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Wirtschaft.netzwerk | 11/2017

C8 Freie Presse

C8 Freie Presse WIRTSCHAFT NETZWERK Dienstag, 21. November 2017 NETZWERKER Regionalentwickler hat langen Atem Jan Poleske Vorstand der Anklamer Regionalentwicklungs AG FOTO: MATTHIAS DIEKHOFF ANKLAM — Wer Unternehmen ansiedeln möchte, braucht gute Kontakte und langen Atem. Den hat die Anklamer Regionalentwicklungs AG (ARE) bewiesen. „Die Ansiedlung von Unternehmen ist wie Feuermachen auf hoher See bei Sturm und Regen. Und ohne Streichhölzer“, sagt Vorstand Jan Poleske. Und trotzdem ist es der ARE seit ihrer Gründung 2003 als private Wirtschaftsfördergesellschaft immer wieder gelungen, Unternehmen und Projekte in den Nordosten zu lotsen. So den Autoreifenhersteller Continental, der eine Laboranlage plant, in der es darum gehen soll, wie aus dem Saft einer Löwenzahnwurzel Naturkautschuk für die Reifenproduktion gewonnen werden kann. Und wie ist das gelungen? „Netzwerk“, sagt Jan Poleske. Es gehe darum, gute Leute zu haben, die wiederum andere kennen, bis sich die richtigen Partner mit möglichst gleichen Interessen treffen. Die ARE vertritt die Interessen von Gründern, Unternehmen, Investoren sowie von regionalen und kommunalen Entscheidern gleichermaßen, so Poleske. Nachhaltige Standort- und Wirtschaftsförderung könne nur im Zusammenspiel aller funktionieren. Zudem tritt die ARE als Investor auf. So wird die gerade die alte Post zum Hotel umgebaut. Es sei ein Stück Wirtschaftspolitik, wenn dort Tagungen stattfinden, die Leute nach Anklam locken, die dort vielleicht noch nie gewesen sind und sich dann vorstellen könnten, vor Ort zu investieren. Matthias Diekhoff Kulturfabrik liefert Träume und Freude Was hat denn die Schauspielkunst mit der Wirtschaft und Netzwerken zu tun? Sehr viel, so der Anklamer Theaterintendant Wolfgang Bordel. Er muss es wissen, fährt er doch schließlich schon seit Jahren zweigleisig. VON FRANK WILHELM ANKLAM — Wolfgang Bordel findet viele schöne Sprachbilder, wenn es darum geht, den Zusammenhang zwischen Theater und Wirtschaft zu erklären. „Wir bieten Wellness für die Sinne“, sagt Anklams Theaterintendant mit Blick auf die Ostsee-Insel Usedom. Dort, wo sich Hotel an Hotel und Wellness-Oase an Wellness-Oase reihen, schlägt auch Wolfgang Bordel jeden Sommer seine Zelte auf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Seit mehr als 25 Jahren steht in Heringsdorf neben der Seebrücke das rote Theaterzelt „Chapeau Rouge“. Von Mai bis September sind dort fast jeden Abend die Anklamer Schauspieler oder aber Gastspiele zu erleben. Mit dem Vineta-Spektakel in Zinnowitz, den Hafenfestspielen in der Stadt Usedom – beziehungsweise seit vergangenem Sommer in Wolgast – sowie der Barther Boddenbühne gibt es drei weitere Bühnen, die die Vorpommersche Landesbühne im Sommer bespielt. Hinzu kommen das Stammhaus und das Open Air „Peene brennt“ in Anklam sowie die „Blechbüchse“ in Zinnowitz. Ein Kultur-Betrieb, in dem es viel zu managen gibt, der aber auch viel liefert. „Wir bewegen die Tourismus- Die Vineta-Festspiele auf der Ostseebühne in Zinnowitz haben sich längst etabliert. Die Anklamer Theatermacher thematisieren den Mythos der untergegangenen Stadt seit 21 Jahren jeden Sommer aufs Neue. Die Stücke liefert Intendant Wolfgang Bordel. FOTO: STEFAN SAUER/DPA wirtschaft“, sagt Wolfgang Bordel. Das Theater sei nicht das fünfte Rad am Wagen Usedoms. „Wir sind die Luft in allen Rädern.