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Willkommen im Erzgebirge | Frühjahr/Sommer 2020

56 KURORT SEIFFEN

56 KURORT SEIFFEN &UMGEBUNG Ein Schnitzrohling Schaf aus einem Fichtenring. Fotos (3): Spielzeugmuseum Eine Ausstellung mit Archen. KURORT SEIFFEN Ringe. Tiere. Schachtelware. DieFaszination des Reifendrehens Sonderausstellung beleuchtet dasReifendrehen im Raum Seiffen in faszinierenden Facetten. Vom14. Märzbis zum1.November 2020 lädt unter dem Titel „Ringe. Tiere.Schachtelware.“eine Sonderausstellung zurFaszination des Reifendrehens in dasSpielzeugmuseum Seiffen ein. Das Reifendrehen entstand im Raum Seiffen vor mehr als200 Jahren und hat sich alsweltweit einmaligeDrechselkunst bis heuteerhalten. Als eine spezielleArt der Langholzdrechselei zielt diese Technologie darauf ab,möglichst rationell und damit billig Schnitzrohlinge, vorallem für Spielzeugtiere, herzustellen. Im Unterschied zuraufwendigen Einzelstückfertigung konntesoein einziger Reifendreher mehreren Spielzeugherstellern preisgünstige Halbfabrikatezur weiteren Verarbeitung liefern. Die Reifendreherei erhöhtedie Produktivität,Ausdruckskraft und Eigenständigkeit der erzgebirgischen Spielwarenerzeugung und trug maßgeblich dazu bei, dass erzgebirgische Holzspielwaren weltweit konkurrenzfähig wurden und blieben. Reifentiere wurden, bezogen auf das größte Tier des jeweiligen Sortimentes, in neun handelsüblichen Größen von20bis 70 mm Rückenhöhe hergestellt. Zudem bildeten sich verschiedene thematische Grundsortimente mit speziellen Besonderheiten heraus. Das „Schock- oder Pfennigvieh“ beispielsweise stellte die niedrigste Qualität dar. Solche Tiere waren zumeist dünn abgespaltet, kaum beschnitzt und nur flüchtig gefärbt. Das sogenannte „bessere Vieh“ zeichnet sich durch spezielle Gestaltungsmerkmale und Qualitätskriterien aus. Als eigenständige Gruppen lassen sich liegende, fressende, springende, schreitende oder fliegende Reifentiere unterscheiden. Eine Eigentümlichkeit waren Tiere mit zur Seite gedrehtem Kopf. Fein beschnitzte und mit Kreide behandelte Tiere wurden unter dem Begriff „Kreidevieh“ (weiße Ware) zusammengefasst. Als Besonderheit galten gefeilte, gestochene, mit textilem Materialbeklebte, mit Grieß, Sägespänen oder Tuchstaub belegte oder mit Masseteilen oder Hornhörnern versehene Sortimente. Die Reifendreher und ihre Spezialitäten Die Ausstellung im Seiffener Museum widmet sich nicht nur den unterschiedlichsten Formen und Abwandlungen, sondern stellt auch einzelne Reifendreher mit ihren Spezialitäten vor. Präsentiert werden neben verschiedensten Tierarten oder reifengedrehten Besonderheiten zudem eine Vielzahl an typischen historischen Füll- und Schachtelwaren. ReifengedrehteErzeugnisse fanden so Verwendung in prachtvollen Jagdsortimenten, in Tiergärten, Viehweiden oder Schäfereien. Die mit reifengedrehten Tieren gefüllten Archenschiffe enthielten durchaus bis zu „300 Creaturen“und gehörten im 19. Jahrhundert zu den wichtigen Exportartikeln der erzgebirgischen Spielzeugregion. Einer „Arche Noah”beigegeben warenmitunter dreisprachigePackzettelchen, welche die kostbareFracht der „Cameele“, „Trampelthiere“, „Elephanten“bis hin zumHeupferd, Käferund Johanniswürmchen auflisteten. Historie spielend verstehen Eine einmalige Ausstellungsatmosphäre erwartet die Besucher in der seit 1936 bestehenden und heute weltberühmten Ausstellung. Beim Rundgang begleiten heute die Museumsgäste unterschiedlichste Spielmodelle, die als umfangreiches Erlebnis- und Bildungsangebot und unter dem Motto „Benutze mich!“ zum Probieren, Bauen und ideenreichen Gestalten auffordern. Bewegliches aller Art will begeistern, zum Staunen selbst für die allerkleinsten Besucher. Spielerisches Tun und Erkennen sind insofern Bereiche der Museumsvermittlung. Vergrößerte benutzbare Elemente wurden geschaffen –gleichsam als Nachbildung historischer Spieldinge. Pochwerk, Klimperkasten, Bandleier oder Drehkarussell können dabei in Gebrauch genommen werden. Sinnliche Erfahrungen haben dann den Bezug zum geschichtsträchtigen originalen Exponat. Das Spiel in diesem Zusammenhang soll konkrete Zeitbilder einer Epoche begreifbarer machen. Ornamentales und didaktische Materialien fordern Kreativität und Fantasie heraus. Formale Gestaltungsmöglichkeiten und anregende Spielversuche bietet der Umgang mit originalen Spielzeugen auch aus der heutigen modernen Fertigung. Kompetent und engagiert für Familien, mit diesem Anspruch hält das Seiffener Spielzeugmuseum auch Malbögen und Aufgabenblätter bereit. Für das erfolgreich gelöste Museumsquiz wird ein „Ehrendiplom“ verliehen. www.spielzeugmuseum-seiffen.de Arche Noah mit Reifentieren.