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mach was! - September 2021

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mach was ! BERUFE IM PORTRÄT Drei in Eins Im vergangenen Jahr wurde die Pflegeausbildung reformiert Anfang 2020 geschah etwas Ungewöhnliches: Der Beruf des Krankenpflegers verschwand aus den Stellenanzeigen von Berufsschulen, Kliniken oder Pflegediensten. Der des Altenpflegers ebenso. Und auch Azubis als Kinderkrankenpfleger wurden nicht mehr gesucht. Doch es war nicht so, dass diese Berufe urplötzlich nicht mehr gebraucht wurden. Eher im Gegenteil… Was also war passiert? Mehrere Pflegeberufe wurden Anfang 2020 in einem neuen Berufsbild zusammengefasst. Junge Leute sollen künftig eine neue, generalistische Pflegeausbildung absolvieren – sie sollen Pflegefachmann oder Pflegefachfrau werden. Diese Ausbildung vereint also die bisher drei Berufe, die auf die Gesundheits- und Krankenpflege von Senior*innen, von Kindern oder von Kranken und Verletzten spezialisiert waren. Ziel ist es, dass künftige Berufstätige flexibler zwischen Altenheimen und Krankenhäusern, zwischen Pflegediensten und Kinderkliniken wechseln können: Wer die Freude an einem Arbeitsfeld oder Arbeitgeber verliert, soll leichter in einen der benachbarten Bereiche wechseln können. Gerade, weil Pflegekräfte weiterhin stark – und in Zukunft: noch stärker – gefragt sind, sollen sie langfristig in der Pflege erhalten bleiben, auch wenn sie ihr erstes Arbeitsfeld nicht mehr ausüben können oder wollen. Das verändert natürlich auch die Ausbildung: Weil Kinder teilweise andere Behandlung(en) brauchen als Alte oder Kranke, müssen Auszubildende im neuen Beruf der Pflegefachkraft alle drei Bereiche während ihrer Ausbildung durchlaufen und den Umgang mit unterschiedlich Pflegebedürftigen erlernen. Weiterhin jedoch unterstützen sie Menschen bei Gesundung und Alltagsbewältigung: Sie helfen bei der Nahrungsaufnahme oder der Körperhygiene, verabreichen Medikamente, bereiten Operationen vor oder wechseln Schienen und Verbände, sie erstellen Pflegepläne und kümmern sich um notwendige Materialien oder die Dokumentation der Pflegearbeiten sowie der individuellen Fortschritte ihrer Patient*innen und Klient*innen. Die grundsätzlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten der ursprünglich drei Pflegeberufe sind also weiterhin gefragt – das in der Ausbildung Gelernte ist aber in größerem Maße an unterschiedlichen Patientengruppen anwendbar. Deshalb mussten sich Azubis auch auf neue Regeln einstellen: Nach der Ausbildung sollen sie mit den verschiedenen Gruppen zurechtkommen – also müssen sie dies während ihrer Ausbildung lernen. Entsprechend verteilen sich die Praxisteile der Ausbildung künftig gegebenenfalls auf unterschiedliche Arbeitgeber, in der Praxis zumindest oft auf unterschiedliche Einrichtungen des eigenen Ausbildungspartners. Hatten Kritiker der Ausbildungsreform bemängelt, es werde künftig noch schwerer, Nachwuchs für die verschiedenen Pflegebereiche zu gewinnen, so scheint sich das bisher noch nicht zu bestätigen. Ausbildende Unternehmen berichten davon, dass die Nachfrage nach der neuen Ausbildung gut sei – und auch sensible Pflegebereiche nicht leiden. 56

mach was ! BERUFE IM PORTRÄT Das lässt sich auch leicht erklären: So, wie es unterschiedliche Patientengruppen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Ideen der Auszubildenden. Der eine mag die Abwechslung, wie sie die Station eines Krankenhauses mit täglich wechselnden Patienten bereithält. Der andere hingegen schätzt eher die Regelmäßigkeit der Arbeit in einem Altenpflegeheim – nur dort lassen sich auch längerfristige Bindungen zu den Patient*innen herstellen, das Verhältnis wird persönlicher. Und schließlich muss die Spezialisierung auch in der neuen Ausbildung nicht vollständig ad acta gelegt werden – das dritte Lehrjahr bietet allen Azubis die Chance, sich in einen bestimmten Arbeitsbereich besonders intensiv einzuarbeiten und diese Spezialisierung auch im Ausbildungszeugnis eintragen zu lassen. Und noch eine Chance bietet das neue Berufsbild: Auszubildende erhalten – anders als früher – im Regelfall eine Ausbildungsvergütung. Wenn du dich für die Arbeit in der Pflege interessierst, solltest du… • Lust haben, andere Menschen bei der Genesung oder der Bewältigung ihres Alltags zu unterstützen. • Verständnis und Empathie für die Probleme anderer Menschen aufbringen können – denn oft bist du der erste Ansprechpartner für Patient*innen oder deren Angehörige. • Verantwortungsbewusstsein und Disziplin mitbringen, schließlich könnte jeder Fehler bedrohliche Folgen haben. • die Bereitschaft zu Schichtdienst und zu Arbeit an Wochenenden und Feiertagen haben, weil die Pflege von Hilfsbedürftigen keine Pause macht. So steigst du in das Arbeitsfeld Pflege ein: • Erstmal reinschnuppern: Viele Arbeitgeber in der Region lassen dich gern ausprobieren, ob du wirklich für die Pflege geeignet bist – sei es bei einem mehrwöchigen Praktikum, im Freiwilligen Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst. • Stufe 1 – Ausbildung zur Pflegehilfskraft: In Bei etwa 1.000 Euro geht es im ersten Lehrjahr los, bis auf 1.200 Euro kann das Azubi-Entgelt im dritten Ausbildungsjahr steigen. Mehr Flexibilität im Berufsleben und eine auskömmliche Entlohnung schon in der Ausbildung – das war doch mal eine Reform, die sich gelohnt hat! Entsprechend wird aktuell in vielen Einrichtungen auch erwartet, dass auch die unterschiedlichen Ausbildungen zu Pflegehelfer*innen bald zu einem Berufsbild zusammengefasst werden. Texte: vtz , Fotos: stock.adobe.com/©New Africa , ©sinenkiy.com.ua diesem Berufsbild, das momentan noch in mehreren Varianten zum Beispiel als Kinderoder als Altenpflegehilfstkraft ausgebildet wird, unterstützt du das Fachpersonal bei seinen Aufgaben – bist aber auch in hauswirtschaftlichen Arbeitsbereichen tätig. • Stufe 2 – Ausbildung zur Pflegefachkraft: Über drei Jahre lernst du, wie du mit kranken oder pflegebedürftigen Menschen umgehen musst. Du erwirbst Fähigkeiten in der Behandlung unterschiedlicher Patientengruppen und arbeitest nach der Ausbildung 57 in Altenwohnheimen oder Facharztpraxen, in Einrichtungen zur Kurzzeitpflege oder in ambulanten Pflegediensten, in Kliniken oder Krankenhäusern. • Stufe 3 – Pflege-Studium: Abitur oder Berufserfahrung vorausgesetzt, kannst du Pflege auch studieren. Dabei gibt es bundesweit sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge sowie duale Studiengänge. Hier lernst du weniger das praktische Pflegewissen, sondern eher die Theorie, also beispielsweise, wie du ein Team von Pflegekräften motivieren kannst oder wie Pflege organisiert und mit Kranken- und Pflegekassen abgerechnet wird.