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Abschied | 04/2021

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Abschied STERBEBEGLEITUNG Hospiz Ambulante oder stationäre Betreuung? Im Mittelpunkt der Hospizarbeit steht der schwerstkranke und sterbende Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen sowie seine Angehörigen und Nahestehenden. Oft steht in einer solchen schweren Situation früher oder später die Frage im Raum, Betreuung in einem Hospiz oder ambulant zu Hause? Es zeigt sich, dass viele Betroffene den Wunsch äußern, bis zum Lebensende zu Hause oder im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Dieses zutiefst menschliche Bedürfnis zu ermöglichen, ist eine der wesentlichen Aufgaben der ambulanten Hospizdienste. Ambulante Hospizdienste Damit ein Leben bis zuletzt in der vertrauten Umgebung ermöglicht werden kann, ist ein Versorgungsnetzwerk erforderlich, in dem alle in der Hospiz- und Palliativversorgung relevanten ambulanten und stationären Angebote sowie die verschiedenen Berufsgruppen eng zusammenarbeiten. Die Organisation eines solchen Netzwerkes, das mit seinen palliativmedizinischen, palliativpflegerischen, psychosozialen und spirituellen Angebote dem ganzheitlichen Ansatz der Betroffenen Rechnung trägt, zählt zu den zentralen Aufgaben der ambulanten Hospizdienste. Darüber hinaus ist ein wesentliches Merkmal der ambulanten Hospizarbeit der Dienst ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In der psychosozialen Begleitung der Betroffenen übernehmen diese Ehrenamtlichen vielfältige Aufgaben. Durch ihre Arbeit leisten sie nicht nur einen unverzichtbaren Beitrag in der Begleitung der Betroffenen, sondern sie tragen wesentlich dazu bei, dass sich in unserer Gesellschaft ein Wandel im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen vollzieht. Die Begleitung und Unterstützung endet nicht mit dem Tod, sie wird auf Wunsch der Angehörigen in der Zeit der Trauer weitergeführt. Vor diesem Hintergrund werden durch die ambulanten Hospizdienste in der Regel ebenfalls Trauerberatung oder auch Trauergruppen angeboten. Die ambulanten Hospizdienste führen außerdem in der Regel auch Beratung und Informationsveranstaltungen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer durch. Ambulante Hospizdienste, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, erhalten für die hauptamtlichen Koordinierungskräfte sowie für Sachkosten eine Förderung durch die Gesetzliche Krankenversicherung. Die dadurch nicht gedeckten Kosten des ambulanten Hospizdienstes erbringt der Träger durch Spenden. Für die Betroffenen selbst sind die Leistungen der ambulanten Hospizdienste kostenfrei. Stationäre Hospize Sofern ein Sterben zu Hause, in der gewohnten Umgebung nicht möglich und eine Krankenhausbehandlung nicht notwendig oder gewünscht ist, kann die Aufnahme in einem stationären Hospiz erfolgen. Stationäre Hospize sind baulich, organisatorisch und wirtschaftlich eigenständige Einrichtungen mit separatem Personal und Konzept. Sie verfügen minde- Anzeigensonderveröffentlichung 24

STERBEBEGLEITUNG Abschied stens über acht und in der Regel höchstens über 16 Betten. Stationäre Kinderhospize sind speziell auf die Bedürfnisse erkrankter Kinder ausgerichtet. Im Mittelpunkt der stationären Hospizversorgung stehen die schwerstkranken Patientinnen und Patienten mit ihren Wünschen und Bedürfnissen. Eine ganzheitliche Pflege und Versorgung wird durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizes in Zusammenarbeit mit palliativmedizinisch erfahrenen Ärztinnen und Ärzten gewährleistet. Voraussetzung für die Aufnahme in ein stationäres Hospiz ist, dass die Patientin bzw. der Patient an einer Erkrankung leidet, die fortschreitend verläuft und bei der eine Heilung ausgeschlossen ist. Zu den weiteren Voraussetzungen zählen u. a., dass eine palliativ-medizinische und palliativ-pflegerische Versorgung im stationären Hospiz notwendig ist und eine Aufnahme von der Patientin bzw. dem Patienten gewünscht wird. y STERBEBEGLEITUNG – KANN ICH DAS? Anzeigensonderveröffentlichung Emotionale Nähe macht das Beistehen zu einer Herausforderung Erzählen ehrenamtliche Sterbebegleiter, von ihrer Tätigkeit, so erleben sie oft als Reaktion Respekt und Bewunderung, aber nicht selten auch Unverständnis und Irritation. Oft fallen dann Sätze wie: Warum tust du dir das an und auch noch freiwillig? Wie hältst du das aus? Ich würde daran zerbrechen. Ich wäre dazu nicht fähig. Braucht man besondere Fähigkeiten? Grundsätzlich ist die Sterbebegleitung etwas, was aus dem sozialen Miteinander erwächst und wozu es keiner besonderen Fähigkeiten bedarf außer der „mitmenschlichen Geste“. Die Unsicherheiten auf diesem Gebiet sind aber größer geworden durch die Tatsache, dass kaum jemand mehr das Sterben in seinem Umfeld erlebt. Und so vermag man kaum im Vorfeld abzuschätzen, wie ein Mensch in einer derartigen Situation reagiert. Wie man mit der Situation klar kommt, ist von vielen Faktoren abhängig, der eigenen psychischen Belastbarkeit, Empathie, der Fähigkeit, Dinge nicht ranzulassen oder auch mal abzuschalten, Einstellung zum Leben und Tod, Glaube, Trostfähigkeit usw. Man weiß eigentlich erst dann, ob man der Aufgabe gewachsen ist, wenn man in eine solche Situation gerät und man sich ihr stellen muss. Menschen sind verschieden und verarbeiten emotionale Ereignisse ganz unterschiedlich. Und so gibt es Menschen, die sich nicht in der Lage fühlen, einen Sterbenden zu begleiten. Sie sollten aber zu ihrer Unsicherheit oder Überforderung stehen und Verantwortung übernehmen, indem sie dem Patienten Hilfe und Unterstützung von anderer, kompetenter Seite vermitteln. Es selbst nicht auszuhalten, dem Sterbenden stärkend zur Seite zu stehen, hat nichts mit Versagen zu tun. Menschen sind nicht in allen Belangen gut. Es ist keine Schwäche, seine Schwächen und Grenzen zu akzeptieren. Ganz im Gegenteil. Angehörige und Freunde eines Sterbenden werden fast „automatisch“ zu Sterbebegleitern, da sie ihm am nächsten stehen und oft auch als Ansprechpartner fungieren. Allerdings lässt die große Nähe zum Sterbenden oft auch keine klare Sicht der Dinge zu, die nötige Distanz für bestimmte Entscheidungen ist wegen der eigenen Betroffenheit nicht oder nicht ausreichend vorhanden. Das führt dazu, dass Angehörige und Freunde selbst eine Begleitung benötigen. Im Idealfall gibt es einen oder mehrere Begleiter, die den Sterbenden und sein Umfeld im Blick haben. 25