“ Wolfgang Bordel ist seit fast 35 Jahren künstlerischer Intendant und Geschäftsführer in Anklam. Genauer: Er ist Geschäftsführer der Vorpommerschen Kulturfabrik GmbH, was schon mal nach Wirtschaft und Unternehmen klingt. Die Kulturfabrik fungiert wiederum als Gesellschafter der Theater GmbH und der Theaterhaus GmbH. Mit dieser privaten Konstruktion gehen die Anklamer seit dem Jahr 1993 einen anderen Weg als die meisten anderen Theater in Deutschland, bei denen die Kommunen als Gesellschafter fungieren. Dieses Konstrukt sei ein „großer Gewinn“, wenn es um schnelle Entscheidungen und Handlungsfähigkeit geht, sagt Wolfgang Bordel. Oft verknüpfen sich aber auch unternehmerische und künstlerische Risiko-Entscheidungen, etwa wenn ein klassenkämpferisches Brecht- Stück wie „Die Gewehre der Frau Carrar“ aus dem Jahr 1937 sage und schreibe 25-mal in Anklam und Zinnowitz aufgeführt wird. Oder aber ein Stück nach kurzer Zeit vom Spielplan genommen werden muss, weil es keiner sehen will. Dass man in Anklam Anfang der 1990er-Jahre den rein unternehmerischen Theater-Weg eingeschlagen hat, bedingte auch die finanzielle Situation. Mit der Privatisierung löste Wolfgang Bordel die Mitarbeiter und Schauspieler aus den Tarifverträgen, die für die Bühnen gelten. Das hat natürlich Konsequenzen für die Gehälter der Anklamer Theaterleute. Im Prinzip, so Wolfgang Bordel, handele es sich um eine Solidargemeinschaft, die die „Verteilung der Armut auf alle“ zum Prinzip erhoben habe. Angesichts dessen kann sich auch der Intendant nicht als Big Boss aufspielen. Der Intendant fährt einen alten Transporter mit Bett an Bord. „Wenn es spät wird, schlafe ich da auch mal.“ Mit seinem Urlaub sei er zwei Jahre im Rückstand. Die Vorpommersche Landesbühne in der gerade mal 13.400 Bürger zählenden Kleinstadt Anklam hat 27 Jahre nach der Wende überlebt, was allein schon ein Erfolg ist. Aber Wolfgang Bordel kann auf weitere verweisen. Beispielsweise die Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz, die Anfang September den 18. Jahrgang von Schauspieleleven aufgenommen hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Theaterschulen müssen die Talente hier keine Studiengebühr bezahlen. Im Gegenteil: Sie bekommen eine Ausbildungsvergütung. Dafür stehen sie dann aber auch ab den ersten Sommerferien auf der Bühne. Etwa 40 Prozent seiner Arbeitszeit kann sich Bordel der Kunst widmen. Er schreibt selbst und inszeniert. Die restliche Zeit ist er damit beschäftigt, „klingeln zu gehen“, also Geld zu beschaffen. Die Gemeinden, in denen die Vorpommersche Landesbühne spielt, geben Geld in die Theaterkasse: Anklam, Heringsdorf, Zinnowitz, Usedom beziehungsweise Wolgast, Barth sowie der Landkreis Vorpommern-Greifswald steuern etwa 30 Prozent des Etats bei. 50 Prozent kommen vom Land. Der Kartenverkauf bringt etwa 20 Prozent des Theaterbudgets. „Mit diesem hohen Anteil liegen wir bundesweit in der Spitzengruppe“, sagt Wolfgang Bordel. Hinzu kommen Mittel von Sponsoren, die der Netzwerker Wolfgang Bordel auch umwerben muss. Für das Geld würden die Theatermacher aber auch liefern, sagt er. „Unser Produkt sind Träume und Tränen, Lachen und Fröhlichkeit.“ DER AUTOR schreibt für den „Nordkurier“, Neubrandenburg. ANZEIGE Zulieferer arbeiten zusammen 3870645-10-1 Im Netzwerk Automotive MV haben sich Zuliefererbetriebe im Norden zusammengeschlossen. Und die Branche hat sich beachtlich entwickelt. VON AXEL BÜSSEM ROSTOCK — Ein Autoland ist Mecklenburg-Vorpommern (MV) wahrlich nicht. Keine der großen Automarken hat nach der Wende dort eine Fabrik gebaut. Es gab auch keine Tradition aus DDR-Zeiten, die hätte fortgeführt werden können. Dennoch bekommt auch MV ein Stückchen vom Kuchen ab: Die Zuliefererbranche im Land hat sich beachtlich entwickelt und bietet Tausenden Menschen Arbeit. Mehr als 20 Unternehmen mit rund 3500 Beschäftigten haben sich zum Netzwerk Automotive MV zusammengeschlossen, um ihre Interessen zu vertreten und sich zu unterstützen. Mit Erfolg: Fünf Prozent Zuwachs bei Umsatz und Beschäftigung erwartet der Verbund für die nahe Zukunft pro Jahr. Das Fehlen eines zentralen Abnehmers für Autoteile im Land hat dazu geführt, dass es auch keine gebündelten Lieferketten gibt, die auf diesen einen Großkunden ausgerichtet wären. Darin sieht Andreas Dikow, Vorsitzender von Automotive MV, einen Vorteil des Netzwerks: „Unsere Stärke liegt in unserer Unterschiedlichkeit.