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Wirtschaft.netzwerk | 11/2017

C14 Freie Presse

C14 Freie Presse WIRTSCHAFT NETZWERK Dienstag, 21. November 2017 Enge Verzahnung sorgt für hohe Qualität Ein Rädchen greift wie von Zauberhand ins andere. Dies bringt alles voran beim Neuen Zahnradwerk Leipzig (NZWL). VON ULRICH LANGER LEIPZIG — Fast 1000 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften beim Neuen Zahnradwerk Leipzig (NZWL) Millionenumsätze mit der Fertigung von Motor- und Getriebeteilen, Zahnrädern, Getriebebaugruppen und komplett montierten Getrieben für die Autoindustrie. In diesem Jahr „peilen wir Erlöse von 87,5 Millionen Euro an“, sagt Unternehmenschef Hubertus Bartsch stolz. Das sei ein Plus gegenüber dem Vorjahr von um die zehn Prozent. Beim Überschuss haben die Leipziger eine bis anderthalb Millionen Euro im Visier. Zu schaffen ist dies nach seiner Überzeugung nur durch eine wirksame Vernetzung zahlreicher, miteinander verbundener technischer und geschäftlicher Abläufe. Und das ist den NZWLern offensichtlich glänzend gelungen. „Mit umgerechnet gerade mal neun Millionen Euro Umsatz fing ich 1999 hier an“, erzählt Bartsch, der seit 1990 in Ostdeutschland zu Gange ist und nach der Wende zunächst das Eisenhüttenwerk Thale saniert hatte. Insbesondere die Internationalisierung des Geschäfts hat der positiven Entwicklung des Unternehmens einen regelrechten Schub verpasst. Im slowakischen Martin, einem Städtchen zwischen dem Kleinen und Großen Tatra-Gebirge, wurde 2008 ein Werk eröffnet. 2013 folgte der zweite Coup außerhalb Deutschlands. Damals wurde der Produktionsstandort Tianjin – 150 Kilometer östlich von Peking –- als Schwesterkonzern gegründet. Beide Auslandsstränge schlagen sich prächtig. Inzwischen zählt das Werk in Martin 200 Mitarbeiter, in China An den Standorten des Neuen Zahnradwerks Leipzig werden Mitarbeiter wie Anja Göschka kontinuierlich qualifiziert, weil die Komplexität der Maschinen ständig zunimmt. FOTO: ANDRE KEMPNER sind es 300. „Mit unseren 500 Beschäftigten in Leipzig ist das hiesige Werk weiterhin der gewichtigste Standort im Unternehmensverbund“, betont der 72-jährige Manager. Jährlich bis zu 15 Millionen Getriebeteile verlassen allein die beiden europäischen NZWL-Betriebe. Dass es für das Unternehmen ständig bergauf geht, liegt auch am hohen qualitativen Anspruch, den Bartsch und Co. an den Tag legen. „Unsere Kunden wollen Topleistungen von uns“, erklärt der aus Frankfurt am Main stammende Unternehmer. Damit dies auch an allen Standorten gewährleistet werden kann, „dazu haben wir sowohl unsere slowakischen als auch chinesischen Mitstreiter geschult“. Die heutige Kernmannschaft in Tianjin sei in Leipzig ausgebildet worden. Ihre technischen Fertigkeiten „sind gut, auch ihr Umgang mit der digitalen Technik funktioniert prima“, so Bartsch senior. Sein Sohn Timo, der bei NZWL unter anderem für den Bereich Informationstechnologie (IT) zuständig ist, bestätigt das und fügt hinzu: „Zudem arbeiten vor Ort auch einige unserer deutschen Kollegen im Führungsteam, etwa in der Regel sechs bis acht. Manche sind sogar schon drei Jahre in China.“ Sie hätten die Riesenchance erkannt, ein tolles Werk im Reich der Mitte aufzubauen und weiterzuentwickeln. Andererseits bringen sich auch immer wieder chinesische Kollegen auf den neuesten Stand im Leipziger Werk. Nur durch diese enge Verzahnung „können wir hohe Qualität sichern“, ist Hubertus Bartsch überzeugt, der jeden Monat eine Woche in China verbringt, und in Martin ist er ebenfalls regelmäßig. Die Entwicklung gibt ihm recht. Denn längst schreibt das chinesische Werk schwarze Zahlen. „Beim Personal werden wir wohl bald auf 350 bis 380 Mitarbeiter kommen.