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REHA-Kompass | März 2019

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fachübergreifende

fachübergreifende Zusammenarbeit im Team ist bei der Geriatrie etwas Besonderes“, so Sultzer. Bei schwerkranken Patienten, die zu schwach für eine Behandlung in der Klinik oder zu sehr in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, ist die mobile Reha eine Alternative. Die wird in Sachsen aber nur vom Klinikum Chemnitz angeboten. „Die Patienten werden dabei an 20 Behandlungstagen für jeweils zwei Therapieeinheiten besucht, pro Woche drei Tage“, sagt Verwaltungsleiter Ludwig Heinze. „Das können Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Psychologie sein.“ 80 bis 100 Rehabilitanden würden in diesem Jahr im Umkreis von 25 Kilometern betreut, 1 500 in der stationären Reha. Die Wartezeiten sind kurz: „Maximal zwei Wochen sind es bei einer Anschlussreha, egal ob mobil oder stationär“, so Heinze. Ist die Reha nicht akut, haben die Patienten Wünsche für eine bestimmte Zeit oder fehlen Unterlagen, kann es ein paar Wochen länger dauern. DER REHA-ERFOLG: Reha nach Hause entlassen. „Weil viele ihren Alltag aber noch nicht vollständig allein meistern können, müssen ihnen Angehörige oder Pflegedienste helfen“, sagt Ralf Sultzer. Mitarbeiter des Sozialdienstes informieren die Patienten über Dienste, Alltagsbegleiter, Nachbarschaftshelfer, Selbsthilfegruppen, Pflegekassen und Sozialämter. Die Therapeuten geben den Patienten Hinweise zu Möglichkeiten der Nachbehandlung wie Rehasport, Übungspläne und Tipps für den Alltag. Wenn sich Ärzte davon einen Erfolg erhoffen, kann die Reha um ein bis zwei Wochen verlängert werden. Bei der Entlassung bekommt jeder Patient sein Reha-Buch mit, in das er sich während der Therapien Notizen macht. Problematischer wird es, wenn die Patienten von der geriatrischen Reha nicht nach Hause können und kein Heimplatz frei ist. Wichtig sei es deshalb, schon zu Beginn der Erkrankung oder eines Krankenhausaufenthaltes mit Ärzten und GEWICHTIGE PROBLEME Service Schwere Patienten – Jeder zehnte Deutsche ist adipös. Auch Reha-Kliniken müssen sich darauf einstellen. Große Betten und Toilettensitze, die 200 Kilogramm und mehr aushalten, Duschen in Sondermaßen, spezielle Rollstühle und Beckenlifte – die sächsischen Rehakliniken stehen vor einem gewichtigen Problem. Denn die Zahl der Übergewichtigen und Adipösen hat auch unter ihren Patienten stark zugenommen. „Erschreckend viele junge Menschen leiden schon an Übergewicht“, sagt Johanna Kunze, Chefärztin der Psychosomatischen Rehaklinik Carolabad in Chemnitz, in der auch Adipositaspatienten behandelt werden. „Fast jedes zehnte Zimmer konnten wir bereits für diese stark Übergewichtigen umbauen. Das ist sehr teuer und viele Kliniken scheuen deshalb den Aufwand.“ Doch die Ausstattung sei es nicht allein, man brauche auch spezielle Programme zur Behandlung des krankhaften Übergewichts. „Als psychosomatische Klinik sehen wir immer auch die seelische Komponente hinter dem Übergewicht. Denn das Fett hat bei vielen eine wichtige Aufgabe, es fungiert zum Beispiel Schutzhülle gegen traumatische Lebenserfahrungen“, so Johanna Kunze. In Einzel- und Gruppengesprächen werde das bearbeitet. Und natürlich auch das Ernährungsverhalten. „Bei uns gibt es keine Diät und keine Lightprodukte“, sagt die Chefärztin. Da der Stoffwechsel in Gang gehalten werden muss, bekommen die Adipositaspatienten mindestens drei Mahlzeiten am Tag. Sie würden aber hinsichtlich der Auswahl und der Menge der einzelnen Komponenten von erfahrenen Ernährungstherapeuten angeleitet. Betroffene Patienten könnten fast gar nicht mehr genießen. Genusstraining sei deshalb eine wichtige Therapie. Ein häufiger Ernährungsfehler der Adipösen 34 REHA KOMPASS

