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REHA-Kompass | März 2019

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spezialisiertes Krankenhaus oder in eine Reha-Klinik verlegt. In der Mehrzahl bleiben trotz Frühtherapie Schäden am Hirn zurück. Die Patienten benötigen dann eine spezifische neurologische Rehabilitation. Sie soll nach Möglichkeit eine Pflegebedürftigkeit verhindern bzw. mindern und den Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben bahnen. DIE REHABILITATION: Die neurologische Reha ist oft langwierig. Sie folgt einer eigenen Systematik und ist im Ablauf nicht mit anderen Reha-Maßnahmen vergleichbar. Grundlage ist ein Sechs-Phasen-Modell, das bereits in den 1960er-Jahren entwickelt wurde. Bodechtel: „Je nach Zustand des Patienten wird er einer bestimmten Reha- Phase zugeordnet.“ Die Einordnung erfolgt u. a. mithilfe des Barthel-Indexes. Damit kann beurteilt werden, wie selbstständig – beziehungsweise pflegebedürftig – ein Mensch ist. Essen und trinken, baden und duschen, an- und ausziehen, Harn- und Stuhlkontrolle, Mobilität und Treppensteigen: Für jede Fähigkeit werden Punkte vergeben. Das Maximum sind 100 Punkte. In der neurologischen Reha beginnen Patienten nicht selten mit null Punkten, schwerst betroffene Patienten haben sogar Minuspunkte. Je mehr Fähigkeiten – und damit Punkte – sie im Verlaufe der Reha erlangen, desto eher kommt der Zeitpunkt, an dem sie in die nächste Phase wechseln. „Die Prüfung durch die Ärzte erfolgt einmal pro Woche“, sagt Bodechtel. Phase A: So wird die Akutbehandlung im Krankenhaus bezeichnet. Nach Aussage der Kreischaer Chefärzte dauert sie im Schnitt drei bis vier Wochen. Die Patienten sind lebensbedrohlich krank. Sie werden intensivmedizinisch versorgt und per Monitor überwacht. Fast alle sind in dieser Zeit noch vom Beatmungsgerät abhängig, viele benötigen zudem eine Dialysebehandlung. Um die Patienten frühzeitig an Therapien heranzuführen, bietet die Bavaria-Klinik auch die Möglichkeit einer Frührehabilitation im Krankenhaus. „Sobald die Patienten keine intensivmedizinische Betreuung mehr benötigen, können sie in die Phase B entlassen werden“, erklärt Bauer. Phase B: In der Frührehabilitation werden Patienten aufgenommen, die wegen ihrer schweren Einschränkungen nicht belastbar sind und demzufolge nur eingeschränkt an der Behandlung mitwirken können. Sie werden oft noch künstlich ernährt und benötigen rund um die Uhr pflegerische Betreuung. Phase C: Voraussetzung für die weiterführende Rehabilitation ist, dass der Patient weitgehend bewusstseinsklar ist und mehrere 30-minütige Therapieeinheiten pro Tag wahrnehmen kann. Bei vielen Aktivitäten ist er aber noch auf Hilfe angewiesen. „In der Phase C ist es das Ziel, dass die Betroffenen ihren Alltag wieder selbstständig meistern können“, erläutert Bodechtel. Dies könne sich oft über mehrere Monate hinziehen. Phase D: Diese Phase entspricht einer Anschlussheilbehandlung. Die Patienten benötigen nur noch gelegentlich Hilfsmittel. Am Ende sollten sie ihr Leben trotz gewisser Einschränkungen wieder vollständig allein führen können. Phase E: In dieser Phase leben Reha- Patienten in der Regel wieder zu Hause. Die Behandlung erfolgt tagsüber in einer ambulanten oder teilstationären Einrichtung. Dabei geht es vor allem um eine effektive Nachsorge, damit die Betroffenen in ihren Job zurückkehren oder einen anderen Beruf erlernen 44 REHA KOMPASS

können bzw. als Rentner am sozialen Leben teilnehmen können. Bestimmte Maßnahmen können bis zum Lebensende notwendig sein. Phase F: Wenn sich der Zustand der Patienten in den Phasen B und C trotz umfangreicher Therapien nicht weiter verbessert, müssen sie in Phase F verlegt werden. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beschreibt diese Phase als „aktivierende, zustandserhaltende Langzeitpflege bei anhaltend hoher Pflegebedürftigkeit“. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Pflegeheimen oder auf Wachkoma- Stationen. Bestenfalls können diese Patienten die Rehabilitation in Stufe B, C oder D fortsetzen. DIE THERAPIEN: Die Behandlung von Patienten mit neurologischen Schäden ist immer eine Kombination von ärztlichen, therapeutischen und pflegerischen Maßnahmen. „Von Phase zu Phase verschiebt sich das Gewicht, also weniger ärztliche und mehr therapeutische Betreuung“, sagt Dr. Bodechtel. Anfangs gehe es vor allem darum, die Patienten von Organersatzsystemen wie der apparativen Beatmung oder einer Nierenersatztherapie (Dialyse) zu entwöhnen. Auch erste Übungen zur Wiedererlangung motorischer und kognitiver Fähigkeiten seien bereits auf der Intensivstation möglich. Dr. Bauer: „Unser Ziel ist es, dass die Patienten wieder selbstständig atmen, sprechen und essen können.“ In den folgenden Phasen wird das Therapiespektrum immer breiter und anspruchsvoller. Die Deutsche Rentenversicherung hat im Rahmen der Qualitätssicherung Studien ausgewertet und Therapiestandards für Schlaganfall- Patienten empfohlen. Bewährt haben sich REHA KOMPASS 45