“ Wenn nur ein Abnehmer beliefert würde, könnte dieser die gesamte Branche mit sich herunterziehen, sollte er einmal in Schwierigkeiten geraten, erklärt Dikow, selbst Geschäftsführer bei Webasto in Neubrandenburg. Lediglich sein Unternehmen oder auch der Airbag-Hersteller ZF TRW in Laage (Landkreis Rostock) hätten selbst noch einige Zulieferer. Dennoch werde ein ähnlicher Kundenkreis beliefert, der auch ähnliche Anforderungen stelle, sagt Dikow. „Daher können wir uns gegenseitig unterstützen bei der Verbesserung der Qualität, Verfügbarkeit der Produkte, Zuverlässigkeit der Lieferung oder Fortbildung der Mitarbeiter.“ Webasto ist eines der Vorzeige- Unternehmen – nicht nur der Zuliefererbranche – in MV: Die Webasto- Gruppe mit Sitz im bayrischen Stockdorf hatte das Werk nach der Wende vom VEB Sirokko übernommen. Heute arbeiten mehr als 650 Beschäftigte in dem Werk und liefern Heizgeräte in die ganze Welt. Dabei setzt das Unternehmen auf den Zukunftsmarkt Elektromobilität: Bis 2025 will Webasto eine Million Heizungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge bauen. Dikow hat deshalb auch keine Angst vor der E-Zukunft, weder für sein eigenes Unternehmen noch für Automotive MV: „Wir sind nicht abhängig von fossiler Technik, da die meisten unserer Mitglieder Produkte anbieten, die auch für Elektrofahrzeuge gebraucht werden.“ Manche Anbieter würden sogar vom Technologiewandel profitieren, glaubt Dikow, etwa Lear in Wismar, wo Stecker gebaut werden, oder ML&S in Greifswald, die am Datenaustausch innerhalb des Fahrzeugs oder von Fahrzeugen untereinander arbeiten. Das Netzwerk hilft seinen Mitgliedern bei der oft sehr langwierigen und damit teuren Forschung, betont Dikow: Zu den Forschungseinrichtungen in MV bestehen gute Kontakte, vor allem zur Uni Rostock und der Hochschule Stralsund. DER AUTOR schreibt für die „Ostsee-Zeitung“, Rostock.

Dienstag, 21. November 2017 WIRTSCHAFT NETZWERK Freie Presse C9 NETZWERKER Junge Konditoren werden koordiniert LUCKAU — Es ist kurz vor Weihnachten und René Klinkmüller bringt die Festtagsbäckerei gemeinsam mit Vater Werner Klinkmüller und den 13 Mitarbeitern des Familienbetriebes ins Finale. Eine Jahresendpause gibt es für den 33-Jährigen nicht. Der mehrfach preisgekrönte Konditormeister bereitet sich auf die Weltmeisterschaft der Köche im November 2018 in Luxemburg vor: Kreation von Pralinen und Petit Fours für die Kochkunstausstellung. Auch auf Brandenburgs größter Handwerksmesse im Januar 2018 in Cottbus ist er wieder dabei – mit köstlichen Überraschungen „im Ärmel“. Wettbewerbe, Messe-Beteiligungen und Ehrenämter sind ihm ein Füllhorn an Inspirationen, sagt René Klinkmüller. Er ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Handwerkskammer Cottbus und des Condi- CreativClubs, einem Verein 60 junger Konditoren aus ganz Europa. Die haben ihn 2014 zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Beate Möschl René Klinkmüller lässt sich für die alljährliche Handwerkermesse in Cottbus immer wieder neue, köstliche Kreationen einfallen. FOTO: HANDWERKSKAMMER COTTBUS/ARCHIV Für den Open-Air-Festgottesdienst zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ südlich von Wittenberg hatte Fairnet über mehrere Monate 40 Hektar unerschlossenes Gelände an der Elbe in eine Festwiese verwandelt. FOTO: FAIRNET Reformation sorgt für größten