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Familie | 06/2021

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Ab 2025 soll es ein

Ab 2025 soll es ein Recht auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder geben. Foto: iStockphoto.com / © Yobro10 Eltern wünschen sich flexiblere Betreuungsangebote Studie zeigt Bedarf auch an kürzeren Angeboten Eltern von Grundschulkindern sollen ab 2025 das Recht auf einen ganztägigen Betreuungsplatz haben, das hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Diskutiert wird ein Anspruch auf acht Stunden an jedem Schultag – inklusive der Unterrichtszeiten – und an einem Großteil der Ferien. Um dies zu realisieren, müssten Bund, Länder und Gemeinden mehrere hunderttausende zusätzliche Ganztagsplätze schaffen und Milliarden investieren. Die aktuellen Ergebnisse der Kinderbetreuungsstudie (KIBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen allerdings: Auch wenn insgesamt 74 Prozent der befragten Eltern einen Betreuungsbedarf haben, so wünscht sich doch nur etwa jede fünfte Familie ein tägliches ganztägiges Angebot. 10 Prozent der befragten Eltern eines Grundschulkinds brauchen stattdessen eine Betreuung von mehr als acht Stunden pro Tag und 23 Prozent würden weniger als 8 Stunden pro Tag bevorzugen. Weitere 14 Prozent der Eltern gaben an, nur an drei oder vier Tagen pro Woche eine Betreuung zu benötigen. „Gefragt sind zeitlich flexiblere, aber auch kürzere Angebote“, sagt KIBS-Projektleiterin PD Dr. Susanne Kuger. „Dies ist bei der Planung des weiteren Ausbaus zu berücksichtigen.“ Die DJI-Kinderbetreuungsstudie erhebt jährlich für alle Bundesländer repräsentativ den Betreuungsbedarf der Eltern mit Kindern unter 12 Jahren. Im Jahr 2019 wurden mehr als 8.000 Eltern von Kindern im Grundschulalter befragt und dabei neben Ganztagsschulen und Horten als Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe auch die Übermittagsbetreuung einbezogen. Letztere wird in der amtlichen Statistik bislang nicht als eigenständiges Angebot erfasst und damit im Rahmen der Förderung des Bundes für den Ganztagsausbau bisher nicht berücksichtigt. - 6 -

Die Analysen zeigen auch die Lücke zwischen potentiellem Bedarf und aktueller Nutzung: Zum Zeitpunkt der Befragung im Jahr 2019 hatten deutschlandweit 6 Prozent der Eltern von Grundschulkindern keinen Betreuungsplatz, obwohl sie einen bräuchten. Dies betrifft mehr Eltern in Westdeutschland als in Ostdeutschland (6 Prozent versus 3 Prozent). 11 Prozent der befragten Eltern nutzen zwar bereits ein Angebot, benötigen aber eigentlich einen größeren zeitlichen Umfang von mindestens 5 Stunden mehr pro Woche. Ihr Anteil ist in den ostdeutschen Ländern größer als in den westdeutschen (13 Prozent versus 10 Prozent). Etwa die Hälfte der Grundschulkinder in Deutschland wird bedarfsdeckend betreut, ein Viertel der Eltern von Grundschulkindern hat keinen Betreuungsbedarf. Von den Eltern, die bei der Studie einen Betreuungsbedarf geäußert haben, wünscht sich zwar ein knappes Drittel einen Platz in einer Ganztagsschule und ein Viertel in einem Hort, jeweils mit einem wöchentlichen Umfang von durchschnittlich 37 bis 39 Stunden inklusive Unterricht. Etwa jede fünfte Familie bevorzugt aber eine kürzere Betreuung mit durchschnittlich 30 Stunden pro Woche. „Dieser Elternwunsch sollte in die Diskussion über die Planung des weiteren Ausbaus der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder einbezogen werden“, fordert Kuger. Übermittagsangebote sollten zudem als eigenständiges Angebot in die amtliche Statistik aufgenommen werden. Die Übermittagsbetreuung wird der DJI-Kinderbetreuungsstudie zufolge vor allem in westdeutschen Bundesländern nachgefragt, während in Ostdeutschland der Hort bevorzugt wird. Neben den Formaten unterscheidet sich auch die gewünschte Dauer: Eltern in den ostdeutschen Bundesländern benötigen für ihr Grundschulkind eine Betreuung von durchschnittlich 40 Stunden pro Woche, in Westdeutschland sind es im Schnitt nur 35 Stunden. Ausschlaggebend für den Bedarf ist häufig die Erwerbstätigkeit der Mütter, die in Ostdeutschland historisch bedingt höher liegt als in Westdeutschland. Außerdem benötigen Alleinerziehende eher als Paarfamilien einen Betreuungsplatz für ihr Grundschulkind. 763 Euro Ausgaben pro Monat fürs Kind Kitagebühren oder Sportschuhe, Schulranzen oder Frühstücksbrote – die Ausgaben von Eltern für ihre Kinder sind vielfältig. Im Jahr 2018 gaben Paare mit einem Kind im Schnitt 763 Euro im Monat für ihren Nachwuchs aus. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, machten die Ausgaben für das Kind damit mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der gesamten Konsumausgaben dieses Haushaltstyps in Höhe von monatlich 3593 Euro aus. Im Vergleich zum Jahr 2013 (660 Euro) sind die Ausgaben für ein Kind um knapp 16 Prozent gestiegen, die gesamten Konsumausgaben um 17 Prozent. Alleinerziehende mit einem Kind gaben mit durchschnittlich 710 Euro monatlich etwas weniger aus als Paare, jedoch hatten die Ausgaben fürs Kind bei ihnen einen Anteil von 35 Prozent an den gesamten Konsumausgaben. Die Ausgaben für Kinder bestehen unter anderem aus der materiellen Grundversorgung wie Ernährung, Bekleidung und Wohnen. Hierauf entfiel rund die Hälfte der Ausgaben für Kinder. Auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur entfielen rund 15 Prozent der Ausgaben. Mit steigender Kinderzahl sinken die Ausgaben pro Kind: Für zwei Kinder gab ein Paarhaushalt im Schnitt 1276 Euro monatlich aus, für drei Kinder 1770 Euro. Zudem zeigt sich: Je älter die Kinder, desto höher die Kosten. Paare mit einem Kind im Alter von bis zu 6 Jahren gaben 679 Euro im Monat für das Kind aus – in diesem Alter spielt die Kinderbetreuung als Ausgabeposten eine größere Rolle. Für Jugendliche von 12 bis unter 18 Jahren gaben die Eltern in Paarhaushalten mit einem Kind mit durchschnittlich 953 Euro im Monat deutlich mehr aus. Hier fallen die höheren Ausgaben für Nahrungsmittel und die Ausgaben für Freizeit, Unterhaltung und Kultur stärker ins Gewicht. - 7 -