Aufrufe
vor 8 Monaten

Abschied | 04/2021

  • Text
  • Abschied
  • Menschen
  • Verstorbenen
  • Trauer
  • Bestattung
  • Chemnitz
  • Zeit
  • Trauerfall
  • Bestatter
  • Testament

Abschied VORSORGE Patientenverfügung Interview mit Manuela Braun, Case Managerin der Stadtmission Chemnitz Verehrte Frau Braun, Sie bieten im Rahmen Ihrer Tätigkeit für die Stadtmission Chemnitz Informationsveranstaltungen und Beratungen über Patientenverfügungen an. Wie notwendig ist die Sensibilisierung für dieses Thema? Das ist sehr notwendig. Viele Menschen tun sich schwer damit. Doch inzwischen wird bei einer Einlieferung in ein Krankenhaus oder in eine Pflegeeinrichtung in der Regel nach der Existenz einer Patientenverfügung gefragt. Zwar ist der Anteil jener, die ein solches Dokument verfasst haben, in den vergangenen Jahren gestiegen, aber er ist meiner Erfahrung nach immer noch viel zu gering. Jeder sollte bedenken. Die Patientenverfügung ist ein wichtiges Dokument, das Sicherheit bringt, dem Verfasser selbst, aber im Ernstfall auch den Ärzten, die daraus ersehen können, welchen Behandlungen und Therapien der Patient in welcher Situation zustimmt bzw. welche er ablehnt. Wie wichtig eine Patientenverfügung ist, hat auch die derzeitige Pandemie deutlich gemacht und zum Glück bei vielen Menschen ein Umdenken ausgelöst. Ab welchem Alter oder in welchen Lebenssituationen macht eine Patientenverfügung Sinn? Die Meinung, dass Patientenverfügungen nur etwas für Senioren, Kranke und Pflegebedürftige sei, ist falsch. Auch junge Menschen können auf Grund eines schweren Unfalls oder durch eine akute, plötzlich auftretende Erkrankung wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder durch einen schweren Verlauf einer Coronaerkrankung der Fähigkeit beraubt werden, den eigenen Willen mitzuteilen. Daher plädiere ich ganz klar dafür, mit dem Erreichen der Volljährigkeit eine Patientenverfügung aufzusetzen. Also, wenn man 18 und voll geschäftsfähig ist? Ja, genau. Mit 18 sieht man aber Vieles anders als mit 60 oder 70. Menschen ändern über die Jahre ihre Ansichten. Oder veränderte Lebensumstände beziehungsweise auftretende Krankheiten formen einen neuen Blickwinkel. Kann man seine Patientenverfügung entsprechend ändern oder ganz widerrufen? Selbstverständlich. Das ist jederzeit möglich. Man kann beispielsweise ein neues Dokument aufsetzen. Dann verliert automatisch das mit dem älteren Datum seine Gültigkeit. Natürlich kann man auch in der Patientenverfügung Änderungen vornehmen, zum Beispiel Absätze streichen oder Sätze hinzufügen. Diese Änderungen müssen natürlich mit aktuellem Datum und Unterschrift versehen sein. Was macht eine gute Patientenverfügung aus? Ich rate immer dazu, dass man keine allgemeinen Formulierungen verwenden soll. Sätze wie, wünsche keine Apparate-Medizin oder wünsche keine lebensverlängernden Maßnahmen sind so für sich stehend doch sehr unkonkret. Man sollte ganz konkret mögliche Behandlungssituation (z. B. „Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit“) nennen und welche Maßnahmen man in dieser jeweiligen Situation wünscht bzw. ablehnt. Anzeigensonderveröffentlichung 12

VORSORGE Abschied Anzeigensonderveröffentlichung Und vergessen Sie nicht den vollständigen Namen, Geburtsdatum, derzeitige Anschrift, Unterschrift und Datum, an dem das Dokument verfasst wurde. Darüber hinaus empfehle ich, möglichst kurze, verständliche Sätze zu schreiben und die Patientenverfügung übersichtlich zu gestalten. Warum ist kurz und übersichtlich so wichtig? Sehen Sie, ein Arzt hat oft keine Zeit, sich intensiv in seitenlange Schriftstücke zu vertiefen, um so den Patientenwillen zu erfahren. Nicht selten muss er in wenigen Minuten eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen, eine Entscheidung, die weitreichende Folgen für den Patienten hat. Dann ist es gut, wenn er mit wenigen Blicken erfassen kann, was der Patientenwillen ist, weil die Verfügung klar und übersichtlich ist. Hört sich aber nicht gerade einfach an, eine gute Patientenverfügung abzufassen. Zudem sind die meisten Menschen medizinische und juristische Laien. Kann da das Internet weiter helfen? Dort findet man ja unzählige Musterbeispiele. Was halten Sie von diesen Patientenverfügungen von der Stange? Ist wie mit Kleidung von der Stange. Einige Sachen passen, viele nicht und manche können passend gemacht werden. Aber es ist sicher eine gute Idee, sich Hilfe über das Internet zu holen. Allerdings sollte man eben nicht das erstbeste Muster nehmen. Die im Internet angebotenen Patientenverfügungen sind auf die unterschiedlichsten Anschauungen, Bedürfnisse, Befindlichkeiten, Ängste usw. zugeschnitten. Man muss also aus der Vielzahl genau das heraussuchen, was zu einem am besten passt. Oder man sucht sich aus mehreren Mustern die jeweils passenden Textpassagen zusammen. Da es unmöglich ist, alle im Internet kursierenden Patientenverfügung zu kennen, kann ich sie auch nicht pauschal empfehlen. Sicher sind darunter auch einige, die aus meiner Sicht nicht optimal verfasst sind. Wenn ich hier aber eine Empfehlung abgeben darf, so rate ich dazu, sich mal auf der Homepage des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (www.bmjv.de) umzusehen. Dort finden Sie unter der Rubrik Publikationen verschiedene Formulare, Muster und Vordrucke sowie Textbausteine. Vielen Dank, Frau Braun, für das informative Gespräch. y TIPP Eine Vollmacht können Sie im zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. www.vorsorgeregister.de Foto: Bernd Weimershauß 13