Auftrag Fairnet – ein Spezialist für Ausstellungen, Events und Kongresse – zaubert eindrucksvolle Inszenierungen. Der Erfolg öffnet zugleich Türen für weitere Firmen der Unternehmensgruppe Leipziger Messe. VON ULRICH MILDE LEIPZIG/ANNABERG-BUCHHOLZ — Die Erzgebirgsstadt Annaberg-Buchholz verwandelte sich Ende August in eine Märchenwelt. Für Fabelwesen, Prinzessinnen und Prinzen wurde der rote Teppich ausgerollt. Mit einer imposanten Konstruktion aus Traversen – in sieben Metern Höhe auf sechs Türmen thronend, präsentierte sich der Marktplatz wie ein großer, überdachter Ballsaal mit 800 Sitzplätzen. Neben einem Vip-Zelt wurde auch ein Catering- Stand errichtet, um die Gäste vor märchenhafter Kulisse zu verköstigen. Ein langes Grafikbanner zeigte eine Szene aus der Küche eines Märchenschlosses. Zu den insgesamt 80 „Fabulix“-Filmvorführungen kamen 20.000 Besucher aus ganz Deutschland und Tschechien ins Erzgebirge. Verantwortlich für die Aufbauten und den Service war die Fairnet GmbH, ein Tochterunternehmen der Leipziger Messe, ein Spezialist für Ausstellungen, Events und Kongresse. Die inzwischen 53 Mitarbeiter des Unternehmens realisieren, wie in Annaberg-Buchholz, für ihre Kunden eindrucksvolle Inszenierungen und betreuen 400 Mal im Jahr Messestände. Natürlich mit Schwerpunkt in Leipzig, am Stammsitz der Mutter, aber zunehmend auch bundesweit und im Ausland. Der Umsatz wuchs im vorigen Jahr von 24 auf 30 Millionen Euro. Hervorgegangen aus dem Service Center Leipzig, wurde Fairnet 1996 gegründet, mit der Vision, einer der führenden integrierten Messedienstleister der Bundesrepublik zu werden. „Heute sind wir ein 360- Grad-Dienstleister für Kommunikation im Raum“, beschreibt es Fairnet-Chef Dirk Deumeland. Entsprechend den Entwicklungen der Branche sei das Angebotsportfolio kontinuierlich weiterentwickelt worden. „Fairnet ist ein wichtiger Akteur bei allen Messen, Kongressen und Events, die wir in Leipzig, aber auch an anderen Standorten weltweit veranstalten“, lobt Martin Buhl-Wagner, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Messe GmbH, die attraktive Tochter. Im Zusammenspiel mit den integrierten Services der Unternehmensgruppe werde daraus ein Erfolg für den Kunden. Das zeigte sich etwa beim Reformationsjubiläum. Es bescherte Fairnet den bislang größten Eventauftrag. Mehrere Zehntausend Menschen feierten Ende Mai südlich von Wittenberg mit einem Open-Air- Festgottesdienst den Höhepunkt des Jubiläums „500 Jahre Reformation“. Bereits eine Woche zuvor war die Weltausstellung Reformation in der Lutherstadt eröffnet worden. Für den Gottesdienst hatte Fairnet über mehrere Monate die 40 Hektar unerschlossenes Gelände an der Elbe in eine Festwiese verwandelt, das den individuellen Wünschen des Veranstalters gerecht wurde, aber auch allen Anforderungen einer Großveranstaltung entsprach. Die Aufgabenliste war lang. Sie reichte von der Einrichtung des Geländes über den Bau von Tribünen für mehrere Tausend Musiker über die gesamte technische und mediale Infrastruktur bis hin zur Besucherführung und einem möglichst schonenden Umgang mit der Wiese. Solche Erfolge beflügeln: „Als Teil der Unternehmensgruppe stehen wir für Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit“, sagt Deumeland. Über die Jahre sei es gelungen, ein tragfähiges Netzwerk von Partnern in der Region aufzubauen. „Bis zu 80 Prozent unseres Auftragsvolumens bleiben in der Region.