielsweise nach einem Schlaganfall und haben Koordinationsschwierigkeiten. Andere werden nach internistischen Behandlungen zur Reha geschickt. Oft sind es mehrere Krankheiten wie die Operation eines Bruchs, Orientierungsstörungen und Diabetes. „Ziel ist es, Menschen mit körperlichen und geistigen Gebrechen auf den Alltag vorzubereiten und möglichst eine dauerhafte Pflege zu verhindern“, sagt Sultzer. Treten schwere akute Erkrankungen auf, müssen sie zurück in die Klinik. DIE PATIENTEN: Nach Zwenkau werden die meisten Patienten direkt nach einem Krankenhausaufenthalt geschickt. Klinikarzt und Sozialdienst stellen den Antrag. „Bei uns sind es fast 80 Prozent, die bei der Anschlussreha eines der 86 Betten belegen“, sagt Dr. Sultzer. 15 Prozent würden nach einer Pflegebegutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung einen Antrag stellen, weitere fünf Prozent auf Empfehlung des Hausarztes. Für sie könne die Wartezeit auch mal einige Wochen oder Monate dauern. „Da entscheiden Indikation, Dringlichkeit und Wünsche“, so der Chefarzt. Wer in eines der sieben Einzelzimmer möchte, muss mehr Geduld haben. Wird Sauerstoff benötigt, sollte neben dem Pflegebett ein mobiles Sauerstoffgerät verfügbar sein. 24 solcher Betten gibt es in Zwenkau. Sind die belegt, dauert es länger. Die Kassen geben vor, dass die genehmigte Reha innerhalb von sechs Monaten anzutreten ist. Länger wartet auch in Zwenkau niemand. „Zwei Drittel unserer Patienten sind Frauen. Das hat nichts damit zu tun, dass die Männer nicht wollen. Die Frauen leben meist länger“, sagt Sultzer. Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung steige der Reha-Bedarf aber insgesamt an. DIE THERAPIEN: Je nach Indikation wird für den dreiwöchigen Aufenthalt ein Therapieplan erstellt. Wichtig sind Bewegung und Sturzprophylaxe. „Viele Patienten sind nach Stürzen oder Schlaganfällen nicht mehr mobil. Wir wollen Muskeln aufbauen und ihnen Unsicherheiten nehmen“, sagt Sultzer. Geübt wird Laufen auf dem Gang, über einen Parcours und auf einem speziellen Laufband, das den Möglichkeiten der älteren Patienten angepasst ist. Neben intensiver Krankengymnastik mit und ohne Geräten führen Physiotherapeuten Wärme- und Kältebehandlungen, Kneippsche Güsse, Atemtherapie, Massagen und Lymphdrainagen durch. Eine zweite Säule ist die Ergotherapie. Dort geht es ums Training für das tägliche Leben. „Viele Ältere müssen nach schweren Krankheiten erst wieder lernen, wie sie sich waschen, anziehen, essen und kochen können“, erklärt der Chefarzt. Seit vergangenem Jahr helfen eine komplette Küchen- und Badeinrichtung sowie eine Wand mit Wasserhahn, Steckdose, Griffen und Schloss beim Üben alltäglicher Aufgaben. Im Ergotherapie- Plan stehen zudem Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining sowie Kreativangebote wie Arbeiten mit Ton, Singen und Musizieren. Logopäden behandeln Sprach-, Stimm-, Kau- und Schluckstörungen oder Lähmungen der Gesichtsmuskulatur. Bei der Ernährungsberatung bekommen die Patienten Hinweise, welche Lebensmittel sie bei Erkrankungen wie Gicht oder Rheuma lieber weglassen, wie sie Fehlernährung vermeiden oder sich bei Diabetes ernähren sollten. „Psychologen bieten Einzel- und Gruppengespräche und psychotherapeutische Maßnahmen an“, sagt Sultzer. Einen wesentlichen Beitrag bei der Therapie übernehmen die Pflegekräfte. Denn das Erlernte setzen sie mit den Patienten um. „Zum Rehakonzept gehören Pflege- und Therapietage für Angehörige“, so der Chefarzt. Sie müssten wissen, wie sie Eltern oder Großeltern später helfen können. Während der Reha kümmern sich Internisten, Geriater, Rehamediziner, Neurologen, Therapeuten, Sozialarbeiter, Psychologen, Diätassistenten und Pflegepersonal um die Patienten. „Eine solche REHA KOMPASS 33