“ Sein Sohn freut sich natürlich auch darüber, dass seine deutschen IT- Mitstreiter in China schon die eine oder andere pfiffige Idee entwickelten, die inzwischen im gesamten Unternehmensverbund Anwendung finden. Diese Wechselwirkung „garantiert in allen drei Fabriken den gleichen Standard“, meint der 49-Jährige. Die Vernetzung zwischen den Betrieben geht weit über die menschliche Seite hinaus. Es komme auch auf die Integration von mechanischen und elektronischen Abläufen an. „Die Komplexität der Maschinen wird immer größer“, betont der Senior. „Dies müssen die Mitarbeiter beherrschen lernen. Das ist eine der Hauptherausforderungen derzeit.“ Eine kontinuierliche Qualifizierung der Zahnradwerker sei daher unumgänglich. Nur so würden sie in die Lage versetzt, mögliche Fehler oder Stockungen in den Fertigungsprozessen rasch erkennen und beheben zu können. Mit moderner IT- Technik werden dabei Daten aufgenommen, an die Arbeitsplätze weitergeleitet, damit die Kollegen dort gezielt reagieren. Dabei gelte es „das Knowhow für komplette Schaltgetriebe zu beherrschen und die gesamte Wertschöpfungskette in unseren Werken zu vereinen“. Vom Schmieden der Rohteile über Drehen, Fräsen, Härten, Schleifen bis hin zur Montage der Baugruppen ist faktisch alles zu deichseln. Die ITund moderne Kommunikationstechnik ermögliche es zudem, an jedem der Standorte die gleichen Prozessabläufe entsprechend den Güteanforderungen zu garantieren. „Alle drei Werke sind per Standleitung vernetzt“, sagt Timo Bartsch. DER AUTOR schreibt für die „Leipziger Volkszeitung, Leipzig. ANZEIGE NETZWERKER Modelle entstehen auf die Schnelle Wolfgang Großkopf setzt auf „Rapid Prototyping“ SPROSSEN — Im Burgenlandkreis, im verschlafenen Ort Sprossen, führt Wolfgang Großkopf seit 1999 ein Unternehmen, das auf Zukunft ausgerichtet ist. Der studierte Elektrotechniker witterte Anfang der 1990er-Jahre seine Chance mit dem Kunststoff-Geschäft – das als „Rapid Prototyping“, also „schneller Modellbau“, bekannt wurde, wie der 63-Jährige erzählt. 3876739-10-1 3875439-10-1 3876142-10-1 3875110-10-1 Wolfgang Großkopf Elektrotechniker und Unternehmer FOTO: PRIVAT Erste Anfänge machten die Anwender mit Lithografiemaschinen aus den USA. Heute besitzt der Sprossener selbst zwei moderne CAD-Arbeitsplätze, die ein rechnergestütztes Arbeiten ermöglichen. „Plötzlich war es möglich, erste Prototypen über Nacht in 3D zu fertigen“, sagt Großkopf. Den Schritt in die Selbstständigkeit kurz vor Beginn des neuen Jahrtausends hat er nicht bereut. Gemeinsam mit einem weiteren Kollegen bearbeitet er heute Aufträge aus dem gesamten Bundesgebiet. „Unsere Geschäftspartner aus Süddeutschland waren angenehm überrascht, wie gut wir angebunden sind“, sagt der 63-Jährige. Mitglied ist er mit seinem Unternehmen in zwei fachbezogenen Netzwerken. Diana Serbe

Dienstag, 21. November 2017 WIRTSCHAFT NETZWERK Freie Presse C15 NETZWERKER Kleiner Verein guten Geschmacks Torsten Räth verbindet Bio mit Regionalität NEUBRANDENBURG — Torsten Räth nennt sich selbst einen Kräuter-Junkie. Je nach Jahreszeit findet er in der Natur Zutaten für seine Küche, in der er seit fast 25 Jahren der Chef ist. Bärlauch, Sauerklee, Holunder- und Rosenblüten oder auch Hagebutten gehören zu den Gewächsen, die er im Hotel Bornmühle in Groß Nemerow bei Neubrandenburg verwendet. Am Eingang des Hauses bekennt sich Räsch zu seiner kulinarischen Philosophie mit dem Gütesiegel „ländlichfein“. „Die besten Produkte für unser Essen haben wir doch vor unserer Tür“, ist sich Räth sicher. Das sei für einen Koch ideal. Doch wie an die Erzeugnisse kommen, deren Hersteller im weitläufigen Nordosten oft mehr als einhundert Kilometer auseinanderliegen? „Natürlich setze ich auf direkten Kontakt. Der Jäger aus der Nachbarschaft kommt zu uns ins Haus“, berichtet er. Dafür, mit jedem Bauern, Gärtner oder Fischer selbst in Kontakt zu treten, fehlt dem 47-jährigen Chefkoch aber die Zeit. Dieses Problem treffe viele Betriebe, die sich auf regionale Küche spezialisiert haben und alle für sich allein unterwegs waren, bestätigt Tillmann Hahn, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins „ländlichfein“, der sich vor sieben Jahren gegründet hat. „Das ist eine Initiative von unten“, betont er. Rund 40 Erzeuger und Gastronomen zählt heute das Bündnis, das sich auf die Qualitätsmerkmale „erstklassig, regional, bio“ eingeschworen hat. „Wir sind keine Massenveranstaltung“, versichert Hahn. Er gibt zu, dass „ländlichfein“ als Gütesiegel noch recht unbekannt ist. Allerdings trage sich der Verein durch seine Mitgliedsbeiträge selbst. Fördermittel habe es nur für Messebeteiligungen gegeben. Hahn ist Spitzenkoch und Wirt in Kühlungsborn und weiß, wie schwer es ist, Landwirte und Köche an einen Tisch zu bekommen. „Bauern planen fürs ganze Jahr, wir stehen dagegen immer unter dem Druck, die Wünsche unserer Gäste schnell erfüllen zu wollen.“ Dieses Verständnis füreinander habe erst geweckt werden müssen. Jörg Spreemann Spitzenkoch Torsten Räth in seinem Element. FOTO: JÖRG SPREEMANN Mit der Wolke auf Kundenfang Saxoprint hat eine neue kostenlose Software entwickelt. Die hilft Firmen bei der Bestellung von Werbemitteln – und den Dresdnern beim Kampf gegen die Konkurrenz. VON ANNECHRISTIN BONSS DRESDEN — Die letzte Visitenkarte ist vergeben, der letzte Bogen Briefpapier im einheitlichen Firmen-Design wird gerade bedruckt. Nun muss Nachschub her. Natürlich mit den individuellen Daten des Mitarbeiters bedruckt – Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse – und im einheitlichen Auftritt der Firma. Logo, Design, Farbcode, Schrifttypen müssen stimmen und dürfen nicht verändert werden. Genau an diesen Punkten scheitert in großen und kleinen Unternehmen die schnelle Beschaffung neuer Visitenkarten, Briefbögen oder von anderen Werbematerialien. Oft sind die Abstimmungsschleifen sehr lang. „Vor allem dann, wenn Firmen dezentral organisiert sind“, sagt Juliane Schmidt. Die 30-Jährige leitet das Team für die Saxoprint.Cloud. Und bietet damit eine Lösung für das Problem. Saxoprint, eine der größten Onlinedruckereien Europas mit Sitz in Dresden, hat im Frühjahr 2017 seine Cloud auf den Markt gebracht. Mit dieser webbasierten Software können die Firmen arbeiten. In einem geleiteten Prozess erstellen sie Schritt für Schritt ihr individuelles Druckportal. In diesem Portal für Teamwork und Marketing legen Grafiker oder Administratoren Muster für die Büromaterialien an, für Werbemittel, Flyer und Poster oder auch für die Visitenkarten. Der zuständige Mitarbeiter bekommt eine Aus unzähligen Werbemitteln können die Kunden von Saxoprint wählen. Damit die noch schneller bestellt werden können, haben Geschäftsführer Daniel Ackermann und Teamleiterin Juliane Schmidt die Saxoprint.Cloud entwickelt. FOTO: RONALDBONSS.COM/BONSS Freigabe für die Felder, die für ihn relevant sind. Dort ergänzt er seine Daten. In das einheitliche Firmendesign kann er dagegen nicht eingreifen. Online, ohne viele Wege von Büro zu Büro, von Aktenordner zur Vorlagemappe, wandert die Druckvorlage vom Verantwortlichen zum Mitarbeiter und zum Chef, der den Druckauftrag bestätigt. „Das spart Zeit“, sagt Juliane Schmidt. Die Firmen können mit der Software kostenlos arbeiten. „Wir generieren damit Druckaufträge für unsere Produktion“, sagt Saxoprint-Geschäftsführer Daniel Ackermann. Denn die Bestellung von Werbemitteln, Visitenkarten und Co. geht direkt an das Dresdner Unternehmen. Ein anderes Unternehmen können die Nutzer nicht damit beauftragen. Ein Jahr haben die Saxoprint-Programmierer und -Entwickler an DRESDEN — Kann er seinen Augen trauen? Jahrelange Blindheit sorgte für Gewöhnung. Für Abfindung damit, nie wieder sehen zu können. Dann plötzlich Licht. Und Farben. Moderne Technologien geben dem Patienten sein Augenlicht zurück – so will es die Wissenschaft. Bislang nur ein Tagtraum, organische Elektronik könnte ihn verwirklichen. Karl Leo, Physikprofessor und Pionier auf dem Gebiet, glaubt daran. Seit 30 Jahren erforscht und entwickelt er die organische Elektronik, 2009 gründete er mit anderen Verfechtern das Netzwerk „Organic Electronics Saxony“ (OES). 35 Mitglieder mit mehr als 1500 Mitarbeitern umfasst das Netzwerk. Unternehmen wie Von Ardenne gehören zu den Aushängeschildern. Ein europaweites Unikat mit Sitz in Sachsen. Das Fehlen einzelner Riesen-Player auf dem Markt gleicht das Netzwerk durch seine weite Verzweigung aus. „Im Moment wachsen wir relativ schnell, immer mehr Unternehmen interessieren sich“, sagt Dominik Gronarz, Mitgründer und Geschäftsführer von OES. Die Mitglieder, zwei Drittel aus der Industrie, der Rest aus der Forschung, sind eng miteinander verzahnt. Für Forscher sei es „wichtig, mit der Industrie zu sprechen, um zu wissen, wo der Schuh drückt“, sagt Karl Leo. dem Portal gearbeitet. Nun fahren sie erste Erfolge ein. Bisher haben 250 Firmen und Institutionen mit Hilfe der Software ihr eigenes Druckportal eingerichtet. „Wir wollen mehrere hundert dieser Shops pro Jahr generieren“, sagt Daniel Ackermann. Bisher wird die Cloud nur in Deutschland angeboten. Künftig sollen auch Kunden in Europa damit arbeiten. Denn Saxoprint ist schon lange nicht mehr nur in Deutschland aktiv. Seit 2012 gehört die Firma zur Cewe-Gruppe. 550 Menschen arbeiten für Saxoprint. Das Hauptgeschäft findet in Deutschland statt. Zweitwichtigster Markt ist der in Frankreich. Dazu kommen Kunden aus der Schweiz, Österreich, Großbritannien, den Niederlanden und Belgien sowie aus Spanien und Italien. Neben dem Sitz in Dresden hat Saxoprint einen zweiten Standort in London. „Dort ist unser internationales Servicecenter“, sagt Daniel Ackermann. Es ist sein Anspruch, dass seine Kunden mit Muttersprachlern aus dem eigenen Land reden, wenn sie sich über die Kundenhotline an Saxoprint wenden. 370.000 Kunden zählt das Unternehmen. 90 Prozent davon sind Firmenkunden. „Unsere Kunden brauchen Lösungen, damit sie sich für uns entscheiden“, sagt der 40-Jährige. Die Saxoprint.Cloud ist so eine Lösung. Damit will der Unternehmer auch neue Kundenkreise erschließen. Franchise-Unternehmen, größere Verbände und Händlernetzwerke haben einen einheitlichen Auftritt mit Logo, Farbcode und Schrifttype – und viele Einzelkämpfer, die dieses Corporate Design mit ihren individuellen Daten ergänzen. Organische Elektronik für Zukunftsträume Das Netzwerk Organic Electronics Saxony zeigt, dass Forschung und Industrie aus Ostdeutschland mit großen internationalen Unternehmen mithalten können. VON FRANZISKA KLEMENZ Sorgen, dass auch seine Mitbewerber eine solche Cloud anbieten, hat er keine. „Die Konkurrenz ist sicher da dran, schützen können wir die Cloud nicht lassen“, sagt er. „Allerdings haben wir ein Jahr Vorsprung.“ Die Entwicklung der Technologie sei sehr zeitaufwendig gewesen. Diese Zeit müssen die Mitbewerber erst einmal investieren. Ein wichtiges Thema dabei ist zum Beispiel der Schutz der Kundendaten. In der Cloud haben nur der Administrator und die von ihm eingeladenen Personen Zugriff auf die Druckvorlagen. Der Zugriff auf die Plattform ist streng reglementiert und wird regelmäßig überprüft. „Die Vertrauenswürdigkeit wird durch eine redundante Internetanbindung, mehrstufige Firewalls und modernste Hardware sichergestellt“, sagt Juliane Schmidt. Zudem sind die Kundendaten an drei verschiedenen Orten abgespeichert und können bei einer Havarie jederzeit wiederhergestellt werden. Daniel Ackermann investiert bereits Zeit in neue Ideen. Mit der Cloud sollen interne Netzwerke in Firmen etabliert und gefördert werden. Netzwerke gibt es aber auch zwischen Unternehmen, also extern. Unterschiedliche Fähigkeiten lassen sich so gut verknüpfen, sagt er. Und nennt das Saxoprint Pro Studio als Beispiel. Das Portal zur Kundenfindung vereint Dienstleister und potenzielle Kunden. Wer einen Grafikdesigner sucht, wird dort fündig. Über das Portal tauschen sie sich über aktuelle Aufgaben, Preisvorstellungen und Angebote aus. Derzeit bietet Saxoprint diese Netzwerk in Großbritannien an. Mit solchen Ideen genau wie mit der Cloud will das Unternehmen weiterwachsen. Der Umsatz steigt kontinuierlich. „Potenzial für neue Kunden gibt es noch genug“, so der Geschäftsführer. DIE AUTORIN schreibt für die „Sächsische Zeitung“, Dresden. Die wohl erfolgreichste OES-Eigenerfindung heißt Novaled. Das von Leo gegründete Unternehmen stellt OLEDs her, ultraleichte und hauchdünne Displays, flexibler als die langsam überholte LCD-Generation. Kleine Unternehmen wie Novaled können sich durch OES mit anderen Mitgliedern, Forschungseinrichtungen und Industriepartnern, Zulieferern und Kunden vernetzen. OES vermittelt Kontakte zu politischen Ansprechpartnern und Investoren, präsentiert Unternehmen und ihre Ideen auf Messen, Konferenzen und in den Medien. Um einem Produkt mehr Popularität zu verschaffen, verbreitet OES Pressemitteilungen, verfasst Beiträge in Broschüren und vermittelt Gesprächsmöglichkeiten auf internationalen Konferenzen. Für Novaled konnte OES sogar den Technikriesen Samsung begeistern. 2013 hat der koreanische Konzern die sächsische Uni-Ausgründung aufgekauft. OLEDs sind erst der Anfang dessen, was Leo und Gronarz sich auf dem Feld der organischen Elektronik vorstellen können. Im Gegensatz zur klassischen Elektronik basiert die organische nicht auf Silizium – das sind winzig kleine Kristalle, die bei der Herstellung von Elektronik auf mehr als 1000 Grad Celsius erhitzt werden müssen. Das Endprodukt ist sehr leistungsstark, kostet aber mehr und ist in seiner Beschaffenheit spröder als organische Elektronik. Die basiert auf Kohlenstoff, ist flexibler, kann als dünne Schicht auf Folien aufgetragen werden und lässt sich schon bei 120 Grad verarbeiten. Sie kommt ohne Schwermetalle und Giftstoffe aus, ist leicht zu entsorgen. Hokuspokus? Im Bereich der Medizintechnik sind noch ganz andere Zauberkunststücke denkbar, wenn es nach OES geht. Professor Leo liegt das Auge besonders am Herzen. „Mit der Hektarstiftung und der Universität Tübingen arbeiten wir daran, die Retina zu verbessern“, sagt er. „Es gibt viele Anwendungen, mit deren Hilfe man die Nerven elektrisch stimulieren kann. Auch gegen Epilepsie könnte man organische Elektronik einsetzen.“ Gemeinsam mit Gronarz bildet Karl Leo eine Art denkerisches Duo. Ideen haben die beiden noch viele weitere auf Lager. „Ich kann es mir auch gut bei Hauttransplantationen vorstellen“, sagt Gronarz. Mit organischer Elektronik wollen die Wissenschaftler die Durchblutung der Haut künftig messen, ohne den Verband lösen zu müssen. Finanziert werden die Ideen von OES größtenteils durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Land Sachsen und die EU. DIE AUTORIN schreibt für die „Sächsische Zeitung“, Dresden. ANZEIGE 3875329-10-1