Pflegern über realistische Ziele zu sprechen – Woche für Woche – und notfalls weitere Pflege zu organisieren, so Sultzer. „Im Internet gibt es unter anderem beim Portal Pflegenetz. Sachsen.de Informationen.“ In Zwenkau soll die oft schwierige lückenlose Betreuung mit einem Altersmedizinischen Zentrum gesichert werden. Neben der Reha-Klinik sind dort die Klinik für innere Medizin, Akutgeriatrie, Tagesklinik und eine Institutsambulanz unter einem Dach. „So etwas gibt es bisher in Sachsen noch nicht“, sagt Sultzer. Mit der Ambulanz sollen Hausärzte in der Betreuung geriatrischer Patienten unterstützt werden. Patientin Waltraud Tomaczak kommt nach der Reha zu Hause wieder besser zurecht. Die „Rehaklinik bot mir viele Möglichkeiten, meine Beweglichkeit zu stabilisieren und die Muskeln zu kräftigen“, sagt die gelernte Damenschneiderin. Sie nutzte jede Gymnastikstunde, hob Bälle, zog an Seilen und trat auf dem Fahrradergometer in die Pedalen. Dr. Ralf Sultzer Geriatriezentrum in Zwenkau Der 58-Jährige ist seit 16 Jahren Chefarzt und ärztlicher Direktor. Die Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin absolvierte er im Klinikum St. Georg Leipzig. Seit 1994 ist er in der Geriatrie tätig. Neue Therapieverfahren testet er selbst – auch mit Patienten. Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung steige der Reha-Bedarf aber insgesamt an. Mit ihrem Rollator spazierte sie oft im Park hinter der Klinik, meist mit ihrer Zimmernachbarin. Gespräche waren ihr genauso wichtig. „Und ich habe gelernt, vor dem Aufstehen aus dem Bett ein paar Übungen mit den Armen und Beinen zu machen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen“, sagt sie. Foto: Ronald Bonß sei ihr zufolge das falsche Trinkverhalten: Junge Patienten trinken bis zu drei Liter Süßgetränke pro Tag. Gegessen werde gar nicht so viel. „In der Gruppe zu essen, ist den meisten unangenehm. Sie haben sich die gemeinsamen Mahlzeiten abgewöhnt, um den verletzenden Bemerkungen der Schlanken zu entgehen. Gegessen wird dann in der Regel unbeobachtet, vor allem abends und nachts.“ Doch in der Rehaklinik gebe es 18 Uhr Abendessen – die letzte Mahlzeit des Tages bis morgens 8 Uhr. „Das müssen die meisten wieder ganz neu lernen.“ Ein weiterer Therapieschwerpunkt ist die Bewegung. „Vielen Übergewichtigen fehlt dafür das Selbstbewusstsein.“ Sie zeigen sich nicht gern in Sport- oder Badebekleidung. Doch sie verlieren die Scheu, wenn sie merken, dass sie damit nicht allein sind. Für Übergewichtige sind solche Sportarten geeignet, die die Gelenke nicht zu stark belasten, zum Beispiel Radfahren, Walken und vor allem Aquafitness. „Die Bewegung funktioniert fast mit jedem Gewicht. Viele Patienten zeigen sich begeistert beim Sport, weil sie sich lange Zeit nichts mehr zugetraut haben.“ Auch in puncto Kleidung gebe es Nachholebedarf. „Dicke gehen oft im Schlabberlook, um nicht zu viel von ihrem Körper zu zeigen. Doch das ist falsch.“ Deshalb arbeitet die Klinik mit einer Boutique zusammen, die Bekleidung in Übergrößen anbietet und außerhalb ihrer Öffnungszeiten die Adipositaspatienten individuell berät. „Da leben manche wieder richtig auf. Sie drehen sich vor dem Spiegel und freuen sich über ihr neues Äußeres“, sagt Kunze. Das motiviere dann zusätzlich. In sechs Wochen Reha sind maximal fünf Kilogramm Gewichtsabnahme möglich. „Zu Hause weiterzumachen und sich gegen Versuchungen zu wehren, ist Thema in den Gesprächsgruppen“, so Kunze. Von Stephanie Wesely REHA KOMPASS 35