“ Das wirkt sich nach Angaben Buhl-Wagners auch bundesweit positiv aus. Laut einer Studie des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung sichere die Leipziger Messe-Gruppe deutschlandweit rund 6600 Arbeitsplätze. DER AUTOR schreibt für die „Leipziger Volkszeitung“, Leipzig. Selbsthilfegruppe Logistik wird flügge Das Netzwerk Logistik Leipzig-Halle wächst: zahlenmäßig und inhaltlich – und es braucht bald einen neuen Namen. VON MICHAEL ROTHE LEIPZIG/DRESDEN — Das Netzwerk Logistik Leipzig-Halle hat ein Luxusproblem. Weil es rasant wächst, Mitglieder in zwölf der 16 Bundesländer hat, und eins sogar in Rumänien, braucht es einen neuen Namen. Neulich wurde mit dem Dienstleister Mein Lagerraum3 ein Anbieter von Raumnutzungskonzepten aus Dresden begrüßt und auch gen Ostsachsen ein Expansionssignal gesetzt. Damit steht ein gutes Dutzend Adressen von dort in der Mitgliederkartei, die sonst von der namensgebenden Region dominiert ist. Das 2008 mit 20 Unternehmen gegründete Netzwerk zählt 132 Beitragszahler mit geschätzten 32.000 Beschäftigten, die jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz generieren: Spediteure, Verlader, Personal-, Finanz-, Post- und Immobiliendienstleister, Softwarehäuser, Häfen und Airports, außerdem Hochschulen, Kommunen und Kammern. Der Verbund wurde laut seiner Website „mit dem Ziel gegründet, eine Plattform für Unternehmen zu bieten, auf der gemeinsame Ideen, Konzepte und auch Geschäftsmodelle entwickelt werden können“. Der bis 2015 durch öffentliche Gelder mitfinanzierte Verein sitzt am Flughafen Leipzig-Halle. Der Grund: DHL. Die Logistiktochter der Deutschen Post hat dort ihr europäisches Luftkreuz mit 4000 Beschäftigten und ist Anker des Bündnisses, das sich auch als Selbsthilfegruppe versteht. „Beim Start wusste keiner, wo die Reise hingehen soll“, blickt Vorstandschef Toralf Weiße zurück. „Aber uns hat das Ziel geeint, das Thema Logistik pragmatisch nach vorn zu treiben“, so der 51-Jährige. Es gehe darum, Gleichgesinnte zu gewinnen, die Region zu stärken und zu vermarkten – kurz: selbst Lösungen für Probleme zu finden, so der gebürtige Torgauer, der im Hauptjob Managementberater ist. Spaß und Lokalpatriotismus seien die Triebfedern für sein Zweitengagement, sagt Weiße und: „Für alle Beteiligten ist es ein Spagat zwischen Beruf und Ehrenamt.“ Auch für Marko Weiselowski, einer der Chefs und Mitinhaber der Sachsenland Transport & Logistik GmbH aus Dresden. „Wenn sich Spediteure treffen, sollte man hinterher seine Finger nachzählen“, sagt der 47-Jährige und lacht. Auch im Netzwerk seien Mitglieder oft Konkurrenten. Doch die Beteiligten hätten Vertrauen investiert und nicht nur gemeinsame Ladungen auf die Beine gestellt, sondern auch Workshops, Delegationsreisen und Messen. Auch Weiselowski, Leiter des Regionalbüros Dresden, nutzt die Vokabel „pragmatisch“, die Mitglieder sollten voneinander profitieren. Sie tun es wohl auch – nicht nur durch Rabatte untereinander. Der Speditionschef nennt den Gemeinschaftsstand auf der Weltleitmesse „transport logistic“ München. Allein hätte sich Sachsenland einen Stand für ein paar zehntausend Euro nicht geleistet, sagt Weiselowski. Mit solchen Argumenten, regionalen Events und dem Know-how der Arbeitsgruppen buhlt das Zweckbündnis um Mitmacher. Weil nur noch beitragsfinanziert, lebe der Verein von seiner Mitgliederstärke, sagt der Vorstandsvorsitzende Weiße. „Wir nutzen das Logistiknetzwerk vor allem als Multiplikator“, sagt Stefan Kunze, Leiter Vermarktung der Norddeutschen in Ostdeutschland. Auch Heiko Loroff, Chef der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH, schätzt die Synergien im Verein. „Als einer der wenigen, die trimodale Logistikketten darstellen, Schiff, Bahn und Lkw verbinden können, gibt es für jeden Fall einen Ansprechpartner“, sagt er. Laut Weiße gibt es für den neuen Namen des Netzwerks bereits einen zukunftsfähigen Vorschlag, doch müsse der noch im Dezember durch die Mitgliederversammlung. DER AUTOR schreibt für die „Sächsische Zeitung“, Dresden. ANZEIGE 3874155-10-1