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REHA-Kompass | März 2019

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VOM SCHLAG GETROFFEN

VOM SCHLAG GETROFFEN NEUROLOGISCHE REHA – ETWA JEDER VIERTE STIRBT NACH EINEM HIRNINFARKT BINNEN EINES JAHRES. EINE GESTUFTE THERAPIE KANN DEM VORBEUGEN – WIE IN KREISCHA. Fotos (3): Ronald Bonß Reiner Scheffler ist Linkshänder – notgedrungen. Seit einem Schlaganfall im Mai dieses Jahres ist seine gesamte rechte Körperhälfte gelähmt. Sechs Monate lang wurde er in der Bavaria-Klinik Kreischa betreut, jetzt lebt er wieder zu Hause. „Diese Reha war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt der 78-Jährige. VON STEFFEN KLAMETH Zur Begrüßung reicht Reiner Scheffler die linke Hand. Seltsam ist das allenfalls für seinen Gegenüber; der 78-Jährige hat sich längst daran gewöhnt. Denn faktisch muss er alles mit links machen: essen, schreiben, den Stock halten. Dabei gab es Zeiten, in denen er nichts von alledem allein erledigen konnte – als Folge eines zweifachen Schlaganfalls. „Wir waren gerade aus dem Urlaub in Tschechien zurückgekehrt, da merkte ich plötzlich, wie mein rechtes Bein nach außen verdreht war“, erinnert sich der Rentner, der in Wiederau bei Rochlitz lebt. Seine Frau alarmierte den Notdienst, der brachte den Rentner ins Diakoniekrankenhaus nach Hartmannsdorf. Die Untersuchung bestätigte den Verdacht. In der Folgenacht sei er von einer Wärmewelle erfasst worden. „Danach war meine ganze rechte Seite bis zum Fuß gelähmt.“ Nach zwei Wochen Krankenhaus wurde der Patient in die Bavaria-Klinik Kreischa verlegt, dort folgten sechs Monate intensive Reha. 42 REHA KOMPASS

DIE KLINIK: Die Klinik Bavaria, südlich von Dresden am Ortsrand von Kreischa gelegen, gleicht aus der Ferne einem Schloss. Mit weniger Abstand denkt man eher an ein Grand Hotel. Genau genommen sind es mehrere Einrichtungen – ein Fachkrankenhaus mit dem Zentrum für fachübergreifende Intensivmedizin und die Rehaklinik mit dem Schwerpunkt für die neurologische Rehabilitation. „Der Vorteil dieser Einrichtung ist, dass die Patienten nach der Behandlung im Akutkrankenhaus über unsere Intensivstation direkt in die Rehabilitation übergeleitet werden können“, sagt Dr. Ulf Bodechtel. Davon profitierten insbesondere Patienten mit Nervenschäden, da sie in der Regel mehrere Reha-Phasen durchlaufen. Umgekehrt hätten Patienten bei während der Reha auftretenden Komplikationen einen schnellen Zugang zur Intensivmedizin, ergänzt Dr. Andreas Bauer. Beide Chefärzte leiten gemeinsam den Krankenhausbereich. Dr. Andreas Bauer Bavaria Klinik Kreischa Der gebürtige Österreicher ist seit zweieinhalb Jahren Chefarzt an der Klinik Bavaria in Kreischa. Er hat in Wien stu diert und verfügt über Fach arztabschlüsse für Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Notfallmedizin und Spezielle internistische Intensivmedizin. Seit 2003 lebt der 48-Jährige in Dresden und war unter anderem am Herzzentrum und im Diakonissenkrankenhaus tätig. DIE PATIENTEN: Wer von neurologischen Schäden hört, denkt zuerst an die Folgen eines Schlaganfalls. Tatsächlich bilden diese Patienten in der neurologischen Reha in Kreischa die größte Gruppe. Im Fachkrankenhaus machen sie dagegen nur ein Drittel aus. Hier komme die Mehrzahl mit einer septischen Enzephalopathie infolge einer schweren Infektion oder Neuropathie, erläutert Bodechtel. „Die meisten dieser Patienten werden bei der Aufnahme beatmet und sind nicht oder nur bedingt an sprechbar. Je länger die Erkrankung dauert, desto größer ist die Gefahr von Nerven schäden. Gleichzeitig wird der Körper immer schwächer – bis hin zur vollständigen Lähmung der Arm-, Bein- und auch der Atemmuskulatur. Mediziner sprechen dann von einem erworbenen Schwäche-Syndrom (CIP-CIM). „Die lange Liegedauer wirkt sich zusätzlich negativ aus“, sagt Bauer. Übrigens: Die Sepsis – umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bezeichnet – gehört in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Laut Kompetenznetz Sepsis verstirbt mehr als jeder dritte Betroffene daran. Ein Schlaganfall wird durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn ausgelöst. Das Hirn bekommt nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe, die Nervenzellen sterben ab. Deshalb zählt bei Verdacht auf einen Schlaganfall jede Minute. In darauf spezialisierten Stationen (Stroke Units) untersuchen Ärzte mithilfe der Computertomografie, ob ein verstopftes Gefäß oder eine Hirnblutung für den Schlaganfall verantwortlich ist. Danach richtet sich dann die Behandlung. Nach der Erstversorgung in einem Akutkrankenhaus werden die Patienten in ein Dr. Ulf Bodechtel Bavaria Klinik Kreischa Der gebürtige Berliner arbeitet seit Mai 2016 als Chefarzt an der Klinik Bavaria in Kreischa. Er hat in Berlin Medizin studiert. Seine Ausbildung zum Facharzt für Neurologie absolvierte er am Dresdner Uniklinikum, wo er später viele Jahre unter anderem als Oberarzt arbeitete. Der 48-Jährige besitzt die Zusatzqualifikationen für Spezielle neurologische Intensivmedizin und Geriatrie. REHA KOMPASS 43