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REHA-Kompass | März 2019

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und Obst. Schilder

und Obst. Schilder informieren über die Kalorien pro Portion, über Inhaltsstoffe und eventuelle Allergieauslöser. Reginald Grimm bekommt Normalkost, denn er hat kein Übergewicht. Eine Ernährungsberaterin berät andere Patienten bei der Auswahl. Sechs Personen – alt und jung – sitzen mit Reginald Grimm an einem Tisch. Jeder hat seinen festen Platz. „Doch es reisen ständig Patienten ab und neue an, da wechseln unsere Tischnachbarn auch immer mal“, sagt er. Bisher sei er mit jedem ins Gespräch gekommen. Allzu viel Zeit bleibt dafür aber nicht. 9.30 Uhr steht bereits Wassergymnastik auf seinem Plan. Die Therapie nennt sich Hüftgruppe. „Hüftoperierte dürfen ihr Gelenk nicht verdrehen. Brustschwimmen ist deshalb wegen der Beinbewegung tabu“, sagt Physiotherapeutin Anke Riesing. Durch den Auftrieb des Wassers fiele es den Patienten aber leichter, sich zu bewegen. Ziel sei es, die Muskulatur, die bei der OP gelitten hat, wieder aufzubauen. „Muskeln sind ein wichtiger Halt fürs neue Gelenk“, so Riesing. Reginald Grimm freut sich aufs Wasser. „So oft es geht, nutze ich die herrliche Bäderlandschaft“, sagt er. Auch außerplanmäßig, wenn gerade mal keine Therapie auf seinem Plan steht, trainiert er. „Wir freuen uns, wenn Patienten aktiv an ihrer Genesung mitarbeiten“, sagt Dr. Friedemann Steinfeldt, Chefarzt der Rehaklinik. Doch viele könnten das nicht mehr so gut. „Wir haben immer mehr sehr alte und multimorbide Patienten. Das verzögert den Heilungsfortschritt, zum Beispiel nach Oberschenkelhalsfrakturen“, so Steinfeldt. Zwischen Wassergymnastik und Gerätetraining liegt eine gute halbe Stunde. Abtrocknen, Sportkleidung an, und schon geht es zur nächsten Therapie. Fahrradergometer, Beinpresse, Kniebeuger und Übungen an der Sprossenwand – die 45 Minuten Krafttraining bringen den 55-Jährigen ins Schwitzen. Wenn er aber an seine Anfänge vor drei Wochen zurückdenkt, merkt er, dass er schon viel geschafft hat. Reginald Grimm hat zwei Verlängerungswochen von der Rentenversicherung genehmigt bekommen. „Bei ärztlicher Begründung bewilligen die Kostenträger das meist, damit die Patienten anschließend wieder in den Beruf zurückkönnen“, sagt Dr. Steinfeldt. „Die Verlängerung habe ich gerne angenommen“, sagt Grimm. Ein bisschen Heimweh habe er schon, war sechs Wochen lang nicht mehr zu Hause. „Aber ich habe ja ein Ziel vor Augen: Ich möchte unbedingt wieder ohne Einschränkungen in den Beruf zurück. Schmerzen habe ich seit dem OP-Tag gar nicht mehr“, sagt er. 12.30 Uhr gibt es Mittagessen. Drei Gerichte stehen zur Wahl. Dienstags ist Suppentag: Erbseneintopf und Möhrensuppe. Wer keine Suppe mag, kann Salat mit Ofenkartoffel wählen. Einmal in der Woche gibt es einen Aktionstag, zum Beispiel italienische oder französische Küche, auch mal vegetarisch oder vegan. Allzu viel essen möchte Reginald Grimm aber nicht. Denn eine Stunde später steht schon wieder Krankengymnastik an. Am Gehbarren trainiert er auf einem Wackelbrett das Gleich gewicht. Die Übung ist schwierig, aber sehr wichtig für die Zeit nach der Reha. Es folgt die Gehschule, in der er sich auf unterschiedlichen Untergründen fortbewegen muss – auf Unterarmstützen, denn die wird er noch weitere sieben Wochen brauchen. Erst zwölf Wochen nach der OP darf das Gelenk voll belastet werden. Mit Sport geht es auch im Anschluss weiter. Die Hüftgruppe trifft sich diesmal im Sportraum, „leider nicht im Wasser“. Es ist 17.30 Uhr. An der Rezeption erhält Grimm noch den Plan für den nächsten Tag. Bis zum Abendessen will er noch duschen, E-Mails checken und mit seiner Frau skypen. Beim Abendessen geht es ruhiger zu als am Mittag. Der Tag hat bei allen seine Spuren hinterlassen. Ein paar Runden Rommé gehen trotzdem, bevor es morgen früh wieder zeitig los geht. 50 REHA